
Meeresschutz kennt keine Grenzen
Die Vereinten Nationen haben bei der Ozeankonferenz in Nizza einen Aktionsplan für die Rettung der Weltmeere erstellt und Einigkeit demonstriert. Auf Worte müssen jetzt aber auch Taten folgen.

Meeresschutz kennt keine Grenzen
Die Vereinten Nationen haben bei der Ozeankonferenz in Nizza einen Aktionsplan für die Rettung der Weltmeere erstellt und Einigkeit demonstriert. Auf Worte müssen jetzt aber auch Taten folgen.

Ein Sommer ohne Meer? Für viele kaum vorstellbar. Das Rauschen der Wellen, der salzige Wind auf der Haut – das Meer ist Sehnsuchtsort und Ruheoase. Doch während Millionen von Reisenden in diesen Wochen mit Handtuch und Schnorchel an die Küsten strömen, ging es Anfang Juni für die Vereinten Nationen um einen ganz anderen Zugang zum Ozean: als bedrohtes Ökosystem – und als Patient auf der Intensivstation.
In Nizza fand vom 9. bis 13. Juni die dritte UN-Ozeankonferenz statt, die diesmal von Frankreich und Costa Rica ausgerichtet wurde. Vertreter:innen aus 175 Staaten diskutierten fünf Tage lang über den kritischen Zustand der Weltmeere und Herausforderungen wie Überfischung, Plastikmüll und Überhitzung, die aktueller sind denn je. Dringend gesucht: Mögliche Lösungsansätze – solche, die auf jahrzehntelange Versprechungen Taten folgen lassen.
Kurswechsel gefragt.
„Wir leben in einer Zeit der Umbrüche, aber die Entschlossenheit hier gibt mir Hoffnung, das Ruder herumreißen zu können“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres zum Auftakt. Hoffnung – die soll der „Nice Ocean Action Plan“ liefern, den die internationale Staatengemeinschaft ausgearbeitet hat. Der Aktionsplan für verstärkten Schutz der Weltmeere ist eines der wichtigsten Ergebnisse der Konferenz in Südfrankreich und eine Sammlung von Selbstverpflichtungen der einzelnen Länder. Darin geht es um konkrete Schritte zur Ausweitung von Meeresschutzgebieten, die Reduktion von Plastikmüll, nachhaltige Fischerei und den Umgang mit neuen Gefahren wie dem umweltschädlichen Tiefseebergbau, den die USA vorantreiben wollen. Weil der Abbau von Mineralien am Meeresboden droht die Artenvielfalt zu zerstören, CO2 freizusetzen und Schwermetalle in die Nahrungskette zu bringen, forderten über 30 Staaten einen Aufschub dieses Vorgehens. Darunter auch der französische Präsident Emmanuel Macron, der auch gegen „neue Wildwest-Ambitionen“ mancher Staaten wetterte –
eine Spitze gegen die USA, die erstmals keine offizielle Delegation zur Konferenz entsandt hatten. Österreich war durch Staatssekretär Sepp Schellhorn vertreten, der verdeutlichte, dass der Meeresschutz auch für ein Binnenland zentral sei. Man unterstütze deshalb nicht nur die Politische Erklärung von Nizza, sondern setze auch eigene Akzente – etwa im Kampf gegen Unterwasserlärm, der viele Meereslebewesen schädigt.
Mehr als Ferienkulisse
Die Ozeane bedecken über 70 Prozent der Erdoberfläche und sind essenziell für das Leben auf unserem Planeten. Sie erzeugen rund die Hälfte unseres Sauerstoffs, absorbieren 30 % des menschengemachten CO₂ und schlucken riesige Mengen überschüssiger Wärme. Drei Milliarden Menschen sind durch Fischerei, Tourismus oder Handel direkt auf das Meer angewiesen. Gleichzeitig sind die Ozeane Heimat von rund einer Million bekannter Arten.

Unmittelbar am dramatischsten für die Menschen ist das Insektensterben. Sie sind als Bestäuberinnen unverzichtbar für die Nahrungsmittelproduktion. Fehlen die Insekten oder werden sie dramatisch weniger, bricht die Produktion ein.
Zwischen Fortschritt und Frustration.
„Accelerating Action“, lautete das Motto der diesjährigen UN Ocean Conference. Eine der Maßnahmen, die dringend vorangetrieben werden müssen, ist die Reduktion von Plastikmüll im Meer. 95 Länder forderten gemeinsam, die Herstellung von Kunststoffen zu begrenzen und eine verpflichtende Dokumentation über die Ein- und Ausfuhr dieser Stoffe einzuführen. Ein entsprechendes Abkommen soll im August bei einer weiteren Verhandlungsrunde in der Schweiz diskutiert werden. Bereits beschlossen haben die Vereinten Nationen ein internationales Ozean-Forschungsprogramm namens „Mission Neptun“, das einen jährlichen Zustandsbericht der Weltmeere vorsieht.
Trotz vieler positiver Signale blieben aber auch kritische Stimmen nicht aus: Umweltorganisationen wie Greenpeace oder OceanCare bemängelten, der Aktionsplan von Nizza sei zu vage und enthalte kaum konkrete Finanzzusagen und rechtsverbindliche Vereinbarungen. Die Hoffnung liegt nun auf den kommenden Verhandlungen. Nichtsdestotrotz hat die Ozean-Konferenz einen Impuls gesetzt, seit New York 2017 und Lissabon 2022 ist das Bewusstsein spürbar gestiegen. Wer diesen Sommer den Blick aufs weite Blau genießt, darf sich erinnern: Der Ozean geht uns alle an.
Kleine Taten, große Wellen
Plastik vermeiden: Wiederverwendbare Produkte nutzen, auf Mikroplastik in Kosmetik achten.
Fisch bewusst konsumieren: Auf nachhaltige Siegel achten oder öfter auf Fisch verzichten.
Engagieren & informieren: Meeresschutz-Organisationen unterstützen, Petitionen unterzeichnen und Wissen teilen.
Diese Serie wird durch Unterstützung des VVT ermöglicht.
Der Klimawandel betrifft uns alle, deshalb widmet sich die Serie „Und wie geht’s dem Klima?“ einmal im Monat aktuellen Entwicklungen, Herausforderungen und Ideen rund um das Thema.
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