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Total Normal für Innsbruck halt.

Zeig mir, dass du in Innsbruck lebst, ohne Innsbruck in den Mund zu nehmen: 6020 hat sich auf die Suche nach ikonischen Bildern gemacht, die man aktuell wirklich nur im Herzen der Alpen findet. Und musste dafür nicht einmal das Goldene Dachl bemühen.

Urbane Brettl-Biker

Downtown läuft der Restschnee den Gulli hinunter. Die Wintersonne kitzelt erste Frühlingsgefühle wach. Doch auf den Bergen rund um Innsbruck stehen noch alle Zeichen auf ein g‘führiges Alpinvergnügen. Genau das sind die Idealbedingungen für eine besondere Spezies, die österreichweit einzigartig ist: Vorhang auf für den gemeinen Brettl-Biker, der sich nun fidel auf den Weg zur Piste macht. Mit aufgeschulterten Skiern oder Snowboard am Rücken radelt das Innsbruck- spezifische Phänomen, das gern in Kleingruppen auftritt, frohen Mutes Richtung Nordkettenbahnen – und beglückt damit Tagesgäste und frisch Zuagroaste, die meist erst dann das Handy gezückt haben, wenn dieses urban-alpine Sportblitzlicht schon wieder außer Sicht ist. Notabene: Wirklich wahre Brettl-Biker lassen die Skihose innerstädtisch im Rucksack. Seavas die Wadln!

2. Flugzeuge im Gnagg

Als dereinst Corona die Welt lahmlegte, fiel erst richtig auf, wie still Innsbruck sein kann, wenn einem nicht ständig Tiefstflieger im Nacken sitzen. Und zwar buchstäblich. Selbst wer hier sozialisiert wurde, fragt sich regelmäßig, wie es die zum Greifen nahe Flugzeuge tatsächlich bis nach Kranebitten schaffen und wann die erste Maschine in die Anna Säule kracht oder im GeiWi-Turm hängenbleibt. Innsbruck-Neulinge kann man dabei zusehen, wie sie angesichts der waghalsigen Landemanöver kreidebleich mit ihrem Leben abschließen. Aber don’t panic: Bislang hat ja alles geklappt. Dennoch zählt der Landeanflug auf den Innsbrucker Flughafen laut einschlägiger Web-Seiten zu den zehn gefährlichsten respektive anspruchvollsten der Welt. Im Herzen der Alpen positioniert zu sein, klingt zwar markig, macht die Alpen aber auch nicht kleiner. Good to know: Pilot:innen, die in Innsbruck landen wollen, müssen zuvor zusätzliche Stunden am Flugsimulator absolvieren. Mit der Binsenweisheit, dass eh alle Flieger irgendwann mal runterkommen, sollte man dabei eher zurückhaltend umgehen.

3. Lawinen- Wecker

Ein saisonales Innsbruck-Spezifikum hat schon bei so manchem 6020-Neuling für einen morgendlichen Schockzustand gesorgt. Ist ja auch nur mittellustig, wenn man noch im Tiefschlaf im Bett liegt und plötzlich von lauten Sprenggeräuschen geweckt wird. Während sich gelernte Innsbrucker:innen davon nicht aus der Ruhe bringen lassen, glaubt sich der Rest schon in einem apokalyptischen Kriegsszenario gefangen. Bis er oder sie checkt, dass keine feindlichen Truppen einmarschiert sind, sondern nur gezielte Sprengungen auf Lawinenhängen durchgeführt werden. Ergo: Dieses Kawumm gibt’s nur dann, wenn Schnee liegt. Also mittlerweile höchst selten. Einheimische finden das schade. Sie schätzen die „hoamelige“ Tschinderei.

4. Durch den Wind

„Gspiar’sch in Föhn?!“, ist eine Frage, die in Innsbruck auch dann gern gestellt wird, wenn gar kein Föhn – also trockener Fallwind – weht. Wer mit ebenjener Teufels-Brise aufgewachsen ist, der versteht die eingangs formulierte Frage durchaus und zu Recht als Beleidigung, verbindet man mit dem Gespür für den Föhn doch durchwegs negative Assoziationen. Kurz zusammengefasst: Der Föhn macht einen spinnert, fahrig, launisch, aggressiv und lässt einen nicht nur seine Autofahrfähigkeiten, sondern auch allerlei anerzogene Manieren vergessen. Manch eine:r kugelt sogar um, wenn der Föhn das Kommando hat. Aber was soll man machen: Er gehört halt mal zu Innsbruck und ist so störrisch, dass er sich nicht mal g‘scheit übersetzen lässt. Auf Englisch heißt er nämlich foehn. Auf Italienisch und Französisch auch.

5. Voll funktionsfähig

Wasserdichte Trekkingschuhe, atmungsaktive Laufhosen, Hybrid-Hoodies und kunterbunte Softshelljacken: Herr und Frau Innsbrucker tragen für ihr Leben gern sportliche Funktionskleidung. Nicht nur zum Sporteln, sondern auch zum Arbeiten. Selbst wenn sie nicht aus Branchen sind, in denen man nur mit Funktionskleidung funktioniert. So entsteht rasch der Eindruck, als wäre Innsbruck 24/7 aktiv. Selbst zum After-Work-Drink gewandet man sich innerstädtisch ungeniert in Outfits, die andernorts nur dann getragen werden, wenn die Wahrscheinlichkeit groß ist, ins Schwitzen zu geraten. Ergo: Der so gern zitierte Weltstadt- Stempel ist in Wahrheit ein Etikettenschwindel. Innsbruck ist und bleibt Sportstadt. Oder will zumindest nach außen hin so wirken.

6. Bloody Sunday

Es ist Sonntag und der Kühlschrank ist leer. Nudeln sind auch keine mehr im Haus. Und das Klopapier – eh schon wissen. Unter der Woche war einfach zu viel zu tun und bis Samstagabend war die Lage ja auch nicht sooo prekär. Also jetzt bitte keine Vorwürfe! Die bringen einen in dieser Situation nämlich auch nicht weiter. Außerdem ist man sowieso gestraft genug. Weil es jetzt nichts nützt. Wer keine vorratsstarken Verwandten um sich und/oder kein Geld für Lieferservice parat hat, muss sich nun in eine etwas andere Schlangengrube begeben – den MPreis am Innsbrucker Bahnhof. Hier staut sich die Kassa-Schlange an einem Sonntag zurück bis zur Wurst. Weil es offenbar echt noch viele andere Deppen gibt, die am Sonntag lieber im Supermarkt anstehen als das Leben sinnvoll zu nutzen.

7. Innsbruck liest analog

Treue 6020-Leser:innen wissen es aus Erfahrung: Wer sich Anfang des Monats nicht rasch zu einer der 200 6020-Taschen in der Stadt begibt und sich das neueste Exemplar rausfischt, steht bald mal blöd da. Nämlich ohne neues Heftl. Fakt ist: Innsbruck liest gern analog und hält sich mit Vorliebe an der 6020-Druckversion fest. Was uns sehr freut! Ein Hoch auf haptische Leseratten. Wir stehen aber natürlich auch auf alle Menschen, die sich unsere Geschichten online einverleiben. Und zwar hier:

Illustration: Monika Cichoń