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Die Brotschafterin

Im Kula.Lab wachsen Brote und süße Teilchen aus einer unscheinbaren Substanz mit Blubberblasen. Bäckermeisterin Kathrin Gruber formt und knetet daraus mit Mehl, viel Zeit und Hingabe ihre Schützlinge und achtet darauf, dass sie ganz lange ruhen, bevor sie im Backofen ihren verführerischen Duft verströmen.

In der offenen Schaubäckerei des Kula.Lab in der Anichstraße 13 wird geknetet und gewalkt. In großen Ständern ruhen Brotlaibe, Kuchen, Zimtschnecken und anderes Gebäck, alles aus Sauerteig, ganze 30 Stunden lang. In der Ladentheke liegen knusprige runde Laibe, von hellem Weizen- und dunklem Roggenbrot bis hin zu italienischem Focaccia. Versteckt hinter Sitzecken liegt die Backstube von „Sauerteigland“. Unter diesem Namen laufen die Backkurse von Kathrin Gruber. Mit der Coworking-Partnerschaft im
Kula.Lab hat sie einen physischen Ort für ihr Handwerk gefunden.

Liest man Grubers Rezepte, hört sich das Brotbacken erst mal nach sehr viel Aufwand und Arbeit an. „Zeit und Geduld sind die wichtigsten Faktoren beim Backen mit Sauerteig“, bestätigt die Lebensmitteltechnologin, Diätologin und Bäckermeisterin. Wozu die langwierige Prozedur? „Sauerteig ist ein kleines Ökosystem“, klärt die Expertin auf. „Er besteht aus verschiedenen Mikroorganismen. Den Großteil machen Milchsäurebakterien aus. Aber auch verschiedenste Arten wilder Hefen sind enthalten. Je nachdem, wie du deinen Sauerteig herstellst, welche Bakterien in der Luft und auf deinen Händen sind, wird jeder Sauerteig anders.“

Brot als Handwerk.
Im Feber ist für Gruber ein Traum in Erfüllung gegangen: Nach einem erfolgreichen Crowdfunding hatte sie mit über 22.000 Euro genug Geld beisammen, um in die Ausstattung für eine professionelle Bäckerei zu investieren. Die Tirolerin hat in Innsbruck und Umgebung bereits viele Fans, denn ihre Brotbackkurse gibt sie seit fünf Jahren – inklusive Knettechniken, Rezepten und Herstellung eines eigenen Sauerteig-Starters. Ihre Leidenschaft begleitet sie seit dem Studium: Die Starterkultur, aus der sie ihre Sauerteig-Spezialitäten backt, lebt schon seit zehn Jahren in

Grubers Kühlschrank. Dieser Starter, auch Anstellgut genannt, ist das Herzstück eines Sauerteigbrotes. In Grubers Backstube setze man keine Hefe zu, verwende nur den natürlichen Sauerteig. Die lange Fermentation habe den Vorteil, dass viele unverdauliche Stoffe, die im Getreide sind, abgebaut werden. „Das ist bekömmlicher. Einfach ausgedrückt, hat das Brot schon vorverdaut“, erklärt die Bäckermeisterin. „Menschen, die sensibel auf Weizen und Gluten reagieren, vertragen gerade auch die süßen Sachen oft deutlich besser.“ Glutenfreies Sauerteiggebäck bietet sie aktuell nicht an, dafür aber einen Backkurs zum Thema.

Kula bedeutet Ganzheit.

Wer zum Backen zu ungeduldig ist, kann sich im Kula Sauerteigbrot kaufen. Der Name „Kula“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie Familie oder Ganzheit. Die Bäckerei, das Café und das Yoga-Studio im Untergeschoß sind zwar eigenständige Unternehmen, arbeiten aber zusammen und teilen die ganzheitliche Philosophie vom guten, gesunden Leben. Dadurch, dass das Café das Brot von der Bäckerei erwirbt und weiterverkauft, entsteht für die Bäckerei ein sicherer Abnehmer und für das Café ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Eine Win-win-Situation, da sich Gruber und ihr Team auf die Entwicklung neuer Backwaren konzentrieren können und sich um den Verkauf nicht kümmern müssen. Seit der Eröffnung backen sie von Mittwoch bis Sonntag frisch.

Infos zu Kursen: www.sauerteigland.com

Tipps für Hobby-Bäcker:innen


Für erste Backexperimente empfiehlt Gruber: „Den Starter regelmäßig mit Wasser füttern ist wichtig. Oft wird zu früh gedacht, dass er nicht mehr gut ist. Dass er aufgeht und zusammenfällt, sind alles ganz normale Vorgänge. Selbst wenn man in den Urlaub fährt, hält der Ansatz zwei Wochen im Kühlschrank durch.“ Den gezüchteten Sauerteig sollte man am Leben erhalten: „Je älter der Starter, desto stabiler sind seine Bakterienstämme während des Fermentationsprozesses.“

Text: Verena Wagner
Fotos: Franz Oss