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Hoffnungsschimmer

Bis März 2026 soll ein konkretes Nutzungskonzept vorliegen.

Trotz jahrelanger Versprechen aus allen politischen Ecken wurde im Oktober die Zwangsräumung der Talstation angeordnet. Eine Sondergemeinderatssitzung gibt überraschend Grund zur Hoffnung: Bis März 2026 soll ein konkretes  Nutzungskonzept vorliegen – und so der Fortbestand garantiert werden. 

Die Talstation ist nicht erst seit der Zwangsräumung ein hochpolitisches Thema: Neben zahlreichen Unterstützungsbekundungen im letzten Gemeinderatswahlkampf, das sanierungsbedürftige Gebäude wieder für den Verein Junge Talstation und die Innsbrucker Kulturszene generell nutzbar zu machen, blieb vor allem die Verankerung dieses Versprechens im Zukunftsvertrag der aktuellen Stadtregierung in Erinnerung: „Wir wollen die ehemalige Talstation der Hungerburgbahn für die ‚Junge Talstation‘ ankaufen und sanieren und die Trassenführung der alten Bahn so entwickeln, dass sie einen Mehrwert für die Bevölkerung darstellt“, steht dort im Abschnitt A („KULTURRÄUME ERHALTEN UND NEUE SCHAFFEN“), Punkt 17.

Aktivitäten im Hintergrund.
Bisher gab es wenig Grund, darin mehr als ein weitere, nett gemeintes, aber letztendlich leeres Versprechen an die Innsbrucker Kulturszene zu sehen, und mit der im Oktober durchgesetzten Räumung schien das Ende der Talstation besiegelt. Das wurde jetzt in einer von der gesamten Opposition gemeinsam einberufenen Sondergemeinderatssitzung am 5. November thematisiert, die überraschend tatsächlich konkrete Informationen und mehr als Lippenbekenntnisse lieferte: Vertreter:innen von IIG, IVB und diversen involvierten Ämtern präsentierten den aktuellen Zustand des Gebäudes sowie die notwendigen Maßnahmen, um es wieder als Kulturraum nutzbar zu machen, und das langfristig.

„Wir bekennen uns dazu, das erarbeitete Nutzungskonzept so kostengünstig wie möglich und mit einem Maximalbetrag von 1,7 Millionen Euro umzusetzen.“

Bürgermeister Johannes Anzengruber

Chronologie der Talstation

1905 bis 2007: Nutzung als Talstation der alten Hungerburgbahn

2007 bis 2014: Leerstand und letztlich Ideenwettbewerb für neue Nutzung

2014: Gründung Verein Junge Talstation, Erlangung einer temporären Nutzungsbewilligung und Beginn der kulturellen Nutzung des Gebäudes

2021: Gemeinderatsbeschluss zur Erhaltung
der Talstation als Kulturstandort

2022: Ablauf der befristeten Nutzungs-
bewilligung und Schließung der Talstation

2023: Umwidmung des Gebäudes zur Sonderfläche für Kultur, um Abriss zu vermeiden

Juni 2024: Bekenntnis zu Ankauf und Erhalt im Zukunftsvertrag

Oktober 2024: Zugang zur Talstation beschränkt

Jänner 2025: Gemeinderatsbeschluss zum Ankauf und zur Sanierung

August 2025: Räumungsaufforderung durch IVB

Oktober 2025: Alternativangebot Viaduktbogen und Zwangsräumung

5. November 2025: Sondergemeinderat zur Causa mit einstimmigem Beschluss zur Erstellung eines konkreten Nutzungskonzeptes zusammen mit dem Verein

März 2026 (geplant): Präsentation und Beschlussfassung des neuen Nutzungskonzeptes im Gemeinderat


Dafür fanden in den letzten Monaten zahlreiche Begehungen und Treffen mit Expert:innen statt, auf deren Basis bis März 2026 gemeinsam mit dem Verein Junge Talstation ein zur Beschlussfassung und Umsetzung bereites Nutzungskonzept ausgearbeitet werden soll. Dafür will die Stadt laut Bürgermeister Anzengruber bis zu 1,7 Millionen Euro in die Hand nehmen und die sanierte Talstation dem Verein Junge Talstation für vorerst 15 Jahre zur Verfügung stellen. Der Antrag zur Umsetzung wurde einstimmig angenommen, was den Fortbestand der Talstation zum ersten Mal seit Langem wieder realistisch macht: Das Bekenntnis mit einem tatsächlichen budgetären Rahmen ist neu – wie ernst es die Stadt meint, zeigt sich spätestens, wenn klar ist, ob diese Kosten auch im Budgetvoranschlag für das Jahr 2026 eingeplant sind.

Was ist zu tun?
Um die Infrastruktur der alten Talstation wieder für Veranstaltungen und Kultur nutzbar zu machen, ist einiges zu tun: Neben Investitionen in den Brandschutz, die Barrierefreiheit und den Schallschutz ist unter anderem auch eine thermische Sanierung fällig. Wie hoch die Kosten für die notwendigen Maßnahmen wirklich sind, hängt vom genauen Nutzungskonzept ab – Stand jetzt wird aber mit bis zu 1,7 Millionen Euro gerechnet.

Übrigens:

Der Verein Junge Talstation feiert am
21. November sein 11-jähriges Bestehen – aufgrund der aktuellen Heimatlosigkeit aber im Treibhaus.

Aus für die Innsbruck Club Commission

Nachdem vor ein paar Monaten schon das Ende des von der Innsbruck Club Commission durchgeführten Projekts „Luisa ist hier“ bekannt wurde, ist inzwischen auch offiziell, dass sich der Verein Innsbruck Club Commission mit Ende des Jahres auflösen wird. Der Grund: Ohne Budget sei es nicht möglich, die Aufgaben einer Club Commission – von Lobbying bis zur Schaffung einer Servicestelle für Clubs – zu erfüllen. Dass eine Club Commission erfolgreich sein kann, zeigt unter anderem das Wiener Äquivalent, das unter anderem Veränderungen im Wiener Veranstaltungsgesetz erwirken und das Projekt „Free Spaces“ zum Feiern im öffentlichen Raum umsetzen konnte – dort werden allerdings auch mehrere Teilzeitstellen sowie ein Büro finanziert, während man in Innsbruck auf ehrenamtliche Arbeit angewiesen war.

Text: Lisa Schwarzenauer
Fotos: Franz oss