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Comeback des Jahres

Wenige Events haben Innsbruck so nachhaltig geprägt wie das von 1994 bis 2019* stattfindende Air & Style. Mit dem neuen Event AIRDRENALINE kehrt Big Air im November zurück an den Bergisel, wo man an die Erfolge des Vorgängers anknüpfen will. Andrew Hourmont, Mastermind des Air & Style und heute Berater für AIRDRENALINE, hat 6020 Einblicke in das Großevent gegeben.

Kein Air & Style 2.0 …

Eines betont Andrew Hourmont gleich mehrmals: AIRDRENALINE ist kein Air & Style 2.0. „Es ist ein Neustart mit einem neuen Veranstalter, neuen Ideen, neuen Möglichkeiten. Natürlich baut man auf der Legacy auf, aber das Event selbst ist etwas Neues.“


* Das letzte Air & Style fand 
2019 in Peking statt, in
Innsbruck war es zuletzt 2017.


… aber ein bisschen Air & Style
steckt trotzdem drin.

Hourmont hat das Air & Style 1994 gegründet und veranstaltet, heute ist er als Berater involviert. Dabei waren ihm drei Dinge besonders wichtig, die das Vorgänger-Event geprägt und aus seiner Sicht entscheidend für den Erfolg waren: die Rückkehr an den Bergisel, die Zusammenarbeit mit der lokalen Szene und eine Style-Session zusätzlich zum offiziellen Wettkampf-Programm der FIS. „AIRDRENALINE ist ein offizieller FIS-Weltcup, aber Innsbruck ist Innsbruck und da gehört eine Style-Session her.“ Der Veranstalter sehe das zum Glück genauso und habe diese Anregungen gerne umgesetzt.

Zur Person
Der gebürtige Waliser Andrew Hourmont ist der Erfinder der seit 2018 olympischen Disziplin Big Air und des Air & Style und ist auch beim Nachfolge-Event AIRDRENALINE als Berater involviert. Bevor er ins Sportmarketing und Eventmanagement einstieg, machte er sich einen Namen als Snowboardmanager und Ski- und Snowboardfotograf. Gemeinsam mit seiner Frau hat er inzwischen das Projekt Kenya Cares gegründet, das qualifizierte Fachkräfte aus Kenia an österreichische Pflegeeinrichtungen vermittelt.

Größer – auf allen Ebenen.

Allein durch die Umstellung von einem reinen Snowboard-Event zu Snowboard und Freeskiing gewinnt das Event massiv an Größe. „Sportlich wird einfach viel mehr geboten“, so Hourmont. Sowohl der Ski- als auch der Snowboard-Tag starten mit einer Style-Session, dann folgen die offiziellen FIS-Weltcup-Bewerbe. Auch von der Qualität her könne man neue Dimensionen erwarten: „Ich freue mich schon extrem auf das, was wir in den Quaifikationen und den Finals sehen werden, weil wir dieses Niveau, das mittlerweile herrscht, in Innsbruck noch nicht im Ansatz so gesehen haben.“ Musikalisch mache man ebenfalls einen Sprung, weil es durch Live Nation als Veranstalter ganz andere Möglichkeiten gebe und man sich deshalb ein Line-up mit K.I.Z., Raf Camora & Bonez MC, Badmomzjay und SSIO leisten könne.

2 Jahre Vorarbeit.

Obwohl es über die Jahre immer wieder Gerüchte gab, dass es einen Air-&-Style-Nachfolger geben könnte, wurde das Ganze erst 2024 ernst, als Hourmont nach fünf Jahren in Kenia nach Innsbruck zurückkehrte. Er war motiviert, wieder etwas auf die Beine zu stellen – und er war nicht der Einzige: „Ich habe mit ein paar Leuten gesprochen und ein paar Leute haben mit mir gesprochen, da hat es sich dann einfach natürlich entwickelt“, erklärt er. Es sei kein leichtes Unterfangen gewesen, aber alle Beteiligten von Politik bis Tourismus seien Feuer und Flamme gewesen, weshalb es letztendlich auch geklappt habe. Als Veranstalter konnte Hourmont den Branchenriesen Live Nation gewinnen, ohne den das Event aus seiner Sicht nicht möglich gewesen wäre: „Mit diesen Budgetgrößenordnungen hätte ich das niemals schaffen können. Da braucht es einfach einen großen internationalen Player, der Erfahrung mit solchen Größenordnungen hat und in der Lage ist, solche Budgets zu stellen.“ Im Gegensatz dazu sei es ein Leichtes gewesen, das Air & Style auf die Beine zu stellen: „In den 90ern und frühen 2000ern war es viel einfacher, die Budgets zu finden. Das ist in der jetzigen Wirtschaftslage ganz, ganz schwierig, das ginge ohne Live Nation und deren Kontakte zu großen Sponsoren nicht.“

Viele Baustellen …

Hürden gab es viele: „Man musste erst einmal einen Termin finden, der in den FIS-Plan reinpasst und auch für den Tourismus passt. Dann brauchte es natürlich auch Zeit, bis die Zusammenarbeit so vieler unterschiedlicher Player funktioniert hat – die einen kommen aus der Sportwelt, die anderen aus der Musik, das ist eine ganz neue Konstellation“, so Hourmont. Sein Job sei unter anderem gewesen, diese Zusammenarbeit zu managen und die Welten zu überbrücken. „Wenn man ein Projekt so groß anlegt und die besten Player am Tisch haben will, ist klar, dass das nicht von Anfang an reibungslos laufen kann, da gibt es einfach verschiedene Interessen und verschiedene Standpunkte.“

… darunter auch das liebe Geld.

Der größte Brocken war aber – natürlich – die Finanzierung: Die Gesamtkosten des Events liegen bei 3,7 Millionen Euro. Rund eine Million des Gesamtbudgets kommen zu je einem Drittel von der Stadt Innsbruck, dem Land Tirol und Innsbruck Tourismus. Den Rest stemmt Live Nation.

Apropos Live Nation.

„Die Beteiligung von Live Nation ist am Anfang vielleicht ein bisschen kritisch betrachtet worden, aber Lars Oliver Vogt, der dieses Projekt leitet, kenne ich seit 30 Jahren“, erzählt Hourmont. „Er war 1996 aus Booker für Bad Religion das erste Mal in Innsbruck und ist seitdem ein fanatischer Snowboarder und war immer ein Fan vom Air & Style.“ Dass Live Nation das Event macht, sei im Prinzip ihm persönlich zu verdanken: „Man braucht wirklich einen Snowboard-affinen Menschen, der in der Welt von Live Nation bereit ist, so ein Risiko einzugehen, weil man muss ja ganz ehrlich sagen, Geld verdienen ist nicht wirklich eine große Option. Wenn irgendjemand meint, Live Nation kommt nach Innsbruck, um Geld zu verdienen, muss ich klar sagen, dass das ganz, ganz schwer zu erreichen ist.“ Das Event werde mit Unterdeckung starten – die Hoffnung sei, dass man die Kosten über drei Jahre decken könne.

Image-Boost für Innsbruck.


Das Air & Style

Das Air & Style feierte 1994 am
Innsbrucker Bergisel als kleiner
Snowboard-
Contest mit 500 erwarteten
Besucher:innen (letztendlich waren
es 5.000) Premiere und entwickelte sich
bald zu einem der größten Freestyle-
Snowboard-Festivals Europas – und
darüber hinaus. Das letzte Air & Style,
das Shaun White 2016 als
Mehrheitseigentümer von Gründer
Andrew Hourmont übernommen hat, fand
2019 in Peking statt, in Innsbruck war
das Event zuletzt 2017 zu Gast.

Innsbruck profitiert auf zwei Ebenen von dem Event. „Die Stadt hat sich ihren Ruf als coole, urbane Studentenstadt mit Events wie dem Air & Style, dem Sport, Konzerten und Clubs aufgebaut“, sagt Hourmont. Das sei inzwischen fast alles weggefallen, es bestehe die Gefahr, dass „Innsbruck ein bisschen fad wird“. Ein großes Event wie AIRDRENALINE poliert das Image der Stadt auf und könnte auch ein Impuls sein, dass sich auch sonst neue Dinge entwickeln. Gleichzeitig erhofft sich auch der Tourismus Impulse: Der Termin findet nicht zufällig parallel mit dem Winter-Opening in der Region statt. Der Termin am Anfang des Winters sei früher schon ein Grund für viele aus Wien, München und Südtirol gewesen, um zuerst zum Event und dann direkt auf die Pisten zu gehen. Das will man wieder erreichen – und über die gestreamten Bilder auch längerfristig Lust auf Innsbruck machen.

Hallo, Streaming.

Eine große Neuerung ist die Medialisierung des Events: Dank der Beteiligung von ÖSV und FIS läuft das Event heuer zur Primetime im ORF. „Mit dem Air & Style sind wir im ORF am Sonntag um 8 Uhr in der Früh eine Viertelstunde gelaufen“, erinnert sich Hourmont. Aber wichtiger als die TV-Übertragung sei das neue Streaming-Modell, womit man endlich eine zielgruppengerechte Medialisierung habe. „Live Nation überträgt schon seit Jahren Festivals über Magenta und TikTok, und das können wir jetzt auch nutzen.“ Das Kombi-Modell von von TV- und Streaming-Rechten, wie es schlussendlich für AIRDRENALINE zusammengebracht wurde, gebe es auf der ganzen Welt nicht: „Der Nationalverband und die FIS haben die Fernsehrechte, und die nationalen Sender haben auch die Livestream-Rechte, mit denen sie normalerweise leider nichts machen. Das war sicher der größte Kampf, das aufzubrechen, aber es hat sich gelohnt.“

Text: Lisa Schwarzenauer Fotos: istock/mbbirdy, Gerhard Berger, TT/Falk, Iistock/Fotomax, istock/deepblue4you, magnific stockfoto, TT/Zoller, TT Archiv/Parigger