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SEPTEMBER 2015

Musik aus Tirol

Eine Runde Pop, bitte

Diesmal: Farbarena

Foto: Dominique Huter
F

arbarena sollte man im Auge behalten. In ihrem früheren Bandleben schafften diese fünf Jungs über den Haller Bandcontest den Sprung zum Wiener Gasometer und zur FM4-Bühne am letztjährigen Donauinselfest. Warum sie hierzulande trotzdem kaum jemand kennt, soll uns nicht weiter stören: Das wird sich ohnehin rasch ändern.

Re-Branding.

Sie spielen eingängigen und radiotauglichen Alternativpop, die Lieder sind alle auf Deutsch. Ihr Sound erinnert an die elektronische Leichtigkeit von Klangkarussell, angenehm und unprätentiös. Ich erhalte eine Kostprobe ihres Könnens in ihrem Haller Proberaum, hier ist auch genug Platz für jede Menge Aufnahme-Equipment. Dieses dürfte in der Anschaffung nicht gerade billig gewesen sein und ist zudem auch ungeeignet für reine Hobby-Soundbastler. Gut möglich, dass hier das erste Beweisstück für die Zielstrebigkeit der Farbarena gefunden ist. Die Jungs wirken während ihrer Performance sehr entspannt, aber auch fokussiert und strukturiert, man könnte fast sagen: professionell. Haben die sich nicht erst Anfang des Jahres neu gefunden? Für eine frisch formierte Band funktionieren sie sehr gut, wie kommt es, dass sie bisher kaum jemand kannte? Genau da liegt der Hund begraben. Die fünf Herren sind absolut keine Bühnenneulinge, sie haben bloß ein Re-Branding hinter sich, die Besetzung ist dieselbe geblieben.

Was, Labrador?

2012 gründeten die fünf Haller die Band Latrator, und machten unter diesem Namen schon einen ähnlichen Sound wie heute, allerdings mit deutsch- und englischsprachigen Texten. „Als wir uns über diverse Contests den Weg zur FM4-Bühne beim Donauinselfest erspielten, hielten uns unsere Bewerber für eine Metal-Band. Das lag wohl am Namen“, erzählen Raphi und Kassian.

„Andere haben unseren Bandnamen auch mit ‚Labrador‘ verwechselt.“

 

„Latrator“ heißt auf Lateinisch übrigens „Einer, der bellt“, und damit nicht genug der Hundlichkeit: „Andere haben unseren Bandnamen auch mit ‚Labrador' verwechselt. Übrigens waren die anderen teilnehmenden Bands entweder Metal- oder Hip-Hop-Acts, als Popband waren wir eigentlich die einzigen.“ Ja, der Mainstream ist oft eine Frage der Perspektive. Die Jungs wussten schon zu dieser Zeit, dass ein neuer Name besser zu ihnen passen würde, aber vorher mussten noch die Auftritte absolviert werden. Anfang dieses Jahres kam dann die Neugestaltung. So wurde aus „Latrator“ „Farbarena“, von da an wurde nur mehr in der Muttersprache getextet und gesungen.

Deutschpop-Hype?

Von Andreas Bourani über Revolverheld bis Sarah Connor tun es alle – deutscher Pop boomt. Wer angestrengter nachdenkt, kommt auf Tim Bendzko, Clueso, Philipp Poisel und wie sie alle heißen. Hat Farbarena den Trend erkannt und will mitnaschen? „Nein, das ist nicht unsere Absicht. Wir finden, dass wir nur begrenzt Texte auf Englisch schreiben können, wir sind schließlich alle keine Native Speakers“, erklären die Musiker.

Sie wären bald an ihre Grenzen gestoßen, und reines Phrasendreschen wäre nicht in Frage gekommen. „In der eigenen Muttersprache kann man wesentlich mehr rausholen, man fühlt sich wohler, und das macht’s am Ende ja auch authentischer. Statt leeren Texthüllen wollen wir nachvollziehbare Geschichten erzählen“, erklärt Raphi. „Und die gesamte Farbpalette an Gefühlen bedienen“, fügt Kassian theatralisch hinzu, der nach dieser Aussage die Lacher auf seiner Seite hat.

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Keine Angst, so überladen mit Gefühlen ist ihr Sound gar nicht. Etwas Mut zum Kitsch gehört aber dazu. Und der passt perfekt zum Konzept Farbarena: „Wir sind keine Rocker, wir machen Alternativpop: Sound zum Wohlfühlen und Spaßhaben.“ Und wo übt man akzentfreies Bühnendeutsch? „Jahrelang in einem Chor für Alte Musik, da ist die klare Aussprache das A und O“, sagt Sänger Kassian. Die anderen Vier waren auch fleißige Musikschüler, Drummer Gregor ist am Konservatorium und hilft ab und an bei den Wiener Philharmonikern aus. In dieser Band stimmt einfach alles – und man scheint einen Plan zu haben.

Zielstrebig.

In Sachen Songwriting überlassen Farbarena auch nichts dem Zufall. Die Ideen für die Lieder kann jeder vorschlagen, dann verfeinern die Bandmitglieder den Song Schritt für Schritt.

Bandmitglieder:
Piano und Gesang: Kassian Rainer  
Bass: Dominik Vogler
Gitarre und Gesang: Simon Klingseis
Drums: Gregor Moser
Gesang: Raphael Mitterrutzner

Der Sound von Farbarena in Worten:
Smoother, harmonischer, gut gemachter Alternativpop auf Deutsch, der nicht so tut, als wollte er das Rad neu erfinden.

Wo treten Farbarena auf?
siehe Homepage: www.farbarena.com

Bekanntheitsgrad:

Zwei von zehn Noten

(Anmerkung: Die Band besteht darauf.)