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OKTOBER 2018

Pretty phly for a white guy

Mit seinen YouTube-Videos hat der Höttinger Rapper Phlying in den letzten Wochen einen kleinen Hype ausgelöst.

Foto: Franz Oss
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TF?“ war wohl die gängigste Reaktion auf das „6020“-Video eines gewissen Phlying, das im August in den sozialen Medien auftauchte. Ein junger Typ, der eher wie ein Gymnasiast als ein Rapper aussieht, steht vor diversen Innsbrucker Sehenswürdigkeiten und haut Lines wie „Die Stadt geteilt vom Inn, wo wir am Abend grillen, ich find‘ es hier nicht schlimm, weil ich aus Hötting bin“ raus. Absurde Gangstergebärden mit Plastikwaffen und einem 50-Euro-Schein, der protzig in die Kamera gehalten wird, gibt’s obendrauf.

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14.000 Mal wurde das Video auf YouTube angeklickt. Phlying heißt im echten Leben Philipp, ist 19 Jahre alt und kommt tatsächlich aus Hötting.

 

Weil er zwischen einer Thailandreise und dem Unibeginn ein paar Monate frei hatte, begann er im Frühsommer, Tracks zu schreiben und aufzunehmen. „Einerseits höre ich selber gerne Rap, andererseits hat es mich einfach gereizt, das mal auszuprobieren, also habe ich mir ein Mikrofon um 20 Euro gekauft und losgelegt.“ Die Beats stammen von YouTube, für einen Songtext braucht er nach eigenen Angaben „so um die drei, vier Stunden“.

Freunde als Helfer und Ideengeber.

Im Urlaub drückte er seiner Schwester das Smartphone in die Hand, das erste Phlying-Video war geboren. Zurück in Innsbruck holte er sich Hilfe von seinen Freunden – zum Beispiel von dem jungen Herren mit dem 50-Euro-Schein aus dem „6020“-Video.

WEIL ICH AUS HÖTTING BIN. Phlying hat kein Problem damit, wenn ihn die anderen Innsbrucker „Gangster“ dissen.

„Ich weiß nicht, wie sehr ich das Gehabe noch übertreiben müsste, damit es wirklich alle checken.“

Phlying aka Philipp

 

Stört es ihn eigentlich, dass manche denken, er halte sich ernsthaft für einen Gangsterrapper? „Ich glaube, es braucht eine Minute Recherche, um herauszufinden, wer ich wirklich bin“, sagt Philipp. Auf seinem Instagram-Account, den er überall verlinkt, sieht man tatsächlich sofort, dass er sich lieber mit veganer Ernährung und Lauftraining beschäftigt, als Bandenkriege anzuzetteln. Für ihn ist sein Parodie-Stil ziemlich offensichtlich: „Ich weiß nicht, wie sehr ich das Gehabe noch übertreiben müsste, damit es wirklich alle checken.“

Der erste Disstrack.

Apropos Bandenkrieg: Neben einigen Hate-Kommentaren auf YouTube hat Philipp auch schon anonyme Anrufe bekommen, die ihm Gewalt androhen.

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Und auf YouTube wurde ein Anti-Phlying-Disstrack veröffentlicht. Das fand Philipp zwar schmeichelnd, weil „das gehört im Rap halt dazu“, wirklich ernst nehmen konnte er den dilettantischen Track dann aber doch nicht.

Woher der Gegenwind kommt, weiß er nicht. Vor allem vom Video „Innsbrucks most wanted“, in dem Phlying Sätze wie „Wir machen euch platt wie ein Omelett“ rappt und mit seiner Gang vor einem zufällig geparkten Ferrari posiert, scheinen sich gewisse Personen provoziert zu fühlen. Innsbrucks derzeit erfolgreichster Rapper Albi hat jedenfalls nichts damit zu tun, „der hat ‚6020‘ sogar geteilt“. Wie auch immer – Philipp bleibt bei seiner Einstellung: „Wer meint, dass man in Innsbruck wohnen und trotzdem einen auf Ghetto machen kann, den kann ich nicht ernst nehmen.“

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Mitte September hatte Phlying beim „Rap in Tirol“-Donnerstag im Jimmy’s seinen ersten öffentlichen Auftritt. Inzwischen besitzt er auch ein besseres Mikrofon und hat sich vorgenommen, mehr auf Qualität statt auf Quantität zu setzen. Die derzeitige Frequenz – zwei Videos pro Woche – wird er ab Oktober nicht mehr einhalten können. Dann zieht Philipp nämlich zum Studium nach Wien. Aufhören wird er aber nicht: „Wer meinen Kanal nicht abonniert, wird definitiv etwas verpassen.“