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OKTOBER 2017

Alles außer Billy

Die Einrichtung eines WG-Zimmers muss gar nicht teuer sein. Mit Kreativität und etwas handwerklichem Wagemut sind viele coole Ideen umsetzbar, die nicht von der Stange kommen. Zwei Upcycling-Experten verraten, wie es geht.

Foto: Axel Springer

Die Experten

Felix Winkler ist Lichtspezialist und Ein-Mann-Unternehmer hinter dem Namen Felux. Ob Lampen aus Metalldosen oder alten marokkanischen Teelichtaufsätzen – Ideen für seine Lichtdesigns findet er in allen möglichen Gegenständen. In Sachen Innenbeleuchtung kooperiert Felix oft mit Johannes Münsch vom UpcyclingStudio, der aus alten Möbeln charaktervolle Innendesign-Objekte macht und damit schon so manch hippes Innsbrucker Lokal verschönert hat. Die zwei selbstbetitelten „Spinner“ ergänzen sich also perfekt, agieren aber nicht nur zu zweit, sondern als Teil eines lebendigen Kollektivs. Ihre aktuelle Heimat ist die „Spinnerei Spulerei“ oberhalb des HoRuck in der Hallerstraße, wo sie „Fäden spinnen, das Netz wachsen lassen und fliegende Teppiche entwickeln“, so die eigene Beschreibung. Hier finden auch unterschiedliche Events statt – so laden die Spinner Mitte November zum Beispiel zum Tag der offenen Tür in der Spulerei (der genaue Termin wird noch bekanntgegeben).

Tipp #1

Auf Obsoleszenz pfeifen

Viele runde Glasabdrücke auf einem alten Holztisch zeigen, dass er richtig benutzt wurde. Manche Dinge werden schöner, wenn es um sie nicht mehr schade ist – die ideale Voraussetzung, um selber Hand anzulegen. „Wenn ein Medium aus der Zentralität seiner Kultur gerät, stirbt es entweder aus oder wird zu Kunst“, lautet ein Zitat des kanadischen Medientheoretikers Marshall McLuhan. Upcycling funktioniert ähnlich: So wird aus Sperrmüll vielleicht ein eigenes Kunstwerk. Denn wer Zeit fürs Werkeln aufwendet, verleiht jedem Stück Einzigartigkeit. Wenn’s nicht gelingt, auch halb so wild.

 

Tipp #3

Kein Hochglanz, keine Europaletten

Finger weg von auf Hochglanz polierten Stücken und auch von Europaletten, die nicht aus Vollholz sind. In Letzteren lauert eventuell Schimmelbefall (außerdem sieht man sie derzeit deutlich zu oft). Massivholz ist dafür ein wunderbarer Werkstoff, der sich in der Verwendung leicht optimieren oder sogar zweckentfremden lässt.

 

Aus einer Stehleiter aus Holz wird ein Bücherregal.

Tipp #4

Die Suche nach der Gemütlichkeit 

Seit der Steinzeit hat sich ein Prinzip kaum geändert: die Lagerfeuer-Sitzkonstellation! Heute ist die Kombination aus Couch und sonstigen Sitzmöglichkeiten rund um einen Tisch das Zentrum für angenehmes Beisammensein. Das richtige Licht kommt dabei von oben. Um den idealen Platz für die Sitz-Oase zu finden, sollte man den Raum zuerst auf sich wirken lassen. Die einzelnen Elemente können versuchsweise und Stück für Stück hinzugefügt werden. Am besten fängt man aber mit der Couch an.

 

Extra-Tipp von Johannes:

Couchtisch leichtgemacht 

Einen alten Tisch besorgen, Tischplatte eventuell abnehmen, die bevorzugte Seite schweißen oder bemalen. Tischbeine kürzer sägen, rutschfeste Pads anbringen und wieder montieren – fertig ist der einzigartige Couchtisch!

 

Jeder ist ein Handwerker: Die WerkStattCouch

Alles außer Billy

OFFEN. Mittwochs und samstags kann jeder vorbeikommen.

Alles außer Billy
Alles außer Billy
Alles außer Billy
Alles außer Billy
A

lte Möbel sind in der Regel robust und eignen sich gut zum Umbau – neue Möbel sind aber auch modifizierbar. Was nicht in die Wohnung passt, wird passend gemacht. Der gemeinnützige Verein WerkStattCouch hat sich unter anderem auch diesem Gedanken verschrieben. In bester Do-it-together-Manier fand sich 2015 eine tatkräftige Studentengruppe zusammen, die seither die Höttinger Werkstatt „Hinterstübchen“ in Kooperation mit der Bäckerei bespielt. Der Verein besteht mittlerweile aus 19 Handwerkern und Spezialisten aus verschiedenen Sparten. Interessenten können auch Mitglied werden.

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Ziel des Vereins ist, eine umfangreiche Bandbreite und handwerklichen Freiraum anzubieten. In der WerkStattCouch ist darum mittwochs von 18 bis 21 und samstags von 10 bis 18 Uhr jeder willkommen, der werkel- und bastelspezifische Anliegen hat. In der Holzwerkstatt darf gesägt, gehobelt, gedrechselt und geschliffen werden, während in der Metallwerkstatt Schweiß-, Flex-, Bohr-, Lackier- und Sandstrahlarbeiten durchgeführt werden können.

 

Das notwendige Werkzeug steht allen zur Verfügung. Zwei Vereinsmitglieder stehen handwerklich Unerfahrenen mit Tipps beratend zur Seite, es darf einiges ausprobiert werden. Wer keine Hilfe braucht, kann sofort loslegen.

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Die Nutzung der Werkstatt basiert auf freiwilligen Spenden, wofür es Richtwerte gibt: Wer beispielsweise einen Tag lang an einem Werktisch arbeiten möchte, darf’s für ca. 18 Euro am Tag tun.