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MÄRZ 2019

„Du kommst hier nicht rein!“

Wer im Club Felix einen Tisch reservieren will, muss neben Anzahl und Alter der Personen auch deren Geschlecht und Herkunft angeben. 6020 hat nachgefragt warum und auch mit anderen Clubs über das Thema Türpolitik gesprochen.

Fotos: Axel Springer, Jellyfish
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atum, Uhrzeit, Anzahl der Personen – diese Angaben muss man im Normalfall machen, wenn man einen Tisch reserviert. Wer das im Club Felix in der Brunecker Straße tun will, bekommt einen etwas ausführlicheren Fragenkatalog. Gefragt wird nämlich nach Anzahl, Geschlecht – und Herkunft. Wird bei der Frage nach dem Geschlecht auf etwas abgezielt, auf das viele Clubs achten – darauf, dass das Verhältnis von Männern und Frauen halbwegs ausgeglichen ist –, stößt die Frage nach der Herkunft vielen wohl sauer auf. Wie zum Beispiel Benjamin Plach: „Man hat schon öfter gehört, dass im Felix eine selektive Türpolitik praktiziert wird, ich wollte das überprüfen“, erzählt Plach, der für die SPÖ im Innsbrucker Gemeinderat sitzt.

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Von Freunden wusste er bereits, dass bei einer Tischreservierung die angesprochenen Fragen daherkommen. Über Facebook reserviert er selbst einen Tisch im Felix und erhält dieselbe Antwort (Screenshot siehe oben rechts). „Offensichtlich ihre Standardantwort“, vermutet er. 

Nicht rassistisch.

„Das ist unsere Standardantwort bei Tischreservierungen“, bestätigt Pyer Celik, Betreiber des Clubs in der Brunecker Straße. Dass diese Nachfrage ohne Erklärung „blöd rüberkommt“, sei ihm bewusst, rassistisch sei sie aber ganz sicher nicht. „Ich habe selbst Migrationshintergrund. Es geht nicht um Rassismus – wir wollen einfach wissen, wer in unseren Club kommt“, verteidigt er sich. Im Vordergrund stehe dabei stets die Sicherheit.

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Für die detaillierte Nachfrage bei Tischreservierungen habe er sich nach einem konkreten Vorfall kurz nach der Eröffnung des Clubs entschieden, erzählt er: „Da kam eine Reservierung für zehn Personen rein, und dann stand ein junges Mädl mit neun Marokkanern vor der Tür. Wir mussten dann die Polizei anrufen, weil wir sie nicht in den Club lassen wollten.“ Pyer Celik gehe es darum, dass die Leute in seinem Club Spaß haben, und dazu gehöre eben auch ein reibungsloser Ablauf.

Im Felix will man ganz genau wissen, wer einen Tisch reserviert.

„Es geht nicht um Rassismus – wir wollen einfach wissen, wer in unseren Club kommt.“

Pyer Celik, Felix

 

 

Und dafür wiederum müsse die Mischung im Club stimmen und man müsse gewissen Dingen von vorneherein aus dem Weg gehen. „Offensichtliche Troublemaker – egal woher sie kommen“, betont Celik, dürfen daher nicht in den Club, genauso wenig wie zu junge, zu betrunkene oder aggressive Gäste. „Ich gehe auch mit unseren DJs vorab die Setliste durch. Wenn du um 4 Uhr morgen nämlich Hells Bells spielst, hast du garantiert eine Schlägerei“, ist Celik überzeugt. 

Jeder bekommt eine Chance.

Dass die Mischung im Club stimmen muss, weiß auch der Türsteher im Dachsbau, der seinen Namen lieber nicht im Magazin sehen will: „Viele Frauen fühlen sich nicht wohl, wenn sie in den Club kommen und der ist voll mit Männern.“ Prinzipiell lautet das Motto an der Tür des Hip-Hop-Clubs aber: Jeder bekommt eine Chance! „Das leben wir bewusst und diese Strategie geht auch auf.“ Seiner Erfahrung sei es so, erzählt der Türsteher, dass zum Beispiel viele Dunkelhäutige in Innsbruck so oft an der Tür abgewiesen werden, dass sie sehr gerne ins Dachsbau gehen und auch so gut wie nie Probleme machen. „Wenn Stammgäste neue Gäste mitnehmen, achten sie sogar richtig darauf, dass sich niemand daneben benimmt.“

Im Dachsbau bekommt erst einmal jeder eine Chance.

„Viele Frauen fühlen sich nicht wohl, wenn sie in den Club kommen und der ist voll mit Männern.“

Türsteher Dachsbau

 

 

Wer Probleme macht, fliegt natürlich auch aus dem Dachsbau raus. Dabei set-zten die Türsteher – die am Wochenende meist zu dritt sind – aber immer erst auf Deeskalation und Kommunikation. „Ein Kollege von mir ist 1,70 Meter groß und nicht gerade ein Schrank, wenn der dich aber nicht reinlassen will und du fängst an zu diskutieren, dann quatscht der dich tot und du gehst freiwillig.“ Vorfälle gäbe es im Dachsbau alles in allem sehr wenige. 

Im Jellyfish geht’s ohne.

Im Jellyfish in den Bögen, dem Bogen 13, hat sich Besitzer Mario Lang dazu entschieden, keinen Türsteher zu engagieren, und erklärt warum: „Das ist bei uns nicht zwingend notwendig, da wir ein freundliches, nettes Publikum haben.“ Sollte es zu Problemen kommen, kümmere sich der Chef immer persönlich darum. „Ansonsten sind auch unsere Gäste und Freunde immer hilfreich und zur Stelle“, erzählt Lang. Konflikte will Mario Lang immer ruhig und verbal lösen, klar sei aber auch, betont er: „Wenn notwendig, müssen Gäste die stören, gehen, und sollten sie nicht freiwillig gehen, werden sie gegangen – aber immer ruhig und ohne Gewalt.“ Prinzipiell stehe die Tür im Jellyfish jedem offen: „Wir sind da sehr aufgeschlossen und ich glaube, wir sind auch noch nicht an dem Punkt, an dem wir einen Türsteher brauchen.“

Im Jellyfish verzichtet man auf einen Türsteher.

„Wir sind da sehr aufgeschlossen und ich glaube, wir sind auch noch nicht an dem Punkt, an dem wir einen Türsteher 
brauchen.“

Marion Lang, Jellyfish