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MÄRZ 2017

Als die Pflanzen fliegen lernten

In Japan werden Kokedamas „Bonsais der armen Leute“ genannt. Simon Posch stellt die kunstvollen Pflanzenbälle seit 2014 in Innsbruck her und hat ihnen einen eigenen Namen gegeben: Mooslinge.

Foto: Axel Springer

„Pflanzen entspannen mich.“

Simon Posch
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gibt für jeden Menschen und jeden Raum die richtige Pflanze“, ist Simon Posch überzeugt. Wenn der 31-Jährige über seine Mooslinge spricht und die schwebenden Pflanzenbälle dabei sanft in die richtige Position dreht, geht sogar Menschen, die von sich behaupten, Kakteen töten zu können, das Herz auf.

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Eine Faszination für alles Botanische hatte Simon schon immer: „Pflanzen entspannen mich.“ Bis 2015 arbeitete er als Business Consulter, wenn ihn der Job stresste, brachten ihn Botanikbücher oder ein paar Stunden mit den Händen in der Erde wieder zur Ruhe. Vor eineinhalb Jahren entschied er sich, seinen Traum vom Botanikstudium spät, aber doch wahr zu machen. „Dass man zuerst durch das Biologie-Bachelorstudium muss, hat mich abgeschreckt, aber nachdem die Moosling-Geschichte ins Laufen gekommen ist, habe ich mir gedacht: Jetzt oder nie.“

 

Simon Posch

„Kleine Bäume schweben zu lassen, das fände ich sehr interessant.“

Simon Posch

 

Sofort kam jede Menge positives Feedback und auch die ersten Anfragen, ob man die schwebenden Zimmerpflanzen auch kaufen könne. Die physische „Heimat“ von Simons Kreationen war und ist seit dem Start Ende 2014 der Endlich Store in der Jahnstraße, der sich schon mehrfach als ideales Sprungbrett für kleine, kreative Geschäftsideen bewiesen hat.

Instagram trifft Gastronomie.

Auf Instagram waren die Mooslinge sofort der Hit. Wer in den hipperen Innsbrucker Lokalen unterwegs war, bekam sie auch bald in Realität zu sehen: Das erste Begrünungskonzept entwickelte Simon Posch für das Tribaun, im Herbst vergangenen Jahres folgte die Gestaltung des Gönndir am Bozner Platz. „Begrünte Wände und andere Formen des Urban Gardenings sind ohne Zweifel gerade sehr in“, ist sich der 31-Jährige bewusst.

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Aufgrund des zeitaufwendigen Studiums produziert Simon derzeit nur sehr kleine Mengen an Mooslingen. Sind diese verkauft oder versprochen, legt er die nächste Produktionsschicht ein. Aufträge nimmt er nur an, wenn es sich um ein größeres Projekt handelt, das sich für ihn auch finanziell lohnt. Wenn das Budget stimmt, wird es nämlich auch künstlerisch anspruchsvoller: „Da kann ich dann etwas kostspieligere Pflanzen verwenden, das macht mehr Spaß und bringt auch außergewöhnlichere Ergebnisse.“

Keine Wegwerfware.

Experimentiert hat Simon schon mit gut 100 unterschiedlichen Pflanzenarten, am häufigsten arbeitet er mit Orchideen, Sukkulenten und rankenden Pflanzen. „Ich bin über die Zeit natürlich mutiger geworden.“ Neben Moos verwendet er auch immer öfter Kokosfasern für die schwebenden Bälle – das ist länger haltbar und nicht so empfindlich. Die Nylonfäden sind das einzige Arbeitsmaterial, das nicht recyclebar ist.

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Dass die Pflanzen, die er verwendet, keine Wegwerfware sind, sondern mit viel Respekt und Gespür behandelt werden, ist Simon extrem wichtig.

Wer eher einen schwarzen als grünen Daumen besitzt, bekommt einen sehr pflegeleichten Moosling.

Als die Pflanzen fliegen lernten
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