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JUNI 2017

Praktikum im Flüchtlingsheim

Durch eine Kooperation von Universität Innsbruck und Tiroler Sozialen Diensten können Lehramtsstudierende Teile ihrer Pflichtpraktika
in Flüchtlingsunterkünften absolvieren.

Foto: TSD

Die Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) wurde im Frühjahr 2015 als mildtätige Landestochter in der Nachfolge der Flüchtlingskoordination gegründet. In rund 200 Einrichtungen (25 davon in Innsbruck) werden tirolweit derzeit etwa 5.000 Asylwerber betreut (85 % der vom Bund vorgegebenen Quote). Etwa die Hälfte ist im Alter zwischen sechs und 25 Jahren, davon sind rund 800 Kinder und Jugendliche im Pflichtschulalter und etwa 50 Lehrlinge in Berufsschulen. Nachhilfebedarf besteht vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften, Englisch und Deutsch.

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ittlerweile ist es ein alter Hut: Eines der größten Probleme von Flüchtlingen, die oft sehr lange auf die Entscheidung über ihren Asylantrag warten, ist das Fehlen sinnvoller Beschäftigungsmöglichkeiten. Der Staat übernimmt zwar die Grundversorgung, das heißt er stellt Essen, Trinken, medizinische Versorgung und ein Dach über dem Kopf zur Verfügung, „aber alles, was darüber hinaus geht, wird von Freiwilligen gestemmt”, erklärt Evelyne Grüner, Freiwilligenkoordinatorin bei den Tiroler Sozialen Diensten (TSD). 

"Nur Gewinner".

Besonders freut sie sich über eine kürzlich entstandene Zusammenarbeit mit dem Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung der Universität Innsbruck. Im Rahmen dieser Aktion wird es Lehramtstudierenden ermöglicht, Teile ihrer verpflichtenden Praktika als Nachhilfelehrer für junge Flüchtlinge, die zur Schule gehen oder sich für eine Ausbildung qualifizieren wollen, zu absolvieren. Evelyne Grüner: „Das Tolle an der Sache ist, dass es nur Gewinner gibt. Die Schutzsuchenden kriegen Nachhilfe, die Studierenden absolvieren ihre Praktika und wir können uns wieder mehr auf unseren eigentlichen Job konzentrieren.”

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18 zukünftige Lehrerinnen und Lehrer konnten bis Ende Mai bereits für ein Praktikum in einem Grundversorgungsstandort gewonnen werden, es gibt aber weiterhin großen Bedarf. „Natürlich sind auch Freiwillige von außerhalb der Universität willkommen. Viele Flüchtlinge brauchen Unterstützung beim Deutschlernen oder in elementarer Mathematik, da sind wir um jede Hilfe froh”, sagt Grüner. Natürlich gäbe es auch ältere Menschen, die Deutsch lernen oder sich in Mathematik verbessern wollen, „für die Uni-Praktika kommen aber nur Personen unter 25 als Schüler in Frage”.

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In einer ersten Phase läuft das Projekt noch bis zum Herbst 2017, eine Weiterführung im Wintersemester 2017/18 ist angedacht. Wer Interesse hat, beim Nachhilfeprojekt oder allgemein in der Freiwilligenarbeit mitzumachen, meldet sich unter [email protected]