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Stadt sucht Urlauber

Städte werden es in diesem Sommer schwerer haben als andere Urlaubs­destinationen. Gilt das auch für Innsbruck? 6020 macht den Lagencheck.

Fotos: Axel Springer
E

s gibt Zahlen, die lassen sich nicht beschönigen: Die Covid-19-Lockdown-bedingten Verluste sind auch in Innsbrucks Stadthotellerie hoch. Die Monate März bis Juni wären generell gut besuchte gewesen, aber wir wissen ja, wie’s ausging. Es gab keine Veranstaltungen, Kongresse oder Firmentagungen, kaum Geschäftstourismus. „Momentan sind alle klassischen Städtemotive für einen Aufenthalt nicht gegeben. Wir rechnen im Juni mit einem Einbruch von 70 Prozent, im Juli und August mit minus 55 Prozent zum Vorjahr und auf das Gesamtjahr auch mit minus 50 Prozent“, sagt Karin Seiler, CEO von Innsbruck Tourismus.

Zudem würden viele Gäste noch ab­warten, ob deren gebuchter Sommer­urlaub in südliche Destinationen stattfinden kann oder storniert wird. „Bei Stornierungen ist die Region Innsbruck sicher eine attraktive Alternative für Deutsche und Schweizer. Allerdings punkten zuerst die See-Destinationen in Österreich. Die Stadtregionen werden im Sommer eine schlechtere Buchungslage verzeichnen“, fasst Seiler zusammen. Je nach Kernzielgruppe und Nachfrage würden manche Innsbrucker Stadthotels erst später oder gar nicht im Sommer aufsperren, etwa jene mit hohem Anteil an Bus- oder Individualgästen aus Überseemärkten.

„Wir rechnen im Juni mit einem Einbruch von 70, im Juli und August von 55 und auf das Gesamtjahr mit minus 50 Prozent.“

Karin Seiler, CEO, Innsbruck Tourismus

„Versuchen müssen wir’s“

Leichte Zuversicht machte sich bei Joschi Sailer breit, als die Buchungsanfragen dank Lockerungen und Grenzöffnungen wieder zunahmen. Er betreibt das Hotel Sailer in der Innenstadt und arbeitet hauptsächlich mit Geschäftsleuten. Wie’s denn nun läuft? „Die Lage entwickelt sich in die richtige Richtung, aber leider sehr, sehr langsam. Hotel- und Restaurantbetrieb sind noch lange nicht auf Vor-Corona Niveau. Da liegen wir erst bei 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, lautet sein Zwischenbericht Mitte Juni.


Die mitunter langjährige Belegschaft habe man dennoch behalten wollen, bei manchen Mitarbeiterinnen und -arbeitern müsste eventuell die Kurzarbeit verlängert werden. Die Planungsunsicherheiten auf Seiten der Kernzielgruppe erschwert auch die Planung im Hotel. Auch darum lautet Sailers persönliche Prognose wie folgt: „Die Stadthotellerie wird länger als die reine Ferienhotellerie leiden. Hoffentlich normalisiert sich das Ganze bis September, zumindest halbwegs. Geöffnet haben wir aber trotzdem. Versuchen müssen wir’s.“ Sämtliche Hygienemaßnahmen und Mindestabstände einzuhalten sei dabei kein großes Problem. Sailer will nun mehr neue Gäste lukrieren und einfach nach vorne schauen.

„Die Lage entwickelt sich in die richtige Richtung, aber leider sehr, sehr langsam.“

Joschi Sailer, Hotel Sailer

Gäste aus Nah und Näher.

Ein positiverer Trend macht sich im Das Innsbruck bemerkbar, ebenso ein Stadthotel, das ganzjährig geöffnet hat und sowohl Geschäftsreisende wie Urlaubsgäste aus der ganzen Welt beherbergt. Geschäftsführer Stefan Ischia erzählt vom großen Schock und der noch größeren Umstellung wegen der Betriebsschließung Mitte März, die mit enormem Stornierungsaufkommen und Beschäftigungsauflösungen einherging. „Wir haben in der Schließzeit viel besprochen, potenzielle Gästeschichten analysiert, um auf eine möglichst schnelle Wiedereröffnung schnell reagieren zu können“, erzählt Ischia. Der Restaurantbetrieb wurde bis auf Weiteres eingestellt, man setzte aber auf das hausinterne Wellnessangebot mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.

Auch für den Service setzte das Hotelteam strenge Auflagen um, die sehr früh und ausführlich auf allen Vertriebswegen kommuniziert wurden. „Somit sind wir auch vom Innsbruck Tourismus als Referenzhotel für Kommunikation und Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen herangezogen worden“, fährt Ischia fort. Ein Frühstück in Buffet- und servierter Form etwa war eine der größten Herausforderungen, die jedoch immer wieder angepasst wurde, bis wir ein funktionierendes und sicheres System gefunden haben. „Die Abläufe sind auf jeden Fall erschwert, aber machbar“, schildert der Hotelier noch, „und die meisten Gäste – das muss man auch positiv erwähnen – haben auch Verständnis für die Situation.“

„Die Buchungslage erholt sich wieder und war seit Hotel­wieder­eröffnung am 29. Mai besser als erwartet.“

Stefan Ischia, Das Innsbruck

Ein Konzept, das aufgeht: Dank qualitätsvoller Übernachtung mit gutem Wellnessangebot im Zentrum der Stadt soll auch das Hotelteam langsam wieder vergrößert werden. Urlaubende aus Österreich und Deutschland schätzen das Angebot sehr. „Die Buchungslage erholt sich wieder und war seit Hotelwiedereröffnung am 29. Mai besser als erwartet. Auch Geschäftsreisende übernachten wieder bei uns. Nachfrage ist auf jeden Fall da“, freut sich Ischia abschließend.

Und letztes Jahr?

3,45 Millionen

Nächtigungen wurden 2019
in Innsbruck verzeichnet.

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Der Anteil vom Kongress- und Geschäftstourismus wurde dabei auf 10 Prozent geschätzt.