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Kabinen-Party

Lass die Badetasche daheim: Treue Tivoli-Stammgäste schleppen ihre Freibad-Musthaves nicht ständig mit sich herum, sondern haben sie fein säuberlich in einer der 636 Kabinen verstaut, um die ein wahres G’riss herrscht. 6020 durfte in einigen der Sommerkabäuschen Mäuschen spielen. Und weiß jetzt, dass auch in der kleinsten Hütte Raum für Individualität und vier Sonnenschirme ist.

Fotos: Franz Oss

Sylvia Wascher ist hart im Nehmen: Selbst an Tagen, an denen notorische Warmduscher höchstens fröstelnd die Hand ins kalte Wasser halten, stürzt sich die 66-Jährige locker-lässig in die Freibadfluten. Nicht umsonst kennt man die agile Dame, die im Sommer tagein, tagaus im Tivoli ihre Bahnen zieht, als „die Eisbärin“. 

 

Obendrein fällt sie aber auch als wendige Tischtennis- und ausgefuchste Kartenspielerin auf. Ihre picobello aufgeräumte Kabine, in der man vom fein säuberlich verlegten Laminatboden essen könnte, hält sie „für die schönste vom ganzen Tivoli“. Widerrede zwecklos, aber auch nicht notwendig. Hier lässt sich's aushalten.

Schon als junges Mädchen hat Renate Stelzhammer ihre Sommer am liebsten im Tivoli verbracht. „Ich geh hierher, seit das Bad aufgesperrt hat. Und das bleibt auch so“, sagt die 71-Jährige, die sich noch gut an die Anfangsphasen des 1961 gebauten Freibads erinnern kann. 

 

Ersatzgarten, Abkühlungsoase und Begegnungsort: Was das Tivoli damals war, ist es bis heute für sie geblieben. Neu hinzugekommen ist irgendwann die zwei Quadratmeter große Eckkabine, in der ein Stapel Illustrierte Schmökerlaune verbreitet und ein Tischtennisset vermuten lässt, dass Freibadfanatiker beneidenswert fitte Leutchen sind. 

Stefanie Wiederin ist eine begnadete Hochstaplerin. Und Tiefstaplerin.
Im übertragenen Sinne wohlgemerkt. Aber in einer Familienkabine, in der sechs Menschen ihre Freibadutensilien unterbringen müssen, geht’s halt
nicht ohne eine an Tetris gemahnende Stapelkunst. 

 

Kaum zu glauben, aber wahr: Auf 1,5 Quadratmetern finden vier Sonnenschirme, drei Liegen, etliche Klappstühle und ein Campingtisch Platz. Stefanie passt auch noch rein – aber nur fürs Foto. Die 19-jährige Köchin lässt sich dann doch lieber im grünen Gras die Sonne auf die Nase scheinen. Für eine etwaige Abschirmung der Hitze wäre sie ja bestens gewappnet. 

Wasser schätzt Herbert Steiner eigentlich am meisten in gefrorener Form: Der 62-jährige Innsbrucker ist leidenschaftlicher Eishockeyfan und wäre im Sternzeichen am liebsten Hai. Aber man kann halt nicht alles haben. Bis die Saison wieder startet, taucht er deshalb regelmäßig im Tivoli ab, wo er seit mehr als 20 Jahren auf der Liste der Kabinen­mieter steht. 

 

Seit fünf Jahren stellt hier auch eine putzige Untermieterin ihren Krimskrams unter: Aber für Enkeltochter Franziska macht der stolze Opa gerne Platz. Ob er dafür dann auch hin und wieder in die gut gefüllte Süßigkeitenbox greifen darf, ist nicht bekannt. Zu gönnen wäre es ihm.

Ein kühles Blondes schmeckt an heißen Sommertagen doch noch immer am besten. Das weiß auch Erich Lorenz Enzinger, der seine schmucke Kabine unter anderem als Bierdepot nutzt. Angelegt hat dieses aber nicht der 84-jährige Tivoli-Stammgast, sondern seine zwei Jahre jüngere Frau Anna. Die kluge Frau sorgt eben vor. 

 

Jetzt müsste sie es nur noch schaffen, dass der Göttergatte hin und wieder auch die im Eck lehnende Kehrschaufel zur Hand nimmt. Mit „Ich weiß nicht, wie man die richtig hält“ will sich der Putzphobiker aus der Affäre flunkern. Gattin Anna schmunzelt. Das muss dann wohl wahre Liebe sein.

Dass hier ein Sportler logiert, liegt auf der Hand. Bälle, wohin das Auge blickt. Für Robert Übler ist der Sommer eben eine runde Sache. Mit dem Tivoli ist der 70-Jährige groß geworden – dabei hätte hier einst fast sein letztes Stündlein geschlagen. 

 

Als Bub kletterte er übermütig auf der Schwimmbadbaustelle herum, bis er und seine Freunde von herunterfallenden Teilen verschüttet wurden. Geblieben sind glücklicherweise nur ein paar Schrammen und die Erinnerung an eine übermütige Zeit. Dem Tivoli ist er bis heute treu geblieben: Dass er dort von so mancher Dame als „schönster Mann von Innsbruck“ bezeichnet wird, findet er irgendwie peinlich. Wieso? Ist doch charmant.