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JULI 2017

Partycrasher

Sally Potters „The Party“ ist ein kurzes, gekonnt gespieltes Kino-Vergnügen, das auf scharfsinnige Dialoge aufbauend die englische Upper Class entzaubert.

Kritik: Klaus Erler
Fotos: Filmladen Filmverleih
D

ie ambitionierte Politikerin Janet wurde gerade zur Gesundheitsministerin im britischen Schattenkabinett ernannt. Um diesen Umstand zu feiern, richtet sie für ihre engsten Freunde ein kleines Get-together in ihrem Londoner Stadthaus aus. Dieses funktioniert auch wie geplant in der üblichen, alphahirschtypisch-neurotischen Intensität, bis Janets Ehemann Bill mit einer Ankündigung zum eigenen Gesundheitszustand alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Bei dieser einen Offenbarung bleibt es nicht: Auch die anderen Gäste nutzen – bald mehr getrieben als freiwillig – die Ungunst der Stunde, um ihrerseits Geheimnisse mit großer Sprengkraft ans Tageslicht zu befördern. Chaos breitet sich aus: Was als einigermaßen kultiviertes Beieinander begann, wird zum Gefühls-Tohuwabohu, in dem die in der Küche vor sich hin kohlenden Törtchen bei weitem das kleinste Problem darstellen. 

Kino in Echtzeit.

Regisseurin Sally Potter inszeniert mit „The Party“ eine böse Kino-Komödie, die das Appartement nie verlässt und in Echtzeit gefilmt als Theaterstück ähnlich gut funktionieren würde.

The Party Drama, Komödie. GB 2017, 71 min Regie: Sally Potter Mit: Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Kristin Scott Thomas