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FEBER 2016

Heckenschere zu verleihen

Seit 30. Jänner hat Innsbruck einen Leihladen, wo man sich als Mitglied Verschiedenstes ausleihen kann. 6020 hat dieser „Bibliothek der Dinge“ in Pradl in die Regale geschaut.

Fotos: Dominique Huter
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inem Unbekannten mein Werkzeug, meine Gartengeräte oder mein Reisegepäck leihen? Dieser Gedanke klingt vielleicht befremdlich, ist in Wien und Graz jedoch schon gut funktionierende Wirklichkeit. Dort gibt es schon seit einiger Zeit Leihläden, die nach dem Prinzip „ausleihen statt kaufen“ funktionieren und Menschen beim Sparen und Teilen helfen.

Selten wichtige Dinge.

„Ein Leihladen funktioniert im Grunde wie eine Bücherei. Der wesentliche Unterschied: Anstelle von Büchern kann man sich Gegenstände ausleihen, die man zwar selten, manchmal jedoch unbedingt braucht“, erklärt Deborah Größwagen, Initiatorin des Leihladens Innsbruck. Diese „Dingerei“ bringt Mitgliedern finanzielle Vorteile und zielt darauf ab, einen wertschätzenden Umgang mit Gegenständen und Ressourcen zu fördern.

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Organisiert ist der Leihladen in Innsbruck als gemeinnütziger Verein. Um Dinge ausleihen zu können, ist eine Mitgliedschaft notwendig.

Je nach finanziellen Möglichkeiten beträgt diese zwischen 24 und 36 Euro für zwölf Monate. Die Gegenstände kann man sich für zwei bis vier Wochen ausleihen. „Wird etwas länger benötigt, kann man die Dauer verlängern – vorausgesetzt, der Gegenstand ist nicht vorgemerkt“, erklärt die 22-jährige Geschichtsstudentin. Was während des Verleihs kaputtgeht, muss repariert oder aber durch ein gleichwertiges, beispielsweise ein gebraucht gekauftes Objekt, ersetzt werden. Bei der Reparatur möchte man mit lokalen Partnern wie dem Repair Café oder dem FabLab zusammenarbeiten.

„Anstelle von Büchern kann man sich Gegenstände ausleihen, die man zwar selten, manchmal jedoch unbedingt braucht.“

Deborah Größwagen

Ort der Gemeinschaft.

„Leila“, das Wiener Pendant zum Innsbrucker Leihladen, hat Deborah Größwagen im Sommer 2015 auf die Idee gebracht. Nur ein paar Monate später gründete die Oberösterreicherin mit sechs Gleichgesinnten den Verein Leihladen Innsbruck. Überrascht waren die Gründer vor allem über die schnelle Lösung der Standortfrage. Im „Go Inn“ (früher „Job Inn“), einer Zweigstelle des Vereins Lebenshilfe Tirol, fand man einen passenden Raum. Die Küche, der Veranstaltungsraum und der Keller Vorort können ebenso mitbenutzt werden. Die Miete und etwaige Anschaffungen sollen, sobald der Leihladen gut läuft, über Mitgliedsbeiträge, Förderungen und Spenden gedeckt werden.

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Zum Verleih ist der Leihladen jeweils am Mittwoch- und Sonntagnachmittag geöffnet. Zusätzlich sind Diskussionsrunden, Vorträge und andere Veranstaltungen geplant, die über die Facebook-Seite des Leihladens kommuniziert werden. „Der Leihladen soll ein Ort der Gemeinschaft werden, der offen für alle ist“, so Größwagen, „wir möchten zeigen, dass gemeinschaftlicher Besitz möglich ist.“

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Nun hofft man darauf, dass in Kürze möglichst viele Gegenstände in Innsbruck von Benutzer zu Benutzer wandern. Und wer für den heurigen Frühjahrsschnitt noch eine Heckenschere benötigt, weiß, wo er fündig wird.