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FEBER 2015

Tiroler Madl

Eine Berlinerin zieht nach Innsbruck und wird zum „Tiroler Madl“. In ihrem Blog schreibt Nina Lerch „über Schmankerl, Kunst und Bergkinder aus Tirol“.

Fotos: fabianirsara.com
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enn Nina Lerch erzählt, dass sie – freiwillig – von Berlin nach Innsbruck gezogen ist, bekommt sie fast immer dieselbe Frage gestellt: „Warum?“ „Weil mir die Stadt am Arsch vorbei ging“, antwortet die 22-Jährige dann lachend und freut sich sichtlich, ihr Gegenüber mit dieser Antwort zu überraschen. Die ganze Hipsterwelt will in die Stadt an der Spree – und sie wollte einfach weg. „In Berlin ist immer alles ‚drüber’, das hat mich unglaublich genervt. Du hast nie das Gefühl, am richtigen Ort zu sein, weil es 1.000 andere Trends und Partys gibt, die angeblich besser sind.“ 

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Dieses Gefühl der Getriebenheit, für das die moderne Welt den Begriff FOMO („Fear of missing out“) erfunden hat, wollte Nina nicht mehr haben. Als sie dann auch noch in der finalen Bewerbungsrunde für ihren Wunsch-Studienplatz den Kürzeren zog, war es für sie endgültig Zeit, die Koffer zu packen.

Suche nach den coolen Ecken.

Dass es nach Innsbruck gehen sollte, war keine Überraschung. „Mein Papa stammt von hier und ich war schon als Kind immer überglücklich, wenn wir in Tirol auf Urlaub waren.“ Im Sommer 2014 war es schließlich so weit – Nina tauschte den Prenzlauer Berg gegen Hötting. Um ihre Freunde daheim auf dem Laufenden zu halten, begann sie den Blog „Tiroler Madl“. Und schon bald interessierten sich auch andere Leser für ihre Posts. 

Tiroler Madl

Tausche Berlin gegen innsbruck

Nina Lerch bloggt über ihre neue Heimat.

 

Schließlich ist es auch für Innsbrucker und andere Innsbruck-Fans spannend, wenn Nina über neue Geschäfte und Lokale schreibt oder Menschen porträtiert, die hier wohnen. „Zuerst wollte ich den Berlinern zeigen, dass eine Kleinstadt genauso cool sein kann und dass sie ruhig von ihrem Berlin-Hype runterkommen können“, erzählt Nina, „und ich wollte den Innsbruckern bewusst machen, wie schön ihre Stadt eigentlich ist.“

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Was findet sie denn im Moment cool in Innsbruck? „Die tollen Lokale, die in letzter Zeit aufgemacht haben zum Beispiel. Lucy Wang, Ludwig, Gleim und so weiter – die würden auch in einer Großstadt wie Berlin cool sein. Und sie zeigen, dass Tirol mehr ist als nur Kaiserschmarrn. Obwohl ein richtig guter Kaiserschmarrn natürlich toll ist.“  

Zwischen den Stühlen.

Als Innsbruckerin wird Nina aber noch nicht wahrgenommen. „Das liegt wohl am Hochdeutsch. Dabei sage ich immer ‚Na’ statt ‚Nein’. Und ich kann ‚zach’ richtig aussprechen und ‚Speckknödel’ auch.“ 

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Das Gefühl, „zwischen den Stühlen zu sitzen“, wie sie es selbst auf ihrem Blog ausdrückt, wird also noch ein bisschen bleiben. In der Zwischenzeit brütet Nina über den zahlreichen Ideen für ihren Blog. „Zum Beispiel suche ich die schönste Busroute durch Innsbruck.“ Ist diese gefunden, werden wir hier davon erfahren: 

tiroler-madl.at