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APRIL 2017

Essay

TATATATAA!

Wie man Klavier spielt.

W

er das Klavierspielen erlernen möchte, steht häufig vor einem vermeintlich unlösbaren Problem: Wo anfangen? 52 weiße und 36 schwarze Tasten bieten sich zur Betätigung an, hinzukommen noch zwei, manchmal drei Fußpedale, die ebenso für eine Bedienung bereit stehen. Soll man das Klavier nun eher im linken Bereich der Tastatur in Betrieb nehmen oder wäre es nicht doch geschickter, die ersten Schritte rechts der Mitte zu versuchen? Und was geschieht, wenn man sich mit Verve in eines der Pedale stemmt?

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Zunächst bedarf es einmal einiger grundsätzlicher Bemerkungen zur Funktionsweise des Klaviers: Mittels mal mehr, mal weniger intensiver Druckausübung auf insgesamt 88 Tasten können auf diesem vielseitigen Instrument dank eines komplexen Mechanismus, bei dem filzbewehrte Hämmerchen auf die Saiten geschleudert werden, 88 voreingestellte Töne abgerufen werden. Für gewöhnlich erfolgt die Betätigung der länglichen Auslösefelder durch die Finger beider Hände, wobei beliebig viele Töne nicht nur hintereinander, sondern – im Rahmen der von der Handanatomie des Nutzers bestimmten Möglichkeiten – auch gleichzeitig erzeugt werden können. Auf Grund ihrer hohen Berührungssensitivität lassen sich über die Tasten bestimmte artikulative Charakteristika erzeugen. Weitere Chancen eröffnet in diesem Zusammenhang die Nutzung der Fußpedale, die sowohl für die Klangverstärkung als auch die -verminderung eingesetzt werden können.

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Die Beliebtheit des Klaviers erklärt sich sicherlich durch den Variantenreichtum seiner Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des europäischen Musiksystems. Auch der unbedarfte Musiker, der weder über entsprechendes Vorwissen noch spezielle Fertigkeiten verfügt, findet hier ein tonales Angebot vor, das nichts zu wünschen übrig lässt.

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Ein erstes Kennenlernen des Instruments sollte sich unter allen Umständen entspannt gestalten. Es gibt keine falschen Töne – und falls doch, ist man nur einen Halbton vom richtigen entfernt! Diese Erkenntnis sollte wirklich jeder Neuling am Piano beherzigen.

Es gibt keine falschen Töne.

 

Wer mittig vor dem Klavier Platz nimmt und sachte die eine oder andere Taste betätigt, macht jedenfalls bestimmt nichts falsch.

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Nach diesen ersten Versuchen bietet sich bereits ein kleines Musikstück an. Als sehr erfolgsversprechend kann hier die Inanspruchnahme der schwarzen Tasten gelten, da mit diesen – ihre exklusive Nutzung vorausgesetzt – auch der blutige Anfänger sorgenfrei chinesische Weisen spielen kann.

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Fühlt sich der Novize schließlich reif für anspruchsvollere Aufgaben, ist die Zeit für ein erstes klassisches Klavierstück gekommen. Ausgezeichnet eignet sich dafür Beethovens populäre Komposition »Für Elise«. Zum Einstieg mag sich folgende kurze Anleitung als nützlich erweisen: 

1. Nehmen Sie in bequemer Sitzposition vor dem Klavier Platz. Öffnen Sie den Deckel und legen Sie den kleinen Finger der rechten Hand auf die 33. Taste von rechts.
2. Spielen Sie äußerst leise in einem für Sie angenehmen Tempo die Tastenfolge 33-34-33-34-33-38-35-37-40.
3. Drücken Sie zeitgleich zu 40 mit dem kleinen Finger der linken Hand die 25. Taste von links und spielen Sie die Tonfolge 25-32-37. Betätigen Sie direkt anschließend mit der rechten Hand 49-45-40-38.
4. Parallel zum letzten Ton starten Sie wieder mit der linken Hand und schlagen die Tasten 20-32-36 an.5. Spielen Sie mit der rechten Hand 45-41-38-37.
6. Starten Sie mit der linken Hand erneut zeitgleich mit dem letzten Ton die Tastenfolge 25-32-37.
7. Gratulation! Sie haben nun erfolgreich rund zehn Zentimeter dieses weltberühmten Stücks Klaviermusik ausgeführt. Und die nächsten warten schon!

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Uns bleibt abschließend, unserer Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass vorliegender Abriss zum Klavierspiel unnötige Barrieren beseitigt und Mut macht, sich auf das Pianoforte einzulassen. Sollte nur ein geneigter Leser für dieses wunderbare Instrument gewonnen werden, so unsere tiefe Überzeugung, ist schon wahnsinnig viel erreicht.

 

jfpark@6020stadtmagazin.at