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MAI 2014

Kolumne

Shitstorm

Popkultur und was sonst noch zu sagen ist

I

n den sozialen Medien geht die Shitstorm-Geilheit um. Es scheint fast, als würde die Mehrheit nur darauf warten, bis irgendwo das Wort auftaucht, und schon stürzt man sich drauf und schimpft fleißig mit. 

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Bei der Causa Elke Lichtenegger war dies definitiv der Fall. Als auf Twitter das erste Mal das Wort Ö3-Shitstorm fiel, hatten gerade einmal ein paar hundert Menschen das Interview gesehen bzw. über den Inhalt gelesen. Aber wenn die Scheiße schon stürmt, dann stürmt die Social-Media-Gemeinde gerne mit – vor allem, wenn es um ein Hasslieb-Objekt wie den Radiosender Ö3 geht.

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Dass Lichteneggers Aussagen ungeschickt waren, stimmt natürlich. Dass sie die Meinung von Ö3 widerspiegelt, ist allerdings eine Unterstellung. Vielmehr haben österreichische Musiker seit Jahrzehnten die fixe Meinung, dass Ö3 dieser Meinung ist, und warten nur aufs Stichwort, um sich darüber maßlos aufzuregen.

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Dass sich halb Online-Österreich solidarisch erklärt und gleich fröhlich mitshitstormt, zeugt eher von den niederen Instinkten der Facebook-User („Hauen wir mal drauf und schauen wir, was passiert“) als von der ehrlichen Überzeugung, dass heimische Musik mehr Platz im Mainsteam-Radio verdient.

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Vermutlich wird es nicht lange dauern, bis die nächste Sau durchs sprichwörtliche Dorf gejagt wird. Dass ein Shitstorm das Schlimmste ist, was einem Unternehmen passieren kann, glaube ich übrigens nicht. Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann – vielleicht.

Dass sich halb Online-Österreich solidarisch erklärt und gleich fröhlich mitshitstormt, zeugt eher von den niederen Instinkten der Facebook-User als von der ehrlichen Überzeugung, dass heimische Musik mehr Platz im Mainstream-Radio verdient.