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MAI 2014

Meinung

Pro & Contra

Diesmal: Gauder Fest

O

Zugegebenermaßen gibt es authentischere Festtage als das Gauder Fest und ich könnte mir vorstellen, dass von den 30.000 Besuchern viele nicht wissen, was sie da gerade eigentlich feiern. Ich denke aber, dass die Kombination aus schöner Umgebung, wirklich gutem Bier und einer Prise bizarrer Unterhaltung à la Bierkistenkraxeln schon ihren Reiz hat.

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Vielleicht sehe ich das Fest und die hiesigen Traditionen als nicht-gebürtiger Österreicher auch einfach entspannter. Mir gefallen die Trachten und Lederhosen, auch wenn sie nur einmal im Jahr angezogen werden. Ich denke aber, dass du das bei einem Besuch auch so sehen würdest. Zumindest nach zwei Bockbieren.

E

inmal im Jahr ein Dirndl oder eine Lederhose anziehen und dann einen auf Tradition machen – das ist in etwa so, wie einmal im Jahr in die Kirche zu gehen und dann so zu tun, als ob man einen Heiligenschein und persönliche Grußworte vom Papst verdient hätte. Ich habe überhaupt nichts gegen Volksfeste, schon gar nicht, wenn da Menschen hingehen, die eine schöne Tracht im Schrank hängen haben und diese auch gerne und regelmäßig bei feierlichen Anlässen anziehen.

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Was mir nicht gefällt, sind die Schönwetter-Folkloristen, die es genau einen Tag im Jahr cool finden, sich in Lederhosen & Co. zu schmeißen, und Anlässe wie das Gauder Fest dafür nutzen, sich mit Bockbier zuzuschütten und vielleicht auch noch über die Bräuche lustig zu machen.

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Für mich ist das alles nichts – weder ernst gemeint noch ironisch. Aber ich steh wenigstens dazu und werde nicht zur Trachten-Opportunistin, nur weil ich sonst nicht weiß, was ich am ersten Mai-Wochenende unternehmen soll.