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MAI 2014

Essay

Kundenbewertungen

Aus Wikipark, der freien Enze..., Enzyklo..., dem Gratis-Lexikon

U

nter Kundenbewertungen oder auch -rezensionen versteht man Beurteilungen, die Nutzer zu Produkten, Dienstleistungen etc. online abgeben. Typischerweise wird dabei die Meinung in pointierter Weise zusammengefasst („Voll die Scheis App!“) und/oder auf einer meist von eins bis fünf reichenden Skala bewertet („null Punkte ihr Wichsa!!!). Während sich die Bewertung – etwa in Form von Sternen – vor allem für die grundsätzliche Einschätzung des Produkts eignet, können aus den Kurztexten wichtige Informationen für die eigene Kaufentscheidung abgeleitet werden. Das gilt zum Beispiel für die Handhabung („Wir haben den Beamer nur zwanzig Stunden in einer Tropfsteinhöhle im Dauerbetrieb gehabt und schon funktioniert er nicht mehr.“) oder die Farbgestaltung („Ich hab mir das Rot irgendwie blauer vorgestellt.“). Auch lassen sich Missverständnisse bezüglich des Lieferumfangs mit einem Blick auf die Kundenbewertungen häufig aus der Welt schaffen („Man sollte wirklich dazuschreiben, dass sich in der Hülle kein iPad befindet!?!“)

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Ein ganz entscheidendes Kriterium für die Bewertung ist natürlich das Preis-Leistungs-Verhältnis („Also, die Qualität lässt bei dem DVD-Player schwer zu wünschen übrig. Im Nachhinein hätte ich doch den um 19,90 Euro nehmen sollen.“). Wobei nicht wenige Rezensenten durchaus einen höheren Preis in Kauf nehmen würden, wenn dafür die Qualität stimmt („Mein Sohn hat das Taschenmesser nur einen Winter lang auf der Terrasse liegen lassen und schon lässt sich damit unser Diamantbohrer nicht mehr anspitzen. Schade, da hat der Hersteller wieder einmal am falschen Platz gespart.“).

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Doch gerade die fundierten Berichte aus der Praxis sind der große Pluspunkt gegenüber klassischen Herstellerangaben („Ich habe die Kamera noch

 

Ich wollte eigentlich einen elektrischen ­Dosenöffner und kein Moskitonetz, deshalb nur drei Sterne.

nicht ausprobiert, gebe aber schon einmal vier Sterne dafür, dass gestern Montag war.“). Zumal die Nutzer keinen Vorteil aus ihren Bewertungen ziehen und die Produkte deshalb unabhängig und fair beurteilen („Ich wollte eigentlich einen elektrischen Dosenöffner und kein Moskitonetz, deshalb nur drei Sterne.“). Nicht selten finden sich auch Verbesserungstipps darunter, die kluge Produzenten nur zu gerne aufgreifen („Wäre es in dem Buch um Fußball oder essgestörte Bomber-piloten gegangen, hätte ich mich zu einem zweiten Stern hinreißen lassen. Aber so.“). 

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Größter Beliebtheit erfreuen sich Kundenbewertungen auch in Gastronomie und Hotellerie. Neben positiven Kritiken („Mein Tipp: das Putengeschnetzelte vom Schwein“), die natürlich die beste Werbung sind für die bewerteten Häuser („Unsere Familie fährt seit 700 Jahren hierher!“), zeigen die Rezensenten auf, was nicht gepasst hat – freilich mit Augenmaß („Bis 18:00 Uhr ist die Snackbar am Pool geöffnet. Als wir einmal um 17:59 dort waren, gab es kein Beef Tatar mehr und der Kellner hat zwei Mal auf das ‚Sir‘ vergessen. Drecksbude!“). Vor allem das Thema „Sauberkeit“ ist vielen ein Herzensanliegen („Binnen zwei Wochen wurde nicht ein Mal der Teppichboden ausgetauscht!“), gefolgt von der Geräuschentwicklung („Wir konnten eine Woche lang kein Auge zutun, weil das Gras so laut gewachsen ist.“) sowie kulturellen Besonderheiten („Wer Russenschlampen mag …“).

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Angesichts des durchschlagenden Erfolgs der Online-Bewertungen verwundert es nicht, dass das Rezensieren mittlerweile auch im zwischenmenschlichen Bereich Fuß zu fassen beginnt („Nach sieben Weiß-Süß hätte ich mir mehr erwartet.“). Aber das ist eine andere Geschichte.