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MAI 2014

Kino

Kampf im Schnee

Der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho verwandelt in Snowpiercer“ einen französischen Comic in einen ebenso brillanten wie absurden Science-Fiction-Film.

D

a ist etwas kräftig daneben gegangen: Die Menschheit wollte nur mal kurz die globale Erwärmung stoppen und schon wurde aus einem gerade noch bewohnbaren Planeten eine lebensfeindliche Eiswüste. Jetzt schreibt man das Jahr 2031 und die letzten Überlebenden rauschen in einem überdimensionalen Zug in einer Art Endlosschleife durch tödliche Eiswüsten. 

 

brillanter trash.

Und da die Menschheit nicht Menschheit wäre, hätte sie nicht Lust, sich ungeachtet aller widrigen Umstände dennoch in mindestens zwei Klassen aufzuteilen, tut sie es auch hier: Vorne fährt und genießt die Haute-Volée, hinten schuftet die Working-Class. Das ist natürlich nicht gerecht und ein End-Kampf „Proletariat gegen Dekadenz“ wird immer wahrscheinlicher. Wem ein derartiger Trash einfällt? 

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„Snowpiercer“, den die Süddeutsche Zeitung mit brillanter Treffsicherheit als „ein soziales Konfliktmodell von so unmissverständlicher Anschaulichkeit, dass es Karl Marx die Freudentränen in die Augen getrieben hätte“ beschreibt, 

war ursprünglich ein französisches Comic der Achtzigerjahre. Dem südkoreanischen Regisseur Bong Joon-ho gelingt es nun, die Absurdität von „Le Transperceneige“ zum funktionierenden, zweistündigen „Snowpiercer“-Science-Fiction-Action-Amusement umzubauen.

 

stars aus hollywood.

Tatkräftige Unterstützung erfährt er dabei von echten Hollywood-Größen. Optisch nicht wiederzuerkennen ist Tilda Swinton, die als Mason den weiblichen Verbindungsoffizier zwischen herrschender und dienender Klasse gibt. Gefühlloser, hassenswerter und glaubwürdiger hat man die englische Schauspielerin im Kino schon lange nicht bewundern können. Ebenfalls überzeugend sind John Hurt als abgeklärter Gilliam und Ed Harris als verkommener Wilford, die an den jeweiligen Enden des Zuges das Sagen haben. Und mittendrin bewegt sich Chris Evans als Revolutionär Curtis nicht nur einem gewaltigen Showdown entgegen: Im Gutsein empfiehlt er sich gleichzeitig auch für die nächsten drei Captain-America--Movies. Sie wird er ab sofort wohl auch etwas unrasierter drehen dürfen.