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MAI 2014

Gefängnis

Arbeit hinter Gittern

Ex-Bayern-München-Boss Uli Hoeneß soll im Gefängnis wieder in seinem
gelernten Beruf als Metzger arbeiten. Eine merkwürdige Vorstellung,
aber eigentlich ganz normal. Auch in der Justizanstalt Innsbruck vulgo „Ziegelstadl“ arbeitet der Großteil der Insassen. 6020 durfte sich umsehen.

Fotos: Emanuel Kaser
J

eder Häftling ist zur Arbeit verpflichtet – so die Theorie. „Die Praxis sieht anders aus“, erklärt Oberrat Mag. Reinhard Potocnik, Anstaltsleiter der Justizanstalt Innsbruck. „Obwohl der Großteil arbeiten will, haben wir einfach nicht die personellen Ressourcen, um allen Häftlingen einen Arbeitsplatz anbieten zu können. Außerdem ist nicht jeder Insasse geeignet: Bei einigen hapert es an den Sprachkenntnissen oder schlichtweg an den Fähigkeiten.“ 

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520 Insassen gibt es derzeit in der Justizanstalt Innsbruck, darunter 25 Frauen. Über 50 Prozent sind Ausländer, die meisten aus Nordafrika. Drogenabhängige arbeiten genauso wenig hinter Gittern wie U-Häftlinge, diese konzentrieren sich lieber auf ihren anstehenden Prozess. Zurzeit arbeiten 150 Insassen in der Justizanstalt Innsbruck, die Bereiche sind vielfältig.„In der Küche, in der Kfz-Werkstatt, in der Schlosserei, in der Tischlerei, in der Wäscherei oder auch in der Landwirtschaft. Jeder Insasse arbeitet in dem Bereich, der seiner Ausbildung, seinen Vorkenntnissen bzw. Fähigkeiten am besten entspricht“, informiert der Leiter des Wirtschaftsbereichs, Oberstleutnant Ing. Raimund Höß, und schlägt einen Rundgang vor. 

Die Bayern-München-Flagge.

Hektisches Treiben in der Anstaltsküche, die Mittagszeit steht bevor. An der Wand hängt eine Bayern-München-Flagge. Aufgehängt von einem Wachebeamten, mutmaßt Raimund Höß. In jedem Bereich arbeiten meist zwei Beamte mit entsprechender Berufsausbildung gemeinsam mit den Insassen. Zurzeit sind gerade zwei Insassen mit abgeschlossener Kochausbildung da, das Essen schmeckt vorzüglich, versichert Reinhard Potocnik. „Viele der Insassen haben vermutlich noch nie so gut gegessen wie bei uns. Das ist auch nicht unwichtig. Wenn das Essen passt, passt für die Insassen schon mal vieles.“

„Für die Kfz-Werkstatt gibt es selten Insassen mit entsprechender Ausbildung, das scheint ein braver Berufszweig zu sein.“

Reinhard Potocnik

 

Die Entlohnung der Insassen erfolgt nach ihrer Einstufung, diese reicht vom leichten Hilfsarbeiter bis zum Vorarbeiter. Nach Abzug des Vollzugskostenbeitrags und des Arbeitslosenbeitrags bleiben einem Insassen grob gerechnet 210 Euro netto im Monat, rechnet der Anstaltsleiter vor. Die Hälfte davon wird als Rücklage für später einbehalten, die andere Hälfte steht zur Verfügung und kann in der anstaltseigenen Greißlerei für Süßigkeiten und Zigaretten ausgegeben werden.

 

In der Bäckerei werden gerade Osterpinzen gebacken, der große Raum der Fleischerei ist hingegen leer, er ist aufgrund des Fehlens des zuständigen Beamten an diesem Tag nicht besetzt. Schon wieder drängt sich der Gedanke an Uli Hoeneß auf. 

Die Wäscherei ist weiblich.

Die große Tür zur Wäscherei geht auf: Revierinspektorin Claudia Neumayr eilt herbei und meldet vorschriftsgemäß: „Acht Insassinnen da, keine besonderen Vorkommnisse!“

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Die Wäscherei ist fest in weiblicher Hand. Frauen und Männer sind in der Justizanstalt streng getrennt, auch bei der Arbeit. Die großen 300-Kilo-Waschmaschinen zu bedienen, sei gar nicht so einfach, erklärt Raimund Höß. Anfang der 1990er waren so wenige Frauen in der Justizanstalt, dass die Wäscherei kurzerhand zu einem Männer-Arbeitsplatz umfunktioniert wurde. Die Reparaturkosten für die teuren Waschmaschinen stiegen daraufhin derart an, dass die Wäscherei nach einem halben Jahr wieder ein reiner Frauen-Arbeitsplatz wurde.

200 Sessel für den Alpenverein.

Der Rundgang führt als nächstes zur Kfz-Werkstatt, hier werden hauptsächlich Arbeiten für den eigenen Fuhrpark durchgeführt und das hauptsächlich von Beamten. „Selten gibt es einen Insassen mit entsprechender Ausbildung, das scheint ein braver Berufszweig zu sein“, schmunzelt Reinhard Potocnik und geht vor zur angrenzenden Tischlerei. Auch hier arbeiten jeden Tag um die zehn Insassen – so wie in allen Bereichen etwa sechs Stunden am Tag, fünf Tage die Woche.

Zwischen Acker und Kuhstall.

Der Rundgang endet in dem Bereich, in dem die meisten Insassen, nämlich knapp über 20 arbeiten: in der Landwirtschaft. „Dieser Arbeitsplatz ist nur für Insassen geeignet, von denen keine Fluchtgefahr ausgeht“, betont Reinhard Potocnik und wirft einen Blick in den Kuhstall. Die Arbeit in der Natur ist beliebt und für fast jeden Insassen bewältigbar: Holzhacken, Gemüsebeet-Pflege, dazu müssen die zwölf anstaltseigenen Rinder und 20 Stück Damwild versorgt werden. „Am Vormittag wurde im Wald am Gelände aufgeforstet, jetzt am Nachmittag geht’s ans Bäume-setzen“, erklärt Abteilungsinspektor Franz Vergeiner und tuckert mit dem Traktor davon. Arbeit ist Arbeit und will auch hinter Gittern erledigt werden.

„Die Landwirtschaft ist nur für Insassen geeignet, von denen keine Fluchtgefahr ausgeht.“

Reinhard Potocnik
Ofenfrisch. In der Gefängnisbäckerei wird fleißig gebacken.
Schlosserei. Ein Brillenständer wird gefertigt.