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MAI 2014

Das schwarze Gold

Was für den altmodischen Musikliebhaber schon immer feststand, wird durch die aktuelle Modewelle bestätigt: Die Schallplatte gehört einfach gehört und geliebt.

D

er iTunes-Store bietet über 37 Millionen Songs zum Download an. Man wirbt mit der Leichtigkeit des Downloads, einfach anmelden, gewünschten Song auswählen, auf Kaufen klicken und genießen. So gut, so einfach. Wieso gibt man also noch Geld für eine Schallplatte aus, wo es doch eh alles – teilweise sogar „gratis“ – im Internet zum Download gibt? Nicht nur wegen des Kults, der neuen „Plattenbewegung“, sondern vor allem wegen des Haptischen. Die Release-Tage, also jene Tage, an denen neues Material in den Regalen der Läden steht, erfreuen den Plattenliebhaber.

Denn da, wo man sich verirren kann und das Blättern, das Umklappen von der einen Schallplatte zur nächsten das schönste Geräusch wird, da fühlt man sich zu Hause.

Verdienst der DJs.

In Innsbruck findet man Vinyl seit über 30 Jahren im Musikladen am Sparkassenplatz. Für Christine Pöschl ist die Renaissance der Schallplatte vor allem Verdienst der DJs: „Die haben sie nicht verschwinden lassen.“ Auch sie selbst bemerkt die verstärkte Nachfrage: „Wir verkaufen dreimal so viel Platten wie vor ein, zwei Jahren.“ 

„Die Musikindustrie hat eine Nische gesehen und begonnen, interessante Produkte zu produzieren.“

Justin Barwick

Platten als Nische.

Eine riesige Plattenauswahl bekommt man im Downtown Sound Record Store in der Universitätsstraße 5. Von Hip-Hop über Indie und Techno bis Austropop, Metal und Klassik – hier findet man fast alles. Seit über 20 Jahren gibt es den Plattenladen, 2011 hat Justin Barwick die „Soundstation“ (so der Name des Vorgängers) übernommen. Wie kommt es, dass ein Brite in Innsbruck einen Plattenladen aufmacht? „Ich bin ein großer Vinyl-Liebhaber. Schon als Achtjähriger habe ich angefangen, Platten zu sammeln“, erzählt Barwick. Nachdem er bereits mit dem Weekender Club die Musikszene Innsbrucks nachhaltig umgekrempelt hatte, bekam Justin Barwick 2011 das Angebot, den Plattenladen zu übernehmen. „Ich habe mich mit meiner Frau zusammengetan und das Ding durchgezogen.“ Für ihn war wichtig, das Geschäft mit bewussten Veränderungen einladender zu machen: „Früher war das Geschäft nur für DJs relevant, wir haben das Angebot dann für alle Musikgruppen adaptiert. 

So wurde der Laden auch bei Studenten bekannt – und Touristen wagen sich auch herein. Zudem haben wir auch noch Merchandising, also T-Shirts und Taschen eingeführt. Ich wollte einen Plattenladen machen, der das London-Feeling rüberbringt.“

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Für Barwick haben vor allem die Plattenfirmen Anteil am aufkommenden Vinyltrend: „Die Musikindustrie hat eine Nische gesehen und begonnen, interessante Produkte zu produzieren. Vor allem für den Record Store Day, an dem man exklusive Platten erwerben kann. Die neuen Platten zeichnen sich vor allem durch die bunten Vinyls, Downloadcodes und aufwendigen Covers aus.“ Außerdem, so Barwick, wollen Vinylfans mehr als einen Download: „Man kann praktisch alles downloaden, ob legal oder illegal. Aber das gibt einem nicht die Befriedigung, die die Schallplatte transportiert. Auch eine CD kommt da nicht ran.“ 

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Das Besondere an Downtown Sound ist für ihn die Vielfältigkeit der Auswahl: Neben den oben angeführten Genres findet man Interpreten von A bis Z und eine Rubrik mit „Soon in Innsbruck“.