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MAI 2014

Ortstermin

Der 
YouTube-Apostel

Bruder René spricht in seinen YouTube-Videos über Pornos, den Waldbrand in Absam und „Gangnam Style“. Durch „Willkommen Österreich“ wurden seine Clips schlagartig einem groflen Publikum bekannt. 6020 hat den ungewöhnlichen Franziskaner bei einem Clipdreh begleitet.

Fotos: Franz Oss
M

ontag ist Ruhetag auf der Kartbahn Innsbruck. Ein Gast ist jedoch da. Am Kopf ein Schutzhelm, an den Füßen braune Schlapfen, dazu eine braune Ordenstracht mit Kordel um den Bauch: Bruder René will sein neuestes Video drehen und steigt dafür zum ersten Mal in seinem Leben in ein Kartauto. Noch schnell die Frage nach dem Gaspedal, dann geht’s auch schon los. Mit sichtlichem Spaß und immer größerem Tempo dreht Bruder René seine ersten Runden. Kameramann ist dieses Mal ein ehemaliger Schüler des Franziskanergymnasiums Hall.

„Meine Mitbrüder und ich reden 
und diskutieren ganz offen. Nicht jeder heißt meine Clips gut.“

Bruder René
Der Youtube-Apostel

In Action. Bruder René beim Videodreh auf der Kartbahn.

Der Youtube-Apostel

PR für Gott.

50 bis 60 Videos hat Bruder René bisher gedreht, die Idee dazu entstand durch einen Freund, der eine Produktionsfirma besitzt und der Meinung war, dass man das Internet doch auch endlich mal mit guten Inhalten füllen müsse. Bruder René war sofort Feuer und Flamme und bekam durch seinen Orden die Möglichkeit, in München eine zweijährige Journalistenausbildung zu absolvieren. Seine Clips schneidet der gebürtige Osttiroler in einem kleinen Zimmer im Kloster in Telfs. Seine Homepage betreut Bruder René selbst, auch auf Facebook ist er aktiv. All das ist eher ungewöhnlich für einen Klostermönch, die Frage nach der Motivation dahinter drängt sich auf. „Ich fühle mich berufen zu erzählen, ich fühle mich reich beschenkt und will meine Liebe und Begeisterung für den Glauben weitergeben“, erklärt René mit leuchtenden Augen. 

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Darüber, dass seine Clips in „Willkommen Österreich“ eher zu Unterhaltungs- als zu Informationszwecken gezeigt werden, ärgert sich

 

René nicht. „Ich glaube, dass ich sympathisch rüberkomme, daher freut mich die große Aufmerksamkeit. Es ist ein guter Schritt auf meinem Weg, wenn ich bekannter werde.“

Der Herr ist mein Bungeeseil.

Seine Themenauswahl ist für einen Kirchenmann ungewöhnlich, vor allem seine Clips über Pornografie und Beziehungen erregen große Aufmerksamkeit. „Das Thema Sexualität ist ein Bereich, der viele berührt und der mit sehr viel Glück, aber auch sehr viel Leid verknüpft ist. Mir ist es wichtig, auf die Würde eines jeden Menschens hinzuweisen, niemand soll als Sexobjekt gesehen werden“, sagt René.

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Die letzte Moderationsszene ist geschafft und auch Jakob hat genügend Schnittbilder im Kasten. Bruder René lächelt zufrieden und hat bereits eine Idee für den nächsten Clipdreh im Kopf: Bei einem Bungeesprung von der Europabrücke könnte er über das Urvertrauen in Gott sprechen.

„Ich fühle mich berufen zu 
erzählen und 
will meine Liebe und Begeisterung für den Glauben 
weitergeben.“

Bruder René