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MAI 2014

Verschönerungsverein

Bankgeheimnisse

Rund um Innsbruck finden sich etwa 600 Parkbänke, hinter denen sich ebenso viele Geschichten verbergen. Peter Obermoser vom Innsbrucker Verschönerungsverein ist wohl der Einzige, der sie alle kennt.

Fotos: Franz Oss
Z

wei metallene Steher, sechs Latten und drei Schichten grüner Lack: Wer zu Fuß in und um Innsbruck unterwegs ist, kennt sie – die Parkbänke des Innsbrucker Verschönerungsvereins. Rund 600 von ihnen säumen die Wege und Steige rund um die Stadt. 

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Peter Obermoser hat einen ganz besonderen Blick für diese Sitzgelegenheiten. Der Wegarbeiter des Verschönerungsvereins kennt alle Bänke und es gibt keine, an der er nicht schon selbst Hand angelegt hat. Der gelernte Maler kümmert sich seit fast 25 Jahren um die Instandhaltung und Reparatur alter Bänke und das Aufstellen neuer. Er ist einer von zwei fixen Angestellten des Vereins. Die restlichen Mitarbeiter sind alle ehrenamtlich tätig.

 

Exklusives Geschenk.

Nahezu jede Bank hat eine Geschichte, die sich oft durch die angebrachte Plakette erahnen lässt. Was darauf steht, entscheidet der jeweilige Stifter. Wer dem Verschönerungsverein 350 Euro spendet, erhält „seine“ Bank. Für das Geld wird ein Schild mit einer Inschrift nach den Wünschen des Unterstützers angebracht und die Instandhaltung für zehn Jahre garantiert.

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Wie Peter Obermoser weiß, werden Bänke vor allem verschenkt. „Meistens suchen die Leute einen Ort aus, an dem der Beschenkte oft vorbeikommt oder der eine spezielle Bedeutung hat“, erzählt er. Obermoser sorgt dann dafür, dass die Bank so knapp wie möglich vor der Übergabe aufgestellt wird und perfekt in Schuss ist: „Da muss alles passen.“ Dass die Bank verschmutzt oder gar beschädigt wäre, wenn sie ihrem neuen Besitzer präsentiert werde, käme nicht in Frage. „Viele machen eine Überraschung daraus“, erzählt er weiter, „sie schmücken die Bank vor einem Spaziergang mit Schleifen und Maschen und kommen dann ‚zufällig’ daran vorbei.“ Im Winter können sich Spender auch die Plakette zuschicken lassen, um sie symbolisch zu überreichen.

Jeden Winter 
schlucken Innsbrucks Parkbänke bis zu 
100 Liter Lack.

Persönliche Gedenkstätte.

Für viele ist die „eigene“ Bank auch ein Ort stiller Andacht. So hat jemand am Tummelplatzweg seinem Vater, der im Ersten und Zweiten Weltkrieg gekämpft hat, einen Ort gewidmet, an dem man innehalten kann. „Eine Dame hat vor einiger Zeit ihrem Mann eine Bank an seinem Lieblingsort gestiftet, während er im Krankenhaus lag“, erinnert er sich zurück. Der Mann verstarb leider in der Klinik. Deswegen bat die Spenderin Obermoser, dabei sein zu dürfen, wenn er die Bank aufstellt. „Wir sind gemeinsam zu der Stelle gefahren. Nachdem ich mit der Arbeit fertig war, hat sie sich hingesetzt und ein Glas Sekt getrunken. Sie hat erleichtert und befreit gewirkt. Das war ein sehr berührender Moment.“

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Und auch Peter Obermoser selbst hat „seine“ Bank. Ihm und seiner Frau hat der Verschönerungsverein als Dank für seine Arbeit zur Silberhochzeit eine Bank am Bildstöckelweg gespendet.

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Mittlerweile wird der Platz für neue Bänke knapp. „Wir haben inzwischen das ganze Wegenetz abgedeckt“, meint der Bank-Experte. „Und manche Orte wie das Höttinger Bild sind extrem beliebt.“ An anderen Plätzen würden sich dagegen kaum Paten für vorhandene Bänke finden. „Vor allem am Bergisel habe ich ‚Sorgenkinder’. Ich weiß nicht warum, aber dort finden sich kaum Spender.“

 

Erfahrung zählt. Seit fast 25 Jahren kümmert sich PeterObermoser um „seine“ Bänke.

„Bei der einen oder anderen 
abgelegenen Bank verraten leere Kondomverpackungen, dass 
hier wohl ein paar lauschige Stündchen zugebracht 
worden sind.“

Peter Obermoser
Bankgeheimnisse
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Bankgeheimnisse

 

Jeden Winter schlucken Innsbrucks Parkbänke bis zu 100 Liter Lack. Dass die Farbe ausgerechnet Grün ist, hat mehrere Gründe. Obermoser: „Wir haben gute Erfahrungen mit dieser Farbe gemacht. Sie hält Wind und Wetter stand. Außerdem passt der Farbton gut in die Landschaft. Und inzwischen ist es auch Tradition.“ Nach den Reparaturen und einem „Frühjahrsputz“, bei dem die Bänke gereinigt werden, macht sich Obermoser im Sommer mit der Motorsense auf den Weg. Rund einen Monat dauert es, bis er, größtenteils im Alleingang, gut 70 Kilometer Wege ausgemäht hat. Und nebenbei ersetzt er beschädigte Latten und bringt neue Schilder an. Im Herbst sorgt dann vor allem das Laub für Arbeit. Ihm rückt er mit einem Laubbesen zu Leibe.

Vandalismus durch Jung und Alt.

Wirklich weggeworfen werden müssen nur wenige Teile. „Die Steher halten ewig“, meint Obermoser. „Und die Latten fallen größtenteils der Fäulnis zum Opfer.“ Nur selten ist mutwillige Zerstörung der Grund. Früher seien ab und zu Schilder Souvenirjägern zum Opfer gefallen. Dem hat Obermoser aber mit Spezialschrauben einen Riegel vorgeschoben. „In der Stadt sind es vor allem Graffitis, mit denen ich zu kämpfen habe. Aber dafür habe ich Spezialreiniger.“ 

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Bänke sind eben Gebrauchsgegenstände, wie er sagt. „Da ist es unvermeidbar, dass es zu Beschädigungen kommt.“ Und dabei sind es bei Weitem nicht nur „die Jungen“, die sich des Vandalismus schuldig machen. „Ab und zu verschwinden Bänke einfach. Ich vermute, dass die den Rest ihres Daseins als Möbel in Privatgärten verbringen.“ Ärgerlicher findet er Verschmutzungen. „Leute setzen sich oft auf die Lehnen hinterlassen Dreck auf den Sitzflächen. Dabei wäre es einfach, das selbst schnell zu bereinigen.“

Manche Orte wie das Höttinger Bild sind extrem beliebt. Am Bergisel finden sich hingegen kaum Spender.