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MÄRZ 2014

Kolumne

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Wer gute Serien sehen will, wird in die Illegalität gedrängt.

E

s gibt „How I Met Your Mother“-Folgen, die hat man schon so oft gesehen, dass man sie minutiös nacherzählen könnte. Die eine, wo die gesamte Truppe versucht, das Ergebnis des Super Bowls nicht herauszufinden, weil man das aufgezeichnete Spiel am Abend zusammen sehen will. Oder die, wo Ted nach New Jersey zieht – oder es zumindest versucht. Oder die mit der Halloweenparty, auf der Ted endlich die Kürbis-Schlampe wiedertrifft.

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Wieso man sie alle in- und auswendig kennt? Weil die Serie ständig läuft, ob auf ORF oder ProSieben (hier besteht das Nachmittagsprogramm von 13 bis 17 Uhr mittlerweile nur mehr aus „HIMYM“, „Big Bang Theory“ und „Two and a Half Men“). Und genau deshalb ist „HIMYM“ auch eine der am seltensten geklauten bzw. gestreamten Serien.

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Wer sich etwas anspruchsvollere Kost wie „House of Cards“, „Game of Thrones“ oder „Homeland“ ansehen will, wird immer noch in die Illegalität bzw. die angrenzende Grauzone gedrängt. Zwar wird zum Beispiel die dritte Staffel „Homeland“ ab 9. März sonntags auf SAT1 gezeigt – allerdings um Mitternacht. Wer soll sich das anschauen? Nachdem die wenigsten am Montag bis halb zehn ausschlafen können, ist dieser Sendetermin schlichtweg Zuschauerverarsche. Ähnliches galt für die erste Staffel von „House of Cards“, die im ORF ebenfalls sonntags kurz vor Mitternacht gezeigt wurde.

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Kein Wunder also, dass aktuelle Serien von Jung und Alt, Arm und Reich, Hacker und Moralapostel gestreamt werden. Vor allem, wenn ganze Staffeln auf einmal releast werden wie bei „House of Cards“. Hier bleibt nur eine Glaubensfrage: sparsam einteilen oder Bingewatching?

„Homeland“ läuft sonntags um Mitternacht – wer soll sich das anschauen?