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MÄRZ 2014

Meinung

Pro & Contra

Diesmal: Selbstdisziplin in Sachen Alkohol

W

illi hier legst du dich mit jemanden an, der Ginger Ale und Zitronenlimo mit Eis und Strohhalm bestellt, damit die blöde Frage „Was, du trinkst gar nichts?“ erst gar nicht kommt. Wieso ich selten „was trinke“? Weil es Kopfweh macht. Weil es dazu führt, dass man viel zu lange an Orten rumhängt, die eigentlich keinen Spaß machen. Weil es Situationen gibt, in denen man besser einen klaren Kopf behält. Und weil ich es ganz einfach bedenklich finde, wenn man ohne nachzudenken ständig Alkohol trinkt.

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Ich meine selbstverständlich nicht den Tag der bestandenen Diplomprüfung, die Party des Jahres oder den 30. Geburtstag – natürlich soll man Feste feiern, wie sie fallen. Was mich nervt, ist der unmotivierte Alkoholkonsum: Man trinkt halt, weil man in einem Lokal sitzt.

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Obwohl man eh in einer halben Stunde heimgeht und am nächsten Morgen bereut, dass man sich wieder nicht getraut hat, einen Apfelsaft zu bestellen. Übrigens, ein netter Nebeneffekt der Selbstdisziplin: Wenn man es krachen lassen will, reichen zwei Gläser Wein.

E

ine Arbeitskollegin meiner Mutter gab dieser einmal den Text „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“ von den Toten Hosen mit. Die Frau mag ich. Wenn man erst mal Partnerschaft, Vollzeit-Angestelltenverhältnis & Co. eingeht, werden die Partys und das Leben allgemein vernünftiger. Und „vernünftiger“ ist ja auch nur ein anderes Wort für langweilig.

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Natürlich wäre es schön, wenn mein Alltag so aufregend wäre, dass ich keine alkoholgetränkten Nächte bräuchte. Ist er aber nicht. Und irgendwie bin ich mit absolut selbstdisziplinierten Menschen nie richtig zurechtgekommen. Meiner Meinung nach kennt man jemanden auch nicht richtig, wenn man mit ihm nie abgestürzt ist. Deshalb sind mir die Japaner auch so sympathisch. Da wird kein Business-Deal abgeschlossen, ohne dass sich die Chefs danach gemeinsam besaufen.

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Ich finde, dass Alkohol verbindet. Die zwischenmenschliche Beziehung ist eine ganz andere, nachdem man gemeinsam um 3.30 Uhr in der „Moskau Bar“ oder den Bögen Wodka getrunken hat. Und, wie ich finde, ist dies das bisschen Kopfweh wert.