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MÄRZ 2014

Kino

Musiker als Kulturrebell

Der deutsche Regisseur Malte Ludin wollte immer einen Film mit Werner Pirchner drehen. Da der 2001 verstorben ist, wurde jetzt daraus eine liebevolle Dokumentation über den Haller Ausnahmemusiker.

D

.U.D.A!: Was wie ein kumpelhafter Anruf klingt, kann als Titel eines Films über Werner Pirchner natürlich genau das nicht sein: kumpelhaft. Das war er nicht, der Werner Pirchner, nicht gleich verhabert, nicht den schnellen Stammtisch-Konsens suchend, nicht Landler-kompatibel. Und folgerichtig heißt die Filmdokumentation des deutschen Regisseurs Malte Ludin über den 2001 verstorbenen Haller Jazz-Musiker, Komponisten und Provokateur Werner Pirchner dann eigentlich auch D.er U.ntergang D.es A.lpenlandes!

 

Gut und böse.

Der Titel bezieht sich damit direkt auf den gleichnamigen Film, den Werner Pirchner gemeinsam mit Regisseur Christian Berger 1974 als bitterböse Parodie auf Tiroler Lebensart, Bigotterie und Brauchtum gedreht hat. Ausschnitte aus diesem Film verwendet Malte Ludin als Bindemittel, um die verschiedensten Versatzstücke aus dem künstlerischen Leben Werner Pirchners zu einer gelungenen Dokumentation zusammenzukitten: Das alles überragende „halbe doppelalbum“ von 1973, den Auftritt in Montreux gemeinsam mit Harry Pepl

1981, das Sounddesign für den österreichischen Kultursender Ö1, dazu immer wieder musikalische Einspielungen aus dem hunderte von musikalische Arbeiten umfassenden PWV, dem „Pirchner-Werkverzeichnis“. Dazu kommen in kurzen Einspielungen österreichische Kulturschaffende mit Pirchner-Nah- und Fernverhältnis zu Wort: Josef Hader, Erwin Steinhauer, Tobias Moretti, Felix Mitterer, André Heller oder Norbert Pleifer entdecken dem Publikum ihren Werner Pirchner als rebellische Inspirations- und Kultfigur.

 

Nach wie vor aktuell.

Weniger pirchneraffin gibt sich dann der Tiroler Schützenstammtisch, der in seiner nach wie vor abwehrenden Haltung dem „Anderen“ gegenüber zeigt, dass sich im Tiroler Wertekatalog in den letzten 40 Jahren nicht überall gleichviel geändert hat. Deshalb und auch wegen der unangepassten Kreativität, die sich in seinem Werk zeigt, ist Werner Pirchner  heute nach wie vor aktuell und spannender als manche der kodakchromen Bilder der Dokumentation zunächst vermuten lassen. 

 

Filmstart: 28. März