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MÄRZ 2014

Technik

ICH DACHTE, DU WÄRST LÄNGST TOT

Erlagschein, Telefonzelle, Telefonbuch, Schreibmaschine und Fax gehören der Vergangenheit an – oder? 6020 hat sich in die vermeintliche Zeitmaschine begeben und herausgefunden, dass Totgesagte tatsächlich länger leben.

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nline-Banking, SB-Zonen – eigentlich möchte man meinen, dass niemand mehr zur Hausbank marschieren muss, um eine Rechnung zu bezahlen. Überweisungen werden per Mausklick erledigt, wenn gewünscht sonntags, kurz vor Mitternacht. Logisch betrachtet müsste der gute, alte Erlagschein also vor dem Aussterben sein. Dem ist aber nicht so: „Etwa 35 Prozent der Überweisungen bei Tiroler Raiffeisenbanken werden mittels Zahlschein beauftragt, die Kundennachfrage ist also immer noch hoch“, erklärt Michael Weiß, Pressesprecher der Raiffeisen-Landesbank Tirol.

Die Kosten hierfür liegen zwischen ca. 1 Euro und 3,50 Euro, sind also verhältnismäßig hoch. Weiß: „Hinter dieser Zahlungsabwicklung steht ein relativ hoher manipulativer Aufwand, der für den Kunden nicht sichtbar ist. Vom Scan des Beleges bis zur manuellen Nachbearbeitung, zum Beispiel aufgrund fehlerhaften Ausfüllens oder schlechter Lesbarkeit.“ Vor einigen Jahren war noch geplant, den Zahlschein zu 100 Prozent durch die elektronische Überweisung zu ersetzen – aufgrund der aber immer noch hohen Nachfrage werde dies aber so schnell wohl nicht passieren, so Weiß.

16.000 Telefonzellen finden sich noch in ganz Österreich, 1.390 in Tirol, 188 davon in Innsbruck Stadt.

 

wir zumindest tendenziell Überraschendes. Ganze 16.000 Stück finden sich noch in ganz Österreich, 1.390 in Tirol, 188 davon in Innsbruck Stadt. Darüber hinaus – die Telefonzelle hat sich weiter entwickelt. Die Münztelefone werden teils in Multimediastationen mit Internetzugang umgebaut, dort kann gesurft oder über einen USB-Stick auch ein Bild verschickt werden. Zwei dieser Multitalente finden sich in Innsbruck Stadt. In Alpbach wurde eine klassische Telefonzelle als Stromtankstelle für Elektrofahrzeuge umfunktioniert. Genutzt wird die Telefonzelle immer noch, erzählt man uns bei der Telekom, vorrangig von Touristen, aber auch von Menschen mit geringerem Einkommen.

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Übrigens wird auch das Tele-fonbuch immer noch produziert. Im Zuge der Wartungs- und Service-arbeiten wird einmal im Jahr ein druckfrisches Exemplar in allen Telefonzellen hinterlegt. Wer einen Festnetzanschluss besitzt, bekommt es vom Anbieter, gegen eine Gebühr von zwei Euro, auch nach Hause geschickt. In Postfilialen liegen ebenfalls aktuelle Ausgaben auf.

 

Ewige Klassiker.

Während einige Technologien also mit der Zeit gehen, kann man bei anderen davon ausgehen, dass sie zeitlos sind. Gibt es im Computerzeitalter noch Menschen, die eine Schreibmaschine benutzen?

 

handschriftlich unterschrieben sind – genau das wollen viele Serviceanbieter. Möchte man zum Beispiel einen Handy-, Internet- oder Fernsehvertrag kündigen, verlangt der Anbieter im Normalfall eine schriftliche Kündigung mit Unterschrift. Die Kündigung könne man, vermeintlich „bequem“, per Fax schicken. Wer kein Faxgerät in der Nähe hat, geht zur Post. Bis zu drei Kopien kann man im Inland um 2,99 Euro faxen. Und Postfilialen findet man ja noch wirklich an jeder Ecke. Oder?

„Mehr als zehn bis zwölf Schreibmaschinen pro Jahr verkaufen wir nicht mehr.“

Manuela Holaus, Bürotechnik Aichner