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MÄRZ 2014

Essay

Giraffentiger

Oder: Schwarzbuch Löwe. Die dunkle Seite des "Königs" der Tiere

W

enn es noch eines Beweises bedurft hat, dann wurde der neulich erbracht: Löwen – also das sind aber mal Schweine. Stichwort: Dänisches Giraffenmassaker. Haben Sie, verehrte Freunde der gepflegten Nachmittagsunterhaltung, ja sicher auch mitbekommen. Da bringt man in einem Kopenhagener Zoo einen jungen Girafferich um die Ecke, wirft ihn den Löwen zum Fraß vor und wundert sich dann, dass hier nicht nur die Paarhufer-Gewerkschaft auf die Barrikaden geht. Nicht wenigen Tierfreunden wäre aus Empörung fast die Schnitzelsemmel aus der Hand gefallen. Wie kann man nur Tiere töten, ihr verrückten Dänen!

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Viel wurde über die Machenschaften der Zoofutterindustrie diskutiert und das ist alles schön und gut. Gerade auch der Giraffe ist auf Augenhöhe zu begegnen, keine Frage. Ich sage aber, es muss nicht zuletzt ein Umdenken beim Konsumenten erfolgen. Dem Löwen geht doch heute ohne Giraffe genau überhaupt nichts ab. Bitte, wir leben doch nicht mehr im 30-jährigen Krieg, wo man jetzt vielleicht in Schlimmeres als einen sauren Apfel beißen musste. Es ist deshalb bestimmt nicht zu viel verlangt, dass man hier als Löwe einmal sagt: Packt’s eure Käfig-Giraffen zusammen, bei so einem unethischen Scheiß mach ich nicht mit. Zumal man sicher nicht zu weit gehen würde, wenn man behauptet, dass der Löwe an sich überhaupt kein Giraffentiger in dem Sinn ist. Da spielt wahnsinnig viel Bequemlichkeit und Gewohnheit mit.

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Ich weiß nicht, wie Sie das sehen, aber bei mir ist der Löwe ja schon grundsätzlich unten durch. Keine Ahnung, weshalb das Vieh so wohlgelitten ist. Wenn Sie sich so eine Savanne ansehen, da liegt der Löwe die meiste Zeit nur faul herum. Nur alle heiligen Zeiten ist er dann ganz groß da und markiert den starken Mann. Wenn Sie mich fragen, ist der Löwe ganz klar der Aufsichtsratsvorsitzende der Tierwelt.

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Ich selbst liebe Tiere ansonsten ja über alles. Also Liebe ist vielleicht das falsche Wort, eher reden wir von Hassliebe, nein, das wäre jetzt auch übertrieben: Das Durchschnittstier in seiner Anonymität ist mir wurscht, punktuell kann ich mich aber extrem begeistern.

Es muss ein Umdenken beim Konsumenten erfolgen. Dem Löwen geht doch heute ohne Giraffe genau überhaupt nichts ab.

 

Für Fischotter zum Beispiel. Mensch, das sind possierliche Tierchen. So talentiert und wenn man dann auch noch die Lebensgeschichte kennt. Nicht dass Sie jetzt aber glauben, ich lehne den Rest der Tierwelt ab. Das wäre nicht fair, schließlich gibt es solche und solche. Man kann unsere animalischen Freunde zum Beispiel nach Geschmack einteilen: Entweder ist ein Tier ein Rind oder ein Schwein. Oder es schmeckt nach Huhn. Es ist ja schließlich so: Klapperschlange, Leguan-Filet, Schildkröten-Prostata – was auch immer Sie sich auf den Grill werfen, es erinnert geschmacklich angeblich alles an Hühnchen. Nur das 2,90-Hendl aus dem Supermarkt nicht. Das schmeckt nach Ospen 500.

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Eine zweite taxonomische Möglichkeit ist die Einteilung nach der Mortalitätsrate bei Draufsteigen. Ein Meerschweinchen wäre hier Gruppe 1 zuzuordnen, ein Wasserbüffel Gruppe 2. Es gibt aber Streitfälle. Bei einem Rauhaardackel etwa hängt es sehr davon ab, wer drauftritt.

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Tiere der Einsergruppe kommen mir jedenfalls nicht ins Haus. Weil stellen Sie sich vor, da gehst du nachts schlaftrunken auf die Toilette und am nächsten Tag wachst du auf und hast einen Zwerghamster mit Polytrauma zwischen den Zehen. Und deine Kinder beschimpfen dich als Mörder. Nein, damit ist doch niemandem geholfen.