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MÄRZ 2014

Denkmäler

Die großen Unbekannten

Der Brunnen am Boznerplatz, das Engländergrab beim Alpenzoo – jeder hat sie schon gesehen, kaum einer weß, was dahintersteckt. 6020 ist den großen Unbekannten im Innsbrucker Stadtbild auf den Grund gegangen.

Illustrationen: Monika Cichon
D

en Alltagsblick kann man auch gerne Tunnelblick nennen, denn fast jeder eilt an historischen Häusern und Denkmälern vorbei, ohne  wirklich hinzuschauen. Wenn man die Stadtbewohner fragen würde, was man so alles in Innsbruck sehen kann, würde die Liste vom Goldenen Dachl bis zur Nordkette ziemlich unspektakulär ausfallen – obwohl es so viele Objekte gibt, die man im Vorbeigehen entdecken kann.

Der Rudolfsbrunnen

(Boznerplatz)

 

Der Rudolfsbrunnen ist vom Boznerplatz nicht wegzudenken. Zum ersten Mal wurde 1863 zur 500-Jahres-Feier der Vereinigung von Tirol und Österreich über einen Brunnen gesprochen. „Comité von Patrioten“ hieß die Bürgerinitiative, welche eine Holzschablone des Brunnens in Originalgröße aufstellen ließ, um damit die Meinung der Innsbrucker messen zu können. (Eine Idee, die man der Stadtverwaltung auch heute ans Herz legen könnte.) 14 Jahre lang geschah nichts, dann kam die Idee wieder ins Gespräch ñ mit einem neuen Entwurf ñ und diesmal blieb man bis zur Fertigstellung am Ball. Kronprinz Rudolf, Neffe Kaiser Franz Josefs, stattete Innsbruck 1877 einen Besuch ab und enthüllte den Brunnen inmitten von Kanonendonner und Volkshymne.

Die Geographensäule

(Waltherpark)

 

Während Walther von der Vogelweide in dichterischer Pose über Linden im Waltherpark singt, konzentriert sich die neben ihm stehende Geographensäule auf nackte meteorologische Tatsachen. Die Innsbrucker Bürger hatten – unter Einfluss von Föhn, Schnee und anderen Wetterphänomenen – schon 1876 die Idee, dem unberechenbaren Wetter ein Denkmal zu setzen – das einzige Europas. In den Lexika „Wetterhäuschen“ genannt, ist an diesem Obelisk so einiges Bemerkenswerte zu sehen: meterologische Instrumente wie Barometer und Sonnenuhr, aber auch Messdaten aus dem Jahr 1876, in dem es in Innsbruck 293 „wolkenlose Tage und theilweisbewölkte“ gab. Über solches Wetter konnte man sich schon damals nicht beschweren.

Die Richardsruhe

(Alpenzoo)

(volkstümlich: Engländergrab)

 

Über Mr. Tooth, dessen Grab in Hötting steht, haben sich sicher schon viele Spaziergänger den Kopf zerbrochen. Er war bereits schwerkrank 1839 mit der Familie Townshend auf Urlaub ins Schloss Weiherburg gekommen und nach drei Monaten, mit 22 Jahren, gestorben. Sein Tod ist ein „glücklicher Zufall“ für Historiker, denn Tooth war kein Katholik und wurde deswegen im Schlossgarten statt am Friedhof beerdigt. Dadurch ist sein Grab nicht – wie andere Ausländergräber – Kriegen und Auflösungen zum Opfer gefallen. Auch wurde somit Townshends nicht geringerer Wille erfüllt, die Richardsruhe „auf weltewige Zeiten zu erhalten“. Townshend hinterließ in seinem Testament den Besitzern der Weiherburg zur Pflege des Grabes auf diese „weltewige Zeit“ 50 Pfund – das wären heute etwa 5.000 €. Seit 1911 wird das Grab von der Stadt Innsbruck betreut.

Tierschutz-
vereinsbecken

(Marktplatz)

und

Tierschutz-
brunnen

(Beselepark)

 

„Dem Tierschutzverein ging es 1881 darum, Nutztiere zu schützen“, erzählt Direktorin Claudia Niedrist über die frühen Jahre des Vereins. Zu dieser Zeit zogen Pferde die Straßenbahnen, Kutschen und Wägen. Am Marktplatz waren besonders viele Pferde, denn hierher kamen die Tiroler Bauern, um ihre Waren in der Stadt zu verkaufen. Ihren Durst konnten die Pferde im Tierschutzvereinsbecken stillen. Dieses Becken – mittlerweile verwittert und veraltet – steht noch immer zwischen den Säulen der Bushaltestellen am Marktplatz. Auch der Tierschutzbrunnen im Beselepark lag damals an einer vielbefahrenen Strecke und entsprach der Aufgabe des Vereines – „die Tiere gegen Misshandlung zu schätzen und deren gute Behandlung zu fördern“.

Bildstöcke

von Innsbruck nach Thaur

 

Entlang der Felder von Innsbruck nach Thaur wurde im 16. Jahrhundert ein kleiner Rosenkranz-Bittgang mit Bildstöcken erbaut. Die Originalbilder gingen bis ins 20. Jahrhundert verloren und das sich ausbreitende Industriegebiet, samt Bundesstraße, „verschlang“ die 400 Jahre alten Stöcke. In den 1950ern ersetzte man die fehlenden Bilder mit Werken von drei Tiroler Malern. Eine spezielle Technik sollte die Bildoberfläche härten und vor jeder Witterung schützen. Mit den Gefahren des Straflenverkehrs hat man aber nicht gerechnet: Von den 15 Bildstöcken wurden zwei bei Verkehrsunfällen zertrümmert. Daraufhin wurde sogar mit dem Gedanken gespielt, die Stöcke überhaupt von der Bundesstraße zu entfernen – „aber das wäre zu kostspielig gewesen“, so Werner Jud vom Bundesdenkmalamt.