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JUNI 2014

Interview

Zum Wohle aller Wesen

Peter Singer, Professor für Bioethik an der US-Universität Princeton, kommt im Juni für einen Vortrag nach Innsbruck. Bekannt wurde er Ende der 1970er mit dem Buch „Animal Liberation“, das die Vegetarier- und Tierrechtsbewegung mitgeprägt hat. 6020 befragte den Philosophen vorab.

Foto: Denise Applewhite/Princeton University
6020:

Warum haben Sie damals Philosophie und Ethik studiert? Peter Singer: Als Student fand ich Philosophie intellektuell herausfordernd. Aber viele philosophische Fragen haben keine Bedeutung für unser Leben. Ich hätte es nicht rechtfertigen können, mein Leben mit Fragen wie „Wie kann ich wissen, dass ich nicht träume?“ zu verbringen. In der Ethik geht es darum, wie wir leben sollten – das ist die entscheidende Rolle der Philosophie, die die Welt verändert.

 

Was ist ein „effektiver Altruist“? Effektive Altruisten versuchen so viel Gutes zu tun, wie sie nur können. Sie bilden eine neue Bewegung von Leuten, die ihr Leben so gestalten, dass es den größtmöglichen Einfluss auf das Wohl der Welt hat.

 

Wären Sie „effektiver“, wenn sie anstatt als Professor in der Finanzwirtschaft tätig wären, somit mehr Geld verdienen und spenden könnten? Für manche mag dies der beste Weg sein. Wenn ich aber mit meinen Büchern und Auftritten die Menschen anregen kann, mehr Gutes zu tun, dann bin ich effektiver, als wenn ich in die Finanzwirtschaft gegangen wäre.

 

2013 tötete ein Jäger grausam eine Gämse in Tirol – der Aufschrei war groß. Gleichzeitig verdrückt der Österreicher durchschnittlich 66 Kilo Fleisch pro Jahr. Wie erklärt sich diese Doppelmoral?

Peter Singer