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JUNI 2014

Editorial

Teurer die Mobilität nie war

G

rün ist zwar die Farbe der Hoffnung, aber diese habe ich in vielen Bereichen ja ohnehin schon aufgegeben. Zum Beispiel, was die Verkehrskosten anbelangt (die meine ich nicht, Sie können diese aber auf Seite 54 nachlesen). Die Idee, den Autofahrer aus der Stadt zu vertreiben, ist schon ziemlich weit gediehen. Den Anfang machten die Parkgaragen mit ihren unverschämten Preisen, die sogar die besser Verdienenden ins Schwitzen bringen. Seit der neuen Kurzparkzonenregelung macht das überirdische Auto-Abstellen auch nur noch beschränkt Spaß. Ich selbst bin gleich zweimal in die neuen Fallen getappt. Für ein Mittagessen warf ich in gewohnter Manier einen Euro in den blauen Kasten. Dass dieser jetzt nicht mehr für eine Stunde reicht, merkte ich allerdings erst, als ich zum Auto zurückkam und sich mein Parkzettel in Gesellschaft eines etwas größeren Zettels befand. Aus Schaden wird man bekanntlich klug, aber scheinbar nicht so schnell, dass ich nicht am gleichen Tag noch übersehen hätte, dass die Kurzparkzone nicht bis 19 Uhr gilt, sondern bis 21 Uhr erweitert wurde. Doppelt hält besser, jetzt merke ich es mir ganz verlässlich. Wer das übrigens auch merkt, sind die Gastronomiebetriebe in der 21-Uhr-Zone, die klagen nämlich über deutliche Geschäftsrückgänge.

Man will bei den Autofahrern verdienen und gleichzeitig den öffentlichen Verkehr fördern. So richtig fördern will man ihn dann aber auch wieder nicht.

  In Zeiten wie diesen zählt oft jeder Euro und wer sparen muss, kann dies beim Parken tun, und natürlich auch beim oft damit verbundenen Konsum. Man überlegt also wirklich, das Auto stehen zu lassen und öfter mal öffentlich oder mit dem IVB-Rad zu fahren. Diese Alternativen sind aber ebenfalls nicht in die Kategorie Schnäppchen einzuordnen. Das IVB-Einzelticket kostet runde zwei Euro und mutet im Vergleich zum neuen Stadtrad-Angebot dabei sogar günstig an. Hier zahlt man ohne Vergünstigung für 24 Stunden Radspaß 15 Euro, fünf Stunden kosten das aber auch schon. Ohnehin für den kürzeren Einsatz gedacht, kosten zwei Stunden zum Beispiel sechs Euro – auch keine echte Option für Sparefrohs.

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Von außen betrachtet sieht die ganze Entwicklung ein bisschen unmutig und inkonsequent aus. Man will bei den Autofahrern verdienen und gleichzeitig den öffentlichen Verkehr fördern. So richtig fördern will man ihn dann aber auch wieder nicht. Wäre es wirklich so teuer, Bahn und Bus noch einmal zu vergünstigen und so eine Idee wie das Stadtrad quasi gratis anzubieten? Ich denke nicht, oder anders formuliert: Bei Finanzangst und öffentlicher Not, ist der Mittelweg stets der Tod.