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JUNI 2014

Coverstory

Im grünen Bereich

Die Rasenflächen im Hofgarten sind nicht länger unantastbar, sondern hochoffiziell als Liegewiesen freigegeben. Gute Nachricht, guter Zeitpunkt, um sich die Grünflächen-Situation in Innsbruck genauer anzuschauen. Sommer, bitte kommen!

Foto: Emanuel Kaser
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eit 600 Jahren gibt es den Hofgarten, 600 Jahre lang war das Betreten der Rasenflächen verboten. Seitens der Österreichischen Bundesgärten wurden stets die Empfindlichkeit des Zierrasens und der Denkmalschutz als Begründung angegeben. Mitte Mai verkündete der für die Bundesgärten zuständige Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter – durchaus überraschend – im Rahmen einer Veranstaltung: „Der Hofgarten ist frei!“ Soll heißen: Das Betretungsverbot für alle Rasenflächen ist aufgehoben. Bislang galt dies nur für die „Englische Anlage“. Nun dürfen aber überall Decken ausgepackt und Picknickkörbe geleert werden – zumindest im Sommer 2014, als Pilotprojekt. Am Ende des Jahres wird Bilanz gezogen und die Frage geklärt, ob die Innsbruckerinnen und Innsbrucker auch respektvoll genug mit ihren neuen Freiheiten im Hofgarten umzugehen wissen. 

Innsbrucks Grünflächen im 6020-Check

„Der Befreite“

Idyllischer Teich, farbenfrohe Blütenpracht, schattenspendende Bäume und satte grüne Wiesen: Der Hofgarten hatte schon immer alles, aber auch ebenso viele Regeln und Verbote. Diesen Sommer heißt es nun also: „Bitte Platz zu nehmen.“ Interessant zu beobachten wird sein, ob der Hofgarten in Sachen Gemütlichkeit mit anderen Grünflächen mithalten kann. Ist er doch auch für Touristenscharen ein Fixpunkt des Sightseeing-Programms.

 

„Die Wildromantische“

Die Sillschlucht schmeißt nicht nur einen Wanderweg Richtung Bergisel, der auch mit dem Mountainbike bezwungen werden darf, ins Rennen. Wer Abkühlung sucht, findet diese in der Sill, die sich rauschend durch tiefe Felsschluchten schiebt. An ruhigeren Stellen können sowohl Seele als auch Füße baumeln. Je nach Höhenangst-Level mutet bereits die nicht unspektakuläre Fußgängerbrücke abenteuerlich an. Wem die Sillschlucht insgesamt tendenzielles Unbehagen bereitet, plant seinen Ausflug lieber bei Tageslicht und in der Gruppe. Einen Blick zu riskieren lohnt sich aber.

Ja, man darf. Der Hofgarten kann nun auch als Grünfläche genutzt werden!

„Das Stiefkind“

Aufgrund seiner oft wenig schmeichelhaften Reputation traut man es dem Stadtteil auf Anhieb nicht zu, aber das O-Dorf hat gute 70.500 Quadratmeter Grünfläche zu bieten. Damit reiht es sich im quantitativen Grashalm-Ranking hinter der Höttinger Au, Hötting West und Pradl ein. Auf vielen Wiesen dürfen sich hier auch Vierbeiner austoben, besonders zu empfehlen ist die Innpromenade, der Fluss ist hier an mehreren Stellen zugänglich.

 

„Der Abgehobene“

Gramart-Boden in Hötting liegt auf 862 Metern Höhe und eröffnet einen weitläufigen Blick auf die Stadt. Wem Ausblick als Belohnung für eine kleine Wanderung nicht reicht, lässt sich vielleicht vom Waldspielplatz, der großzügigen Liegewiese oder den Grillstellen begeistern. Erreicht werden kann Gramart-Boden aber auch mit der Hungerburgbahn, von dort aus ist es nur noch ein dezenter, 20-minütiger Spaziergang.

 

„Die Puristin“

Die Rimmlwiese Hawaii am Inn, in der Nähe des Kranebitter Hofs, ist den meisten vor allem durch eines bekannt: nackte Tatsachen. Am inoffiziell offiziellen FKK-Strand der Innsbrucker geht es aber auch darüber hinaus heiß her, bietet er doch hungrigen Besuchern Grillplätze und noch dazu in schönster Lage am Inn. Zumindest über glühenden Kohlen wäre ein Mindestmaß an Stoff zwischen Funkenübergriffen und nackter Haut wohl keine übertriebene Sicherheitsmaßnahme.

Slacklinen und Grillen.

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en Ärger darüber, dass die Hofgarten-Wiesen in der Vergangenheit tabu waren, bekamen vor allem die lokale Politik und die Ämter zu hören. So erging es auch Thomas Klingler, dem Leiter des Amts für Grünanlagen der Stadt Innsbruck. Er musste die Kritik aber stets Richtung Wien abwehren: „Die Regelungen im Hofgarten wurden und werden von den Bundesgärten auferlegt. Da haben wir keinen Einfluss“.

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Alternativen hätte Klingler aber immer anbieten können. Die Inn- und Sillpromenaden oder der Rapoldipark zum Beispiel. Hier können zum Beispiel Slackliner ihrer Leidenschaft frönen. Klingler: „Für Familienausflüge würde ich den Natur- und Spielpark am Lohbach vorschlagen, aber auch den Spielplatz beim Tivoli oder den Kurpark in Igls.“ Und er hat auch für Grillmeister einen guten Tipp: „Die Saurweinwiese in Kranebitten.“ Dort kann man die vorhandenen Grillstellen nutzen oder auch mit eigener Ausrüstung anrücken. Abseits der ausgewiesenen Stellen – insgesamt zehn in der ganzen Stadt – ist Grillen prinzipiell nicht erlaubt (Details siehe S. 23).

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Zum spontanen Pausieren und akuten Entspannen laden übrigens auch die vom Amt für Grünanlagen aufgestellten Liegestühle ein. Diese findet man zum Beispiel entlang der Innpromenade oder auch im Waltherpark, 50 Stück werden über die Stadt verteilt.