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JUNI 2014

Ein Fest mit Buddha

Das wichtigste Fest im Buddhismus ist das Vesakhfest. Gefeiert werden die Geburt, die Erleuchtung und der Tod von Buddha. Auch im buddhistischen Tempel in der Dr.-Franz-Werner-Straße in Innsbruck wurde dieses Fest Mitte Mai zelebriert. 6020 war dabei.

Fotos: Dominique Huter
D

er Geruch von Räucherstäbchen liegt in der Luft. Draußen ein gut besuchter Parkplatz, Menschen, die mit Trainingstaschen ins benachbarte Fitnessstudio eilen, drinnen das höchste buddhistische Fest im Jahr. Die Freie Buddhistische Thai-Gemeinde und die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft haben an ihrem wichtigsten Feiertag auch zur Begegnung der Religionen geladen. Die muslimischen Vertreter der Aleviten und Sunniten sitzen neben den evangelischen und katholischen Vertretern und lauschen gemeinsam den Gesängen der buddhistischen Mönche. Mit kahlrasiertem Kopf und der traditionellen ockerfarbenen Robe sitzen die zwei thailändischen Mönche auf einer Art Podest mit dem Gesicht zu den Besuchern.

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Der Raum ist zum Bersten voll. 70 Besucher will Hugo Klinger, der Leiter der  Buddhistischen Religionsgemeinschaft Tirols gezählt haben. Die Sitzreihen sind bis auf den letzten Platz besetzt, einige stehen, die Mitglieder der Thai-Gemeinde knien. Der neue Mönch des Tempels, Phramahaschit Schitayano, begrüßt die Anwesenden. Die Dolmetscherin übersetzt: „Sie sind hier alle willkommen. Ich freue mich über Ihren Besuch.“ Viele thailändische Mädchen und Frauen tragen farbenprächtige, traditionelle Kleider, kunstvolle, mit Blumen geschmückte Frisuren und Goldschmuck. Die zwei Mönche beten und singen in der buddhistischen Liturgiesprache Pali, geflüstert wird meist auf Deutsch und das mit zunehmendem Geräuschpegel.

Mönche und Bierbänke.

Nach einer Stunde sind die Zeremonien der Mönche vorbei und es beginnt das große Schuhe-Suchen. Am Parkplatz werden traditionelle thailändische Tänze aufgeführt. Das große Buffet mit den Bierbänken daneben findet genauso viel Anklang. Es wird fotografiert und gelacht, ein buntes Durcheinander.

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Innen kniet jetzt ein junges Ehepaar mit Baby vor den Mönchen. Eine Dolmetscherin übersetzt. Die Gesichter erhellen sich, als einer der Mönche ein Armband überreichen will. Die thailändischen Frauen gestikulieren hektisch: Das Geschenk darf nur mit der Handfläche nach oben angenommen werden. Der junge Bursch zieht den Ärmel seines grell-orangen Kapuzenpullis zurück und legt das Armband gleich an. Das Pärchen legt die Handflächen vor der Brust aneinander, verbeugt sich und geht nach draußen. Ruhig und würdevoll, ähnlich zweier Buddhastatuen, sitzen die beiden Mönche auf ihren erhöhten rot-goldenen Plätzen und verziehen keine Miene. Draußen wird die Musik lauter gedreht.

Ein Fest mit Buddha

Gemeinschaft. Die Freie Buddhistische Thai-Gemeinde und die österreichische Buddhistische Religionsgemeinschaft luden zum Vesakhfest.

Ein Fest mit Buddha
Ein Fest mit Buddha
Ein Fest mit Buddha
Ein Fest mit Buddha
Ein Fest mit Buddha
Ein Fest mit Buddha
Phramahaschit Schitayano

„Lieber auf dem Berg als im Möbelhaus“

Die Freie Buddhistische Thai-Gemeinde hat einen neuen Mönch. Seit Mai betreut Phramahaschit Schitayano für mindestens drei Monate den Tempel in der Dr.-Franz-Werner-Str., der aus Kostengründen von Innsbruck nach Vomp übersiedeln muss. Im 6020-Interview erzählt er von seinen Wanderplänen und was er von Deko-Buddhas hält.

 

 

 

 

6020

Wie sieht Ihr Tagesablauf in Innsbruck aus? PHRAMAHASCHIT SCHITAYANO: Mein Tag beginnt um halb vier und endet um 22 Uhr. Zuerst gibt es ein Morgengebet, danach eine Meditation.Wenn ich Zeit habe, schaue ich im Internet und auf YouTube, was andere Mönche so machen und posten und ich informiere mich über die

verschiedenen buddhistischen Strömungen. Mit einem gut besuchten Abendgebet und einer gemeinsamen Meditation endet der Tag.

 

Werden Sie den Tempel in Ihrer Zeit in Innsbruck auch verlassen, werden sie beispielsweise bergsteigen gehen? Das möchte ich unbedingt. Als Thailänder kenne ich die Berge natürlich nicht und finde sie sehr beeindruckend. Ich war bereits an meinen ersten Tagen hier wandern, zu einer Kirche. Leider war sie verschlossen.

 

Haben sie schon mal eine Kirche von innen gesehen und wenn ja, wie wirken Kirchen auf sie? Ich habe bei meinen Aufenthalten in Deutschland schon Kirchen gesehen. Ich finde die Architektur einzigartig.

 

Zurück zum Bergsteigen, planen Sie, das in ihrer Robe zu tun? Nein, mit Bergschuhen, die ich allerdings noch nicht habe, und einem entsprechenden Outfit, das wie meine Robe ockerfarben sein muss.

 

Warum zieht es Sie in die Berge? Bergsteigen ist wichtig, um fit zu bleiben, um frische Luft zu tanken, um Leute zu treffen, und es ist auch gut für die Seele. Wenn die Seele Ruhe hat, führt das zu einer guten Tat.

 

Gibt es dann auf der Hütte einen Schnaps? Nein, Alkohol ist einem Mönch verboten. Teil meines Gelübdes ist es auch, nicht selbst einkaufen zu gehen und keine konkreten Wünsche