Wir empfehlen
JUNI 2014

IMMOBILIEN

Bunker zu verkaufen

Grob geschätzte 1.600 Quadratmeter fuer 150.000 Euro in Amras – das klingt nach einem Wahnsinnsschnäppchen am teuren Innsbrucker Wohnungsmarkt. Zu verkaufen ist allerdings keine Wohnung, sondern eine Stollenanlage. 6020 hat sich mit Taschenlampe reingewagt.

Fotos: Emanuel Kaser

„Es gab Anfragen für schwarze Messen oder für eine Maturafeier.“

Karin Reichegger
E

s ist dunkel, mucksmäuschenstill und kalt, vereinzelt tropft es auf den Boden, alle paar Meter gibt es eine Einbuchtung oder eine Abzweigung. Wie kommt eine junge Frau zu einer historischen Stollenanlage? „Nachdem die erfolgreiche Champignonzucht der Vorbesitzer ins Ausland verlagert wurde, hat mein Bruder den Bunker gekauft – und ich ihn dann von ihm. Geplant war eigentlich eine Diskothek namens ‚Underground‘. Leider ist dieses Projekt am Parkplatzproblem gescheitert“, erklärt Besitzerin Elisabeth Mujagic-Omeradzic.

Diverse Anfragen.

An den Wänden schroffer Stein, der Boden lehmig, immer wieder taucht Unerwartetes auf, ein verrosteter Schubkarren oder alte Holzpaletten. Wer kann einen Bunker gebrauchen? Gespräche hat es in den letzten Jahren einige gegeben: „Mit Interessenten für eine Heilpilze-Zucht beispielsweise, mit der Polizei, mit dem Bundesheer, mit den Schützen, mit der Firma Tirol Milch bezüglich einer möglichen Käseherstellung. Ein Stromanschluss ist da, ein Wasseranschluss wäre auch kein Problem“, erklärt Mujagic-Omeradzic.

//

 Gebaut wurde der Bunker 1944 als Zufluchtsort für 950 Menschen, vermutlich wurde er in den letzten Kriegsmonaten auch noch genutzt. Immobilienmaklerin Karin Reichegger von Alpinreal hat schon so manches schräge Angebot erlebt: „Es gab Anfragen für schwarze Messen oder gerade erst vor kurzem für eine Maturafeier. Der Bunker ist aber eigentlich nicht mietbar. Die Frage, wer haftet, wenn etwas passiert, und das Müllbeseitigungsproblem lassen das nicht zu.“

//

 Bevor ein Käufer gefunden wird, gibt es zunächst eine andere Frage zu klären: Wie findet man wieder hinaus? „Ich bin die Anlage – beispielsweise für Fotos – schon ein paar Mal abgegangen. Trotz der vielen Gänge und Abzweigungen kommt man immer irgendwann wieder ins Freie“, lacht Karin Reichegger und stößt die Tür nach draußen wieder auf.   

         

Interessierte mit ernsthaften Kaufabsichten können sich an die Firma Alpinreal wenden.

„Nachdem die erfolgreiche Champignonzucht der Vorbesitzer ins Ausland verlagert wurde, hat mein Bruder den Bunker gekauft – und ich ihn dann von ihm.“

Elisabeth Mujagic-Omeradzic