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JÄNNER 2014

Wohnen

Wohndemokratie

Das Wohnprojekt „Zukunft Wohnen“ in Pradl ist nicht nur eines der derzeit größten in Innsbruck, sondern besitzt aufgrund einer speziellen Einbindung der Mieterschaft durchaus Modellcharakter.

Fotos: Brandmedia
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igentlich klingt es zunächst nach nichts Besonderem. Ein weiteres Bauvorhaben in der gefühlten Großbaustelle Innsbruck soll ab Ende 2014 über die Bühne gehen und derzeit läuft ein Wettbewerb darum, welches Architekturbüro den Zuschlag bekommen soll. An sich nichts Neues. Doch bei näherer Betrachtung fällt auf, dass es sich bei diesem Wohnprojekt in Pradl doch nicht um alltägliche Kost handelt, wie man sie in der Stadt seit vielen Jahren erlebt. 

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Das liegt zunächst einmal an der Dimension des betroffenen Areals. Immerhin 246 Wohnungen sind momentan im „Geviert“ Knoller-/Hörmann- und Hunoldstraße untergebracht, bis 2017/18 soll eine Generalsanierung durchgeführt, neuer Wohnraum geschaffen und die Infrastruktur weiterentwickelt werden. Damit handelt es sich dabei um eines der derzeit größten Siedlungserneuerungs- und Weiterentwicklungsprojekte in Innsbruck – auch wenn im Gegensatz zu vielen anderen Projekten ein ganz griffiger Name fehlt, da sich schlichtweg keiner anbot. Der Eigentümer BWSG, ein gemeinnütziger Wohnbauträger mit Sitz in Wien, entschied sich letztlich für „Zukunft Wohnen“. 

Historisch gewachsen.

Interessant ist das Areal aber nicht nur aufgrund der doch stattlichen Summe an Wohnungen, sondern auch aufgrund seiner Historie. Das zwischen dem historisch gewachsenen Stadtteil Pradl und dem Tivoli-Schwimmbad gelegene Geviert blickt auf eine 100-jährige Geschichte mit drei Bauepochen zurück. Bereits 1912/13 wurden an der Knoller- und Hörmannstraße die ersten Gebäude errichtet, in den 1920er- und 1930er-Jahren wurde der Baubestand sukzessive ergänzt. Die Bauteile in der Hörmannstraße und der Hunoldstraße wurden schließlich in den 1960er-Jahren im Zuge der bis dato letzten Bauetappe errichtet. Teilweise finden sich im Geviert noch Substandardwohnungen, wie man sie sonst nur aus der Altstadt kennt. Tiefgaragenstellplätze wie in der heutigen Zeit üblich sucht man vergeblich.

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„Gerade die bauhistorische Geschichte dieses Viertels stellt die Architekten vor eine spannende Herausforderung. Aus Bausubstanz aus unterschiedlichen Epochen, aus Wohnungen in diversen Qualitätskategorien, aus Bauteilen, die nicht barrierefrei zugänglich sind, und aus fehlender Infrastruktur soll ein Viertel entstehen, das den heutigen Ansprüchen des Wohnens gerecht wird“, erklärt Architekt Thomas Klima, der mit der Ausschreibung des mehrstufigen Wettbewerbsverfahrens beauftragt wurde. 

1913 22 30 Innsbruck Pradl1

Einst und jetzt 

Das Geviert Knoller-/Hörmann- und Hunoldstrafle blickt auf eine 100-jährige Geschichte mit drei Bauepochen zurück. Ab 2014 kommt es zur umfassenden Neugestaltung des Areals.