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JÄNNER 2014

„Dreckig, aber schön“

Kaminkehrer haben rund um den Jahreswechsel nicht nur eine symbolische Bedeutung, sie erledigen auch einen äußerst wichtigen Job. 6020 hat einen von ihnen auf den Dächern von Innsbruck begleitet.

Fotos: Emanuel Kaser
E

s wird erst langsam hell, als Georg Krismer durch eine enge Metalltüre ins Freie klettert. Das Blechdach des Reihenhauses ist mit Reif bedeckt. Trotz der geringen Schräge kann sich der Boden unter seinen Füßen schnell in eine gefährliche Rutschbahn verwandeln. Deswegen muss jeder Schritt sitzen, wenn sich der Kaminkehrer an die Arbeit macht. Dennoch lässt er es sich nicht nehmen, kurz über den Dächern von Innsbruck den Sonnenaufgang zu bewundern. Früh aufstehen gehört für den 23-Jährigen zum Job. „Wir versuchen, so viele Termine wie möglich abzuwickeln, bevor unsere Kunden in die Arbeit müssen“, erklärt er. So bleibt diesen das Warten erspart und Krismer und seine Kollegen von „Rauchfangkehrer Lukas Unteregger“ stehen seltener vor verschlossenen Türen.

Willkommen oder lästig.

„Die Zeiten haben sich geändert“, berichtet der Telfer, während er die Kugel – ein gusseisernes Gewicht und eine runde Stahlbürste an einem Seil – in den ersten Schornstein hinablässt. „Am Land und bei Hausbesitzern sind wir meistens gern gesehen. Aber in der Stadt empfinden immer mehr Menschen unsere Besuche als lästig.“ Dabei erfüllen Rauchfangkehrer auch heute wichtige Aufgaben, wie er erzählt. Ebenso wie eine regelmäßige Inspektion der Öfen ist auch das Säubern der Kamine in Tirol gesetzlich vorgeschrieben – und das nicht ohne Grund. „Ruß besteht zu einem großen Teil aus unverbranntem Kohlenstoff“, erklärt Krismer. „Und der ist leicht entflammbar.“

„Dreckig, aber schön“
„Dreckig, aber schön“
„Dreckig, aber schön“
„Dreckig, aber schön“
„Dreckig, aber schön“
„Dreckig, aber schön“

„Am Land sind wir meistens gern gesehen. In der Stadt empfinden immer mehr Menschen unsere Besuche als lästig.“

Georg Krismer

Reiniger und Seelsorger.

Krismer betreut ein festgelegtes Gebiet. „Ich kenne alle meine Häuser und Kunden“, meint er. Auch wenn der 23-Jährige erst seit drei Jahren hier unterwegs ist, findet er die Lichtschalter in den Kellern blind, ebenso wie den Weg zu den Heizungen. Und vor allem die älteren Leute freuen sich, wenn er vorbeikommt. „Das ist einer der schönsten Aspekte meines Jobs. Der Kontakt zu den Leuten macht einfach Spaß. Inzwischen bin ich schon lange genug dabei, um zu sehen, wie die Kinder größer werden. Und manchmal ist man auch ein wenig Seelsorger.“

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Im Laufe des Tages klettert er auf elf Dächer, reinigt zig Kamine, Heizungen und Öfen, befreit Rohre mit einer selbstgemachten

Federkielbürste von Ruß und berät Kunden. „Dass Kamine wichtig sind, vergisst man im Zeitalter von Zentralheizungen gerne“, beklagt er. „Bei Fernwärme- oder Elektroheizungen braucht es nur eine Störung irgendwo im System. Wenn dann bei Minusgraden länger die Heizung ausfällt, kann das zu einem großen Problem werden.“ Aus diesem Grund war es in Tirol auch eine Zeit lang vorgeschrieben, jeden Neubau mit Kamin zu errichten, selbst wenn kein Ofen daran angeschlossen war. So konnte im Notfall mit einem einfachen Holzofen geheizt oder sogar gekocht werden. „Inzwischen ist diese Vorschrift gefallen“, erzählt Krismer. „Aber wenn man an die steigenden Kosten von Gas und Öl und die zunehmenden Blackouts im Stromnetz denkt, finde ich diese Entscheidung eher kurzsichtig.“