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JÄNNER 2014

Meinung

Pro & Contra

Übers Wetter reden oder nicht?

W

enn ich es mir aussuchen könnte, würde ich auch lieber auf sinnlosen Smalltalk verzichten. Aber so läuft die Welt nun einmal nicht. Es wird immer Situationen geben, in denen man 30 bis 120 Sekunden mit jemandem überbrücken muss, den man entweder zu wenig kennt, um mit ihm über sinnvolle Themen zu sprechen, oder mit dem man ganz einfach nicht über Sinnvolles reden will. Und so wird eben das gute alte Wetter bemüht. Herrlich! Denn irgendetwas ist immer – es ist immer warm oder kalt, trocken und nass, windig oder schwül. Außerdem ist den Menschen immer gleich „ZU kalt“ oder „ZU heiß“, das ergibt Gesprächsstoff für Stunden.

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Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sein muss, in einer Klimazone zu leben, wo jeden Tag das gleiche Wetter ist. Zum Glück muss ich das auch gar nicht, denn in Innsbruck ist wettertechnisch immer genug los (Der Föhn! Immer dieser Föhn!), um eine Liftfahrt, eine Begegnung im Stiegenhaus oder die Höflichkeitsphase am Beginn eines unangenehmen Gesprächs zu überstehen. 

S

chweigen ist heutzutage total unterbewertet. Wenn mein Zugnachbar meint, dass „alles die ganze Zeit teurer wird“, „die Politiker ja alle sowieso nur Diebe sind“ oder dass „bald der erste richtige Schnee kommen wird“, dann denke ich mir: Wieso nicht einfach einmal niveauvoll die Klappe halten?

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Oma sagt ja immer, dass man einen guten Freund daran erkennt, dass es nicht unangenehm ist, wenn man schweigend zusammensitzen kann. Ich würde das auf die gesamte Menschheit ausweiten. Gibt es etwas zu sagen, dann bitte nur heraus damit. Ist dem nicht der Fall, dann freundlich nicken, lächeln und einfach mal die Stille genießen. Die gibt es eh viel zu selten.

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Das Gespräch im Stiegenhaus, Zug oder Lift muss ja nicht gleich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens beginnen, aber interessantere Themen als das Wetter finden sich immer. Man könnte zum Beispiel über einen Vorgesetzten, Lehrer oder sonst wen reden. Und sollte dem nicht so sein, so bietet sich immer noch – ich sage es noch einmal – das stilvolle Schweigen an.