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JÄNNER 2014

Kino

Nächtens in Detroit

Jim Jarmusch begleitet mit „Only Lovers Left Alive“ designverliebte Vampire durch opulent verfallende Städte.

Foto: Pandora Film
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in Vampir hat es dieser Tage nicht leicht: Will er – in Jahrhunderten zum Philanthrop gereift – auf Menschen als Ernährungsgrundlage verzichten, ist er auf Blutkonserven angewiesen. Die in guter Qualität zu finden, ist allerdings alles andere als leicht.

 

Lebensspendender Rausch.

Nahrungsbeschaffung steht dementsprechend im Mittelpunkt des (Nacht-)Lebens von Vampir Adam (Tom Hiddleston) und Vampirin Eve (Tilda Swinton), die seit Jahrhunderten verheiratet sind und inzwischen eine Long-Distance-Beziehung führen. Eve lebt in der Altstadt von Tanger, Adam ist Musiker in einem heruntergekommenen und einsamen Viertel in Detroit. Da wie dort folgen sie einem Leben, das Jarmusch wohl nicht zufällig als das von reichen Edel-Junkies inszeniert. Abgeklärt und langsam wandeln sie durch ein müdes Dasein, das sie seit Jahrhunderten kennen. Der Rausch, der sich nach dem Genuss von Blut, Literatur und Musik einstellt, wirkt dabei als lebensspendende Konstante, die Adam und Eve über ihr Fremdheitsgefühl in einer digitalisierten Welt hinweghilft. Ein Treffen des Paars in Detroit

und der Besuch von Eves Schwester Ava (Mia Wasikowska) führt schließlich zu Verwicklungen, die eine Flucht nach Tanger notwendig machen. Dort droht allerdings der Blutnachschub zu versiegen ...

Ruhe und Einsamkeit.

Inhaltlich hat „Only Lovers Left Alive“ wenig zu bieten, für die Erzählung der Geschichte alleine bräuchte es wohl kaum zwei Filmstunden. Was Jim Jarumuschs Film zu etwas Besonderem macht, ist die ruhige Kamera, die hingebungsvoll die nächtlichen Städte Detroit und Tanger porträtiert. Schmutz und Verfall werden dabei nebensächlich, im Mittelpunkt steht die Ruhe und Einsamkeit verfallender Metropolen. Der Soundtrack zum Film ist eine geglückte Mischung aus Soul, Arab-Pop und Garage-Punk, auch die Hauptdarsteller sind mit sicherer Hand ausgewählt: Tom Hiddlestons Adam überzeugt in seiner depressiven Ruhe, Tilda Swintons Eve gerät zum hellen Vampir-Engel, dem blutleere Augen genauso stehen wie designte Gardarobe und arabische Tücher. Für Jarmusch-Fans ist „Only Lovers Left Alive“ ein Muss, für alle anderen eine Übung im Ertragen von hollywoodferner Erzähl-Langsamkeit.