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JÄNNER 2014

Coverstory

Gute Vorsätze

Wenn die Silvesterkorken knallen, ist so mancher fest entschlossen, sein Leben umzukrempeln. Wir haben mit jenen gesprochen, die mit den guten Vorsätzen das Geschäft des Jahres machen, und haben nachgefragt, wie es richtig geht.

I

m neuen Jahr wird alles anders – und vor allem: viel besser. Deshalb werden Neujahrsvorsätze auch so gerne gefasst. Leider werden sie von den meisten nach wenigen Stunden/Tagen/Wochen wieder verworfen und bald ganz vergessen. Der Zauber des Neuanfangs, des neuen, scheinbar viel konsequenteren Ichs ist schnell verflogen. Um nicht schon Ende Jänner vom gerade erst begonnenen Jahr enttäuscht zu sein, raten Experten zu realistischen Vorsätzen, die klare Zielsetzungen haben.

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Der heimischen Wirtschaft kommen die guten Vorsätze freilich gelegen. Wer sich etwas Gutes tun will, ist meistens nicht geizig. Deshalb machen einige Branchen in dieser Zeit das Geschäft des Jahres. 6020 hat nachgefragt.

Vorsatz 1:
„Ich werde fit.“

Für Fitnessstudio-Besitzer Alois Fauster, der das Alfa am Innrain und das Speedfit in der Hunoldstraße betreibt, ist der erste Monat des Jahres ganz klar der kundenstärkste. Die Zahl der Neuanmeldungen sei im Jänner dreimal so hoch wie im Dezember. Deshalb kommt man den potenziellen Kunden gerade in dieser Zeit mit besonderen Angeboten und Testtagen entgegen. Mit welcher Motivation kommen die Menschen ins Studio? „Die meisten der ‚Jänner-Einsteiger’ haben das Ziel, abzunehmen“, sagt Fauster. Und wie viele halten durch? „Etwa 60 Prozent der Neukunden gehen am Ende des Jahres noch regelmäßig ins Studio.

Alois Fauster

„ Etwa 60 Prozent der Neukunden gehen am Ende des Jahres noch regelmäßig ins Studio.“

Alois Fauster

Vorsatz 2:
„Ich finde einen Partner.“

Wer die Weihnachtstage alleine statt in trauter Zweisamkeit verbracht hat, verspürt vielleicht an den arbeitsfreien Tagen rund um den Jahreswechsel besonders das Bedürfnis, sich einen Partner zu suchen. Werner Baumann, Inhaber der Tiroler Partnerbörse „Best of Singles“, bestätigt das: „Im Jänner und Feber haben wir die meisten Zugriffe. Das hat allerdings nicht nur mit Vorsätzen zu tun, sondern auch mit der Jahreszeit. Im Sommer sind die Leute draußen und deshalb nicht so viel im Internet unterwegs. Im Winter hingegen ziehen das unwirtliche Wetter und die langen Nächte die Menschen in ihre Wohnungen und somit vor den Computer.“

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Der Jahreswechsel gibt Singles oft den letzten Anstoß: „Es ist schon so, dass viele den Jahresbeginn für einen Neustart nutzen und sich eine neue Chance geben wollen. Man schließt mit dem alten Jahr innerlich ab und kriegt so den Kopf frei für Neues.“ Durchschnittlich bleiben laut Baumann weder Frauen noch Männer länger als ein Jahr bei Partneragenturen. Wer nach dieser Zeit noch niemanden gefunden hat, gibt auf. Frauen nutzen das Angebot übrigens in den meisten Fällen sogar noch kürzer, nämlich nur zwischen drei und sechs Monaten.

Werner Baumann

„Viele nützen den Jahresbeginn für einen privaten Neustart.“

Werner Baumann

Vorsatz 3:
„Ich höre mit dem Rauchen auf.“

Einen erhöhten Absatz gibt es in den ersten Monaten des Jahres auch bei Raucherentwöhnungsprodukten. Bis 31. Jänner bieten die Österreichischen Apotheken in Zusammenarbeit mit Nicorette einen Preisnachlass von drei Euro auf alle Produkte, ob Kaugummi, Pflaster oder Spray, an.

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Nach den Weihnachtsfeiertagen werden in den Apotheken übrigens auch verstärkt Produkte zur Entgiftung nachgefragt. „Grundsätzlich ist es egal, wann Vorsätze gemacht werden, wichtig ist, dass sie gemacht werden. Dass sich der Jahreswechsel besonders anbietet, ist klar und deshalb unterstützen wir das auch“, erklärt Dr. Martin Hochstöger, Präsident der Apothekerkammer.

Wichtig sei nur, dass keine Radikalkuren angestrebt werden. Alles was von heute auf morgen und von 0 auf 100 oder auch von 100 auf 0 passiert, tut dem Körper nicht gut, so der Experte.

Vorsatz 4:
„Ich höre WIRKLICH mit dem Rauchen auf.“

Obwohl die Raucherberatung der Universitätsklinik Innsbruck genau für jene Menschen gedacht ist, die an Neujahrsvorsätzen und Nicorette-Pflastern scheitern, spürt die Einrichtung kein höheres Patientenaufkommen zu Jahresbeginn. Den Grund dafür sieht Dr. Verena Günther darin, dass der Schritt in eine Beratung immer noch eine große Hürde darstellt. Nur etwa ein bis zwei Prozent der entwöhnungswilligen Raucher würde eine Beratung in Anspruch nehmen, der Rest probiere es lieber selbst.

Dr. Verena Günther

„Wer schon Monate im Vorhinein den 1. Jänner festlegt, beruhigt damit nur sein schlechtes Gewissen.“

Dr. Verena Günther

Vorsatz 5:
„Ich nehme X Kilo ab.“

Bis zu 20 Prozent Mitgliederzuwächse verzeichnen die Weight Watchers im Jänner und Feber. „Dabei spielen einerseits die Neujahrsvorsätze eine Rolle, andererseits nützen viele Menschen die Zeit nach dem oftmals stressigen Dezember, um sich wieder auf sich selbst und ihre Wünsche und Ziele zu konzentrieren“, so Angelika Rutard, Geschäftsführerin von Weight Watchers Österreich. Für Abnehmwillige dürften die speziellen Aktionen zum Jahresstart ein zusätzlicher Motivationsfaktor sein. Rutard warnt aber vor falschen Erwartungen: „Menschen, die allein aufgrund der Neujahrsvorsätze kommen, wackeln oft sehr rasch. Grund dafür sind unrealistische Erwartungen und eine falsche Herangehensweise.“

Angelika Rutard

„Viele nützen die Zeit nach dem stressigen Dezember, um sich wieder auf ihre Wünsche und Ziele zu konzentrieren.“

Angelika Rutard

5 Tipps, wie man es sicher nicht schafft:

1. Sich die Vorsätze erst im Silvesterrausch überlegen.

2. Vorsätze als Gewissensberuhigung sehen und nach dem Scheitern sagen: Hauptsache, ich hab’s probiert.

3. Alle Laster auf einmal loswerden wollen.

4. Unrealistische Ziele à la „10 Kilo in 30 Tagen“ oder „Mann/Frau fürs Leben finden“ setzen.

5. Frauen- oder Sportmagazinen glauben.

Gewohnheitstiere

Die Bestseller-Autoren Dr. Volker Kitz und Dr. Manuel Tusch erklären in ihrem neuen Buch „Warum uns das Denken nicht in den Kopf will: Noch mehr nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie“, wie man Vorsätze erfolgreich einhält.

6020:

Sind Neujahrsvorsätze eine gute Idee? Dr. Volker Kitz: Das hängt von den Vorsätzen ab. Wer sich vornimmt, im neuen Jahr bestimmte Dinge nicht mehr zu tun, könnte am Ende genau das Gegenteil davon erreichen: noch mehr Zigaretten, noch mehr Schokolade, noch mehr Internet. Denn unterdrücken wir einen Gedanken, dann baut sich in unserem Gehirn ein riesiger Nachholbedarf auf – meist kommt dann ein Rückfall und alles ist noch schlimmer als zuvor.

 

Welche Tipps haben Sie für Menschen, die den Start des neuen Jahres nutzen wollen, um etwas zu ändern? Besser funktionieren positive Vorsätze: also zum Beispiel „mehr Sport machen“ statt „weniger Schokolade essen“. Wer sich partout etwas abgewöhnen will, kann die sogenannte „fokussierte Ablenkung“ nutzen: Denken Sie etwa jedes Mal an eine Giraffe, wenn Ihnen Zigaretten in den Sinn kommen,

so können Sie den Rückfalleffekt vermeiden.

 

Was hilft, um die Vorsätze wirklich einigermaßen einzuhalten? Ein winziger Schritt ist besser als gar keiner. Will ich im neuen Jahr zum Beispiel endlich meinen ersten Roman schreiben, dann setze ich mich besser nur acht Minuten am Tag daran, als zu sagen „Heute komme ich wieder nicht dazu“. Das steigert die Motivation, und am nächsten Tag werden daraus vielleicht schon zwölf Minuten und so weiter.

 

Ist es überhaupt möglich, dass wir uns dauerhaft verändern? Absolut. Wir lieben Gewohnheiten – und die kann man ändern.

 

Was wollen denn die meisten Menschen ändern? Mehr Sport, gesünder leben, mehr Zeit für sich selbst und die Familie haben.

 

Vielen Dank für das Gespräch.