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JÄNNER 2014

Handwerk

Einmal schärfen, bitte!

Manfred Bohner ist Messerschmiede-Meister und der letzte Innsbrucker Scherenschleifer. In seinem Geschäft in der Maximilianstraße können sich Kunden auf eine Zeitreise zurück zur alten Handwerkskunst begeben.

Fotos: Emanuel Kaser
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esser und Scheren kennt Manfred Bohner wie kaum ein anderer. Seit 1959 arbeitet er im Messergeschäft in der Maximilianstraße, 1963 absolvierte er die Meisterprüfung mit einem Jagdmesser als Meisterstück. Damals gab es in Innsbruck noch sechs Messerschmiede, heute ist er der letzte, der eine sogenannte Stadtschmiede mit Scherenschleiferei betreibt. 74 ist er und trotzdem sitzt er noch jeden Tag in der Werkstatt hinter den Schleifsteinen, während seine Frau ihn im Geschäft beim Verkauf unterstützt. Die Freude, scheinbar alten und abgenutzten Gegenständen neue Funktionalität und Leben einhauchen zu können, verhindert den längst möglichen Pensionsantritt.

Wertvoller als gedacht.

Viele seiner Kunden sind Profis – Köche zum Beispiel –, neu geschärft werden bei Manfred Bohner aber nicht nur Messer, sondern auch Scheren und die Schneidewerkzeuge für Druckereien und Buchdruckereien. Immer wieder passiert es auch, dass Kunden mit rostigen alten Scheren und Messern kommen und nachfragen, „ob es sich überhaupt noch lohnt, das alte Zeug herzurichten?“ Derartige Fragen bringen Manfred Bohner zwar längst nicht mehr aus der Fassung, aber doch zum Nachdenken. Dann jedenfalls, wenn sich das „alte Zeugs“ als „Schere in Friedensqualität“ herausstellt. Gemeint ist damit ein Schneidewerkzeug, das zwischen 1890 und 1935 hergestellt wurde und immer noch in vielen Haushalten zu finden ist. Um wenig Geld wiederaufgerichtet besitzen derartige Scheren eine mechanische Qualität, die heute selten geworden ist. Und wenn das richtige Unikat dann den richtigen Sammler findet, sind solche Scheren auch leicht einmal über 100 Euro wert, das hat Manfred Bohner längst im Internet recherchiert.

Besuch beim Scherenschleifer

Wie aus einer anderen Zeit: Die Auswahl an Schneidwerkzeugen im Geschäft von Manfred Bohner ist groß, die Präsentation charmant.

Besuch beim Scherenschleifer
Besuch beim Scherenschleifer
Besuch beim Scherenschleifer

Spezialitäten-Auswahl.

Für Kunden, die weniger am Alten, sondern an Neuwaren interessiert sind, bietet das an die Werkstatt angegliederte Geschäft eine große Auswahl an Messern und Scheren: Bestecke, Nagelscheren, argentinische Gauchomesser, japanische Schneiderscheren, deutsche Nasenhaarscheren, Kochmesser, Pinzetten und Damaszener-Klingen. Die Auswahl ist umfangreich, und den Hinweis darauf, dass echte Qualität, wenn sie fachmännisch gepflegt wird, ein Leben lang hält, gibt es gratis dazu. 

 

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6 Fragen an den Messerprofi:

 

6020:

Sind schwere Koch-Messer grundsätzlich besser? MANFRED BOHNER: Nein, ein Kochmesser muss nicht schwer sein, um gut zu sein.

 

Darf man Messer selber schärfen? Das muss man sogar regelmäßig. Geeignet ist ein Abziehstahl oder eine kleine Schleifmaschine. Nach rund fünf Jahren muss dann aber der Schleifer die Klinge wieder dünn ausschleifen.

 

Dürfen Messer in die Geschirrspülmaschine? Darauf sollte man verzichten. Der Messerschärfe kann die Maschine zwar nichts anhaben, die Messer können aber zu rosten beginnen und die meisten Messergriffe sind auch nicht spülmaschinenfest.

 

Dürfen Messer an den Magnethalter? Ja, weil handelsübliche Messerhalter die Schneide nicht mit den Magneten in Berührung kommen lässt. Aufpassen muss man beim Abnehmen des Messers, das sollte über den Schneiderücken und nicht über die Schneide geschehen.

 

Darf man Messer oder Scheren verschenken, ohne dass es Unglück bringt? Nein, der Beschenkte muss das Messer oder die Schere um einen symbolischen Betrag ablösen.

 

Darf man mit Messern Gefrorenes schneiden? Sollte man nicht, dafür gibt es kleine Sägen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.