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FEBER 2014

Editorial

Kurzparkzonen und Langzeitstrategien

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ieses Thema sorgt für hitzige Gemüter, viel Diskussionsstoff und am Ende wieder einmal auch für weniger Geld in der Tasche: die neue Kurzparkzonenregelung in Innsbruck. Ab Mai soll sie in Kraft treten und sieht dabei die Erweiterung der Innenstadtzone, die Erhöhung des Halbstundentarifs um 40 Prozent auf 70 Cent sowie die Verlängerung der Kurzparkzone bis 21 Uhr vor. Offiziell will man mit dem Konzept die Menschen zum öffentlichen Verkehr bringen, inoffiziell ist das vielleicht der einzig angenehme Nebeneffekt, geht es aber vor allem wieder einmal um zusätzliche Millionen im Stadtbudget.

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Dabei ärgert bei solchen Maßnahmen nicht nur die Teuerung für die Bevölkerung, sondern vor allem der massive Einschnitt bei Lebensqualität und Stadtgefühl. Autofahren in der Innenstadt macht schon ohne Parken keinen Spaß, darf ich mein Auto nur noch 90 Minuten abstellen und muss dafür dann auch noch mehr bezahlen, könnte der eine oder andere durchaus auf den Gedanken kommen, die Innenstadt überhaupt zu meiden. Schon jetzt leiden Gastronomie und Handel unter der Kurzparkzone und den hohen Garagengebühren. Wer gönnt sich nach dem Arztbesuch oder dem Einkauf noch einen gemütlichen Kaffee, wenn jede Minute, die er mit dem Konsum ebendieses verbringt, noch einmal ein paar Cent kostet? Wer lässt sich gerne im Fachgeschäft beraten, wenn er Sorge haben muss, dass die nächste Frage mit 21 Euro geahndet wird? Und wer bitte kann oder will sich das Parken regelmäßig überhaupt leisten?

Wer lässt sich gerne im Fachgeschäft beraten, wenn er Sorge haben muss, dass die nächste Frage mit 21 Euro geahndet wird?

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Einkaufszentren rund um die Innenstadt lachen sich bei solchen Themen ins Fäustchen und wer will es dem gemeinen Innsbruck-Besucher verübeln, dass das Ziel seines Ausflugs schon oft kurz nach dem Ortsschild liegt. Gratis-Parkplätze und kein Stau kombiniert mit vielfältigem Angebot führen oft dazu, dass das eigentliche Stadterlebnis, das Flair einer Innenstadt mit Blick auf die Berge in der Prioritätenliste plötzlich nach unten rutschen. Und ist man bei der Umsetzung der unangenehmen Punkte (teurer, öfter und länger) sehr schnell, lässt man sich bei den verbessernden Neuerungen deutlich mehr Zeit. So ist Innsbruck die einzige österreichische Landeshauptstadt, in der das Bezahlen der Parkgebühr per Handy noch nicht funktioniert. Das wird sich bis zum Start der Reform im Mai auch nicht ändern, hat man zu diesem Thema noch nicht einmal mit der Ausschreibung begonnen.