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FEBER 2014

Kino

Leben statt Sterben

Matthew McConaughey spielt in „Dallas Buyers Club“ mit derartiger Intensität, dass man dem Film sonstige Schwächen gerne nachsieht.

Foto: Thimfilm
K

ann das funktionieren? Ron Woodroof ist ein bis auf die Knochen abgemagerter, drogensüchtiger und aidskranker Freizeitcowboy mit aschfahler Haut und tiefen Augenringen. Matthew McConaughey, der Schauspieler, der dieser Hauptfigur in Jean-Marc Vallees (Young Victoria) neuestem Film „Dallas Buyers Club“ Leben einhauchen soll, ist Träger des Titels „Sexiest Man Alive“ und auch sonst bisher eher selten durch Hässlichkeit aufgefallen. Um es kurz zu machen: Es funktioniert, wie gut, davon zeugen diverse Auszeichnungen für diese Rolle bis hinauf zur Oskar-Nominierung und der Verleihung des Golden Globe.

Die Anderen.

Warum hier so lange über den Hauptdarsteller und so wenig über den Rest der Film-Crew geschrieben wird? Im Fall von Jared Leto, der Ron Woodroofs Crossdresser-Buddy – den ebenfalls mit HIV infizierten Rayon – spielt, ist das wohl ungerecht. Ähnlich wie Matthew McConaughey hat er sich für den Dreh auf veritables Untergewicht heruntergehungert, ähnlich wie McConaughey gelingt es ihm – wenn auch nicht ganz mit dessen atemberaubender Intensität –, eine Randfigur der amerikanischen Gesellschaft der Achtzigerjahre glaubhaft zu beseelen.

Im Fall von Jennifer Garner – im Film eine Ärztin, die zunächst nicht viel von Ron und Rayons illegal aus Mexiko importierter Selbstmedikation gegen die Aids-Erkrankung hält – braucht man allerdings nicht allzu viele Worte über die schauspielerische Leistung zu verlieren.

Der Rest.

Und was den Regisseur Jean-Marc Vallee
betrifft: Dessen Hauptleistung ist vor allem in der geglückten Auswahl der männlichen Hauptdarsteller zu sehen. Zwar hat er die wahre Geschichte des Ron Woodroof und seines erfolgreichen Kampfes gegen Aids und die amerikanische Pharmaindustrie grundsolide inszeniert: Immer wieder jedoch könnte beim Zuseher der Verdacht aufkommen, nicht zur eigentlichen Zielgruppe des Films zu gehören. Die dürfte eher das amerikanische Massen-Publikum sein, das es gewohnt ist, mit der richtigen Musik zum richtigen Zeitpunkt auf die richtige Gefühlsstimmung getriggert zu werden. Dass Matthew McConaugheys Satz bei der Golden-Globe-Verleihung „This film was never about dying, it was always about living!“ dennoch stimmt, hat vor allem mit der Person zu tun, die diesem Film so viel Lebendiges gibt: ihm selbst.