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FEBER 2014

Interview

„Innsbruck hat einen Provinz-Komplex“

Seit 2009 leitet Enrique Gasa Valga die Tanzcompany des Tiroler Landestheaters. Mit „Carmen“, „Faust“ und „Madama Butterfly“ hat er in den letzten eineinhalb Jahren einen Publikumshit nach dem anderen auf die Bühne gebracht.

Interview: Barbara Wohlsein
Fotos: Gerhard Berger
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Die letzte Vorstellung von „Madama Butterfly“ liegt hinter dir, fast alle Vorstellungen waren ausverkauft. Wie blickst du auf die Produktion zurück? Enrique Gasa Valga: Ich bin extrem glücklich, wie alles gelaufen ist. Sue Jin Kang als Solistin nach Innsbruck zu bringen, hat auch dem internationalen Ruf des Hauses gutgetan. Jetzt kommt bereits die Angst, was wir als Nächstes liefern können. Diese Angst ist immer da. Was allerdings hilft, ist die Nähe, die man mittlerweile zwischen dem Innsbrucker Publikum und der Company spürt. Die Zuschauer lieben meine Tänzer. Das beruhigt mich und nimmt mir etwas Druck weg.  

Ohne die Angst schüren zu wollen: Was kommt als Nächstes? Am 1. März hat „Körper.Seelen“ Premiere. Dieses Tanzstück ist ganz klar eine Hommage an meine Tänzer. Sie sind körperlich sehr stark, aber auch sehr emotional und sensibel. Ich kenne sie lachend und fröhlich, aber auch wütend oder traurig. Wir wollen ihre Körper und Seelen zeigen.

 

 „Carmen“, „Faust“, „Madama Butterfly“ – warum sind die Tanzproduktionen im Landestheater fast automatisch Publikumshits? Das hat sicher mit dem Ruf und dem Charisma der Company zu tun. Und es wäre sicherlich schwieriger, wenn wir klassisches Ballett aufführen würden. 

„Ich tanze bei den Proben die Choreografien vor – das war’s. Den Rest der Zeit versuche ich mich nicht zu bewegen.“

Hat der „Tanzsommer“ die Innsbrucker offener gemacht für modernen Tanz? Sicher. Für uns hat der „Tanzsommer“ immer eine gute und eine schlechte Seite: Einerseits kommen dadurch großartige Kompanien nach Innsbruck, andererseits ist die Konkurrenz für uns extrem groß. Das sind sehr teure Produktionen aus der ganzen Welt, die hier eingekauft werden. Wir müssen alles selbst schaffen. Aber wir haben es zum Glück schon mehrfach geschafft, vor ausverkauftem Haus zu spielen, während auf der anderen Straßenseite „Tanzsommer“ war.

 

In der Tanzcompany gibt es keinen einzigen österreichischen Tänzer – warum ist das so? Ich will die besten Tänzer, da mache ich keine Kompromisse. Leider waren bis jetzt noch keine Österreicher beim Vortanzen, die gut genug waren. Vielleicht gibt es sie, aber sie kommen nicht zu uns. Zu uns kommen viele Tänzer aus Südamerika, aus Spanien, denn in diesen Ländern gibt es kaum Jobs für sie. Deshalb sind diese Nationalitäten schon rein statistisch in der Überzahl. 

Wie gerne lebst du in Innsbruck? Ich bin sehr glücklich hier. Ich habe viele Freunde – und ich liebe Skifahren. Eigentlich dürfen Tänzer vertraglich nicht skifahren, aber ich lerne es ihnen persönlich, dann passiert nichts. Man kann ja in Innsbruck, wo man von Bergen umringt ist, nicht sagen: Du darfst da nicht rauf.

 

Was gefällt dir an der Mentalität, was nicht? Ich bin Katalane, ich bin direkt, da verstehe ich mich mit den Tirolern gut. Schwierig ist für mich die Bürokratie. Gerade als Künstler braucht man oft ein bisschen mehr Flexibilität – da wird es dann kompliziert.

 

War für dich nach dem Ende deiner Karriere als Tänzer klar, dass du im Theaterbetrieb bleiben willst? Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören. Als dann 2009 das Angebot von Birgitte Fassbaender kam, die Tanzcompany des Tiroler Landestheaters zu übernehmen, hab ich sofort gespürt, dass es das Richtige ist, in meinem „Zuhause“ zu bleiben. Ich bin Theatermensch, das ist das, was ich liebe und was ich kann. 

Zur Person

Enrique Gasa Valga wurde 1976 in Barcelona geboren, besuchte Ballettschulen in Spanien und Kuba und tanzte anschließend an Theatern in Schottland und Deutschland. Seit der Spielzeit 2003/2004 gehört er zur Tanzcompany des Tiroler Landestheaters. Seit 2009 leitet Gasa Valga die Tanzcompany und kreiert eigene Tanzstücke und Choreografien für Musicals.

Gasa Valga Porträt