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FEBER 2014

Alles fertig, oder?

Schnell soll es gehen und zudem noch schmecken: Zwischen Arbeit und Freizeitstress finden heute nur mehr die wenigsten Zeit, täglich zu kochen. Convenience-Food boomt. Doch heißt Fertiggericht auch automatisch gleich ungesund? 6020 hat nachgefragt.

Fotos: Franz Oss, Fred Einkemmer
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ackerlsuppe, Tiefkühllasagne oder Instantnudeln: Sie sind die besten Freunde all derer, die im stressigen Alltag keine Zeit mehr finden, selbst zu kochen.  Die Erwerbstätigenquote der Österreicher ist seit den frühen Neunzigerjahren kontinuierlich gestiegen, heute liegt sie bei 58,8 Prozent. Dementsprechend haben sich auch die Essgewohnheiten stark verändert. In Deutschland ist der Umsatz im Convenience-Sektor in den letzten 15 Jahren um sechs Prozent stärker gestiegen, als der Lebensmittelumsatz in dieser Zeit insgesamt gewachsen ist. Mit 12,7 Prozent am stärksten zugelegt haben dabei die Umsätze im Bereich „Chilled Food“, also Lebensmittel und Speisen aus dem Kühlregal.

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Der Begriff Convience-Food ist aus dem Englischen entlehnt und bedeutet übersetzt so viel wie „bequemes Essen“. Dazu zählen Lebensmittel, die bereits bearbeitet, vorbehandelt und zubereitet sind. Dabei werden fünf Stufen unterschieden: Stufe 1 bedeutet küchenfertig, hierzu zählt Tiefkühlgemüse. Stufe 5, also verzehrfertige Produkte, sind zum Beispiel Fertigsalate.

Stark bearbeitet.

Wichtig sei aber nicht nur der Vitamingehalt der Produkte, sondern auch die Bioverfügbarkeit der enthaltenen Mikronährstoffe, betont Johanna Moser. Und die ist bei Instantsuppen und fertigen gefriergetrockneten Menüs aus dem Sackerl sehr gering. „Mischfertige Convenience-Produkte, vor allem die in Pulverform aus dem Sackerl, sind für eine gesunde Ernährung äußerst bedenklich. Die Zutaten in Instantsuppen mussten natürlich stark bearbeitet werden, damit zum Beispiel das Grießnockerl, das Fleischstückchen und das Karottenfuzerl zugleich fertig sind.” Moser hält den Trend zu Convenience-Food für äußerst besorgniserregend: „Im extremsten Fall werden die Fertigprodukte dann nicht einmal aufgewärmt verzehrt. Vor allem Kinder von Eltern, denen Ernährung völlig unwichtig ist, sind hiervon betroffen.”

„Die gelegentliche Packerlsuppe ist nicht das Problem, es geht um die Regelmäßigkeit, mit der man Convenience-Produkte konsumiert.“

Johanna Moser
Elfriede Corradini

Die Mitte suchen.

Eine Möglichkeit, Convenience-Produkte etwas aufzupeppen, besteht in der Zugabe von frischen Zutaten. So kann man zum Beispiel frische Tomaten in einer Packerlsuppe mitkochen. „Das ist sicher sinnvoll“, meint Moser. „Aber viel wichtiger wäre ein generelles Umdenken. Die gelegentliche Packerlsuppe ist nicht das Problem, es geht um die Regelmäßigkeit, mit der man Convenience-Produkte konsumiert.“ Auch Corradini findet es sinnvoll, frische mit fertigen Produkten zu kombinieren. „Das Streben nach gesunder Ernährung nimmt zu, doch ist es häufig noch für viele, je nach beruflicher und privater Situation, mit Stress verbunden. Ob dies dann gesund ist? Durch Convenience-Food kann man sich auch etwas Zeit freischaufeln. Bei einer Pizza kann man den Pizzaboden kaufen und dann wunderbar frisch belegen. Es gibt da ganz viele Ideen, wo man sich in der Mitte zwischen Fertigprodukten und frischen Zutaten nähern kann.“