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FEBER 2014

Coverstory

Bis die Kufen glühen

Dass Rodeln endgültig bei den Trendsportarten angekommen ist, darüber kann es in der heurigen Saison keinen Zweifel mehr geben. 6020 kämpft sich durch das große Angebot an Rodelbahnen (und das geringe Angebot an Schnee) und präsentiert die stadtnahen Hütten-Highlights.

Fotos: Berger, Kaser, Oss, Erler

Juifenalm, Lüsens

Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen

Geht-fast-immer-Bahn

S

chneesicher in einem malerischen Seitental des Sellraintals gelegen, präsentiert sich die von ambitionierten Frauen geführte Juifenalm gleichzeitig als schneesicher und schneeschmelzresistent. Wer verschärftes Familienaufkommen nicht scheut, findet hier eine gepflegte, lange und bei tiefen Minusgraden auch schnelle Bahn mit einigen fordernden Kurven. Auf der Hütte gibt es eine eigene Karte mit Tagesgerichten, gekocht wird mit Bio-Schwerpunkt, kredenzt werden Produkte aus eigener Herstellung. Bahn: vier von fünf Juchezern, Kulinarik: vier von fünf Pressknödeln.

 

Juifenalm, Lüsens

Anfahrt ab Innsbruck Hbf.: 28 km Anfahrt Zeit: 30 min Parkgebühren: ja Aufstieg: 92 min (5,14 km) Abfahrt: 13 min (bei langsamen Schneebedingungen)

Kemater Alm

Langstreckenflug

I

m Tal zwischen Hoadl und der Fotsch eingebettet liegt die Kemater Alm. Sie ist nur über einen längeren Marsch zu erreichen – und hier trennt sich die rodlerische Spreu vom Weizen. Da Familien und Anfänger kürzere Strecken bevorzugen, sind die Pros oft unter sich. Die Hütte ist urig, die Pressknödel (3,6 Euro für die

Kemater Alm

Anfahrt ab Innsbruck Hbf.: 20 km Anfahrt Zeit: 21 min Parkgebühren: ja (3 Euro) Aufstieg: 97 min (5,95 km) Abfahrt: 9.30 min

Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen
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Bis die Kufen glühen

Bergheim Fotsch

Bergheim Fotsch

Park and Ride

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er am richtigen (bzw. falschen) Tag ins Fotschertal zum Rodeln fährt, wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Der Parkplatz kann die Automassen bei Weitem nicht mehr fassen, geparkt wird kilometerlang entlang der Bundesstraße nach Grinzens. Wer die Bahn kennt, versteht den Andrang: Mit knapp einer Stunde Gehzeit gerade noch familientauglich, ist sie schnell und technisch nicht besonders anspruchsvoll. Der Aufstieg erfolgt entlang des wunderbar verschneiten Bachs, das Bergheim Fotsch ist ein Geheimtipp für Wild-Fans. Konditionsstarke können die Strecke noch bis zur Potsdamer Hütte verlängern und haben dann eine der längsten Rodelbahnen Tirols (inklusive kleiner Ziehstrecke in der Mitte) vor sich.

 

Bergheim Fotsch

Anfahrt ab Innsbruck Hbf.: 21,4 km Anfahrt Zeit: 22 min Parkgebühren: nein Aufstieg: 56 min (3,6 km) Abfahrt: 4 min (ab Bergheim)

Rodelbahn Alpengasthof Praxmar

Invers Einkehren

D

en Einstieg zur Rodelbahn Praxmar findet man einige Fahrminuten nach dem Parkplatz Juifenalm direkt beim Alpengasthof Praxmar. Von hier aus führt die präparierte Bahn durch ein Touren-Skigebiet hinauf zur Kogel-Alm, die sich nach mehr als einer Stunde Gehzeit allerdings als Enttäuschung entpuppt: Nicht mehr als ein Hüttchen ist sie, zudem immer zugesperrt.

Profis lassen sich dadurch nicht entmutigen und fahren auf der schneesicheren, bei Neuschnee allerdings quälend langsamen Strecke einem kulinarischen Genuss entgegen: dem Alpengasthof Praxmar. Die Bedienung ist sehr bemüht, die Stuben sind großzügig, der Salat ist frisch und die Pressknödelsuppe um 4,70 Euro eigentlich optimal, sieht man von der etwas salzigen Suppe ab.

Bis die Kufen glühen
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Bis die Kufen glühen
Bis die Kufen glühen
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Naviser Hütte/

Stöckl Alm

Familienbetrieb

A

m Ende des Navis-Tals beginnt der Aufstieg zur neu gebauten Naviser Hütte und von dort weiter zur urigen Stöckl Alm. Die Rodelstrecke wurde längst mit dem inoffiziellen Gütesiegel „Familienbahn Nummer eins“ versehen, wer hier außer Bewegung in der frischen Luft noch Abfahrtsspaß genießen will, sollte sehr früh oder sehr spät aufbrechen. Dann allerdings winkt eine sehr schneesichere und gut präparierte Piste als Belohnung. Selektive Kurven und schnelle Geraden sorgen an schnellen, kalten Tagen für die Wiederkehr des Glaubens an den Wintersport und für laute Juchezer bei weniger kontrollierten Rodlern. Die Belegschaft der Naviser Hütte ist grundsätzlich bemüht und freundlich, an sonnigen Sonntagen allerdings manchmal überfordert. Die Knödel sind gelungen, die Innenarchitektur nüchtern alpin. Ganz anders präsentiert sich die Stöckl Alm 16 Gehminuten weiter. Ihre kleine, alte Stube ist richtig gemütlich, wird mit einem Holzofen beheizt und was die Küche mit ihren Knödeln nicht so ganz leisten kann, macht das Hüttenehepaar mit seiner Herzlichkeit wieder wett.

 

Naviser Hütte/Stöckl Alm

Anfahrt ab Innsbruck Hbf.: 31 km Anfahrt Zeit: 32 min Parkgebühren: ja Aufstieg: Naviser Hütte 58 min (3,28 km), Stöckl Alm 76 min (4,14 km) Abfahrt: von der Stöckl Alm 7.30 min, von der Naviser Hütte 5.30 min

Bis die Kufen glühen
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Rauthhütte, Leutasch

Bis die Kufen glühen
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Kamikaze

E

ine wie keine: Die Rodelstrecke Rauthhütte ist sowohl was Steilheit des Aufstiegs, als auch was Rasanz der Abfahrt betrifft, unübertroffen. Kulinarischer Endpunkt des Aufstiegs ist die Rauthhütte, deren SB-Restaurant-Charme noch aus der Zeit des 2003 aufgelassenen Mundelift-Skigebiets datiert.

Da sie jedoch sehr sonnig gelegen ist, eine eigene „Raucher-Stube“ unterhält und preiswerte Pressknödel in akzeptabler Qualität anbietet (2 Käseknödel mit etwas maggiesker Suppe um 5,50 Euro), bleiben Besucher oft länger als ursprünglich gedacht. Die Abfahrt ist dann für Könner mit Bremsfähigkeit eine willkommene Herausforderung, für alle anderen vor allem bei nicht

Brandstatt Alm / Auffang Alm

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Im Outback

 

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er wissen will, wie einsam in Tirol Seitentäler von Seitentälern sein können (wenn sich keine Rodler herumtreiben), dem sei zu Tagesrandzeiten die Rodelstrecke Brandstatt Alm im Oberberg-Tal bei Neustift empfohlen. Malerisch, aber schattig im Aufstieg, elegant und schnell in der kurvigen Abfahrt kann sie mit zwei Besonderheiten aufwarten: der Auffangalm, die sich nach rund der Hälfte der Strecke als rettende Oase für Familienväter mit quengelnden Kindern auftut und von Kennern als Ort auffallend guten Kaiserschmarrns gelobt wird, und die Brandstatt Alm. Dort findet man verdichtet auf engem Raum quasi die Quintessenz des winterlichen Hüttenerlebens: Kachelofen, Bauerntoast, lustige Eingeborene und bemühte Wirtsleute: 6,10 Euro für den gschmackigen Kasspressknödel mit Suppe gehen angesichts der Qualität in Ordnung, 8,60 Euro für den Bauerntoast auch.

 

Brandstatt Alm/Auffang Alm

Anfahrt ab Innsbruck Hbf.: 30 km Anfahrt Zeit: 35 min Parkgebühren: nein Aufstieg: Auffang Alm 35 min (1,9 km), Brandstatt Alm 65 min (3,72 km) Abfahrt: Brandstatt Alm: 9 min

Bis die Kufen glühen
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Bis die Kufen glühen

Enzian Hütte

Enzian Hütte

Anfahrt ab Innsbruck Hbf.: 42 km
Anfahrt Zeit: 36 min
Parkgebühren: nein
Aufstieg: 90 min (ca. 6 km)
Abfahrt: langsame 16 min

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Rifugio dei canederli

 

W

er vor seinen internationalen Freunden mal so richtig auftrumpfen will, könnte auf Facebook seinen Status auf „Tobogganging in Italy“ ändern, wenn er die Enzian Hütte in Rufweite des Brenners besucht. Schneesicher im Gebiet des ehemaligen Zirog-Skigebiets gelegen, ist sie in Wintern wie diesem oft letzte Ausweichstation, will man angesichts aperer Hüttenwege dennoch nicht aufs Rodelvergnügen verzichten. Im oberen Teil richtig schnell und selektiv, wird die Strecke im unteren Teil an warmen Tagen oder bei Neuschnee geriatrisch langsam. Dafür punktet die Enzian Hütte nach langem Aufstieg mit Knödel-Trisen, wie man sie in Nordtirol wohl nicht besser hinbekommen würde. Auch der Mitarbeiter, der seit Jahren im gleichen Message-T-Shirt arbeitet, hat es in sich: „Tausche Wien gegen Südtirol“. Vielleicht könnte man ihn einmal aufklären, dass er Ersteres nicht tauschen kann und Letzteres bereits besitzt?

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Kulinarisches Erlebnis: Das Knödel-Tris um 9 Euro kann bis zu einer halben Stunde Zubereitungszeit brauchen, die Zeit kann man sich aber mit einer Südtiroler Buchweizenschnitte um vier Euro und einem – geschmacklich leider suboptimalen – Kaffee verkürzen.

Rodelbahn Gleirscher Alm

St. Sigmund, Sellraintal

9 Kevins Best

30

3-minütiger Aufstieg, kurze, vom Aufstieg teilweise getrennte Abfahrt, am Abend beleuchtete Rodelbahn, Tischreservierung für Samstagabend-Rodler ist zu empfehlen: Man merkt schon, hier herrschen andere Gesetze, hier ist alles fest in Familienhand. Eine bessere Strecke gibt es kaum, will man seine Kinder zum Rodeln überreden, allerdings gibt es auch keine bessere Strecke, um das Rodeln wieder zu verlernen. Die auf der Gleirscher Alm kredenzten Knödel (drei Knödel mit Suppe um 8,20 Euro) sind schmackhaft, Pommes mit Mayo und Ketchup würden allerdings besser der Zielgruppe entsprechen.

 

Rodelbahn Gleirscher Alm, St. Sigmund, Sellraintal

Anfahrt ab Innsbruck Hbf.: ca. 26 km Anfahrt Zeit: 28 min Parkgebühren: ja, 4 Euro Aufstieg: 35 Kinderminuten (1,6 km) Abfahrt: bis zu 10 Kinderminuten