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APRIL 2014

COVERSTORY

„Es ist angenehm, hin und wieder nicht als Siamese arbeiten zu müssen“

Seit 25 Jahren ist Dirk Stermann im österreichischen Radio, Fernsehen und auf den Kabarettbühnen des Landes präsent. Von 22. bis 25. April ist er wieder im Treibhaus zu Gast. Gespielt wird: „Stermann“.

„Es ist angenehm, hin und wieder nicht als Siamese arbeiten zu müssen, sondern autark. Das ist sehr schön.“

 

Wenn Sie Solokünstler wären, welche Saalgröße würden Sie füllen? Nur kleine, aber ich würde nicht Solokabarettist sein wollen. 

 

Sie sind auch Schriftsteller, Grissemann nicht. Grenzen Sie sich damit ab? Nein, aber es ist angenehm, hin und wieder nicht als Siamese arbeiten zu müssen, sondern autark. Das ist sehr schön.

 

Grissemann erwähnt immer wieder, mit 50 aufhören zu wollen. Das wäre 2016. Meint er das ernst? Ich glaube nicht, aber vielleicht wäre er glücklicher ohne Arbeit.

 

Wofür geben Sie Ihr Geld aus? Für mein Umfeld.

 

Und Grissemann? Für mich und mein Umfeld jedenfalls nicht.

 

Würde Grissemann als Kabarettist in Deutschland eine Chance haben? Natürlich, Deutsche mögen Österreicher.

 

Und Sie? Natürlich nicht.

 

Was war der schlimmste Auftritt Ihrer Karriere? Da gab es zu viele, als dass man eine Hitliste erstellen könnte. Aber ganz am Anfang traten wir in der Steiermark auf und nach zwei Minuten kam der Veranstalter und sagte, wir sollten aufhören, weil es niemandem gefiele, wir sollten aber bitte noch durchsagen, dass es noch Grillhühner gäbe. Derjenige, der uns gebucht hatte, ein Schraubenvertreter, hatte Tränen in den Augen vor Scham.

 

Wenn Stermann & Grissemann sich à la Oasis trennen würden und sich jeder einen neuen Bühnenpartner suchen müsste – wer wäre das? Ich würde Gerald Votava fragen.

 

Und wen würde Grissemann als Bühnenpartner wählen? Seinen Vater.

 

Schämen Sie sich, wenn Sie sehen, wie Grissemann in Deutschland als Bauernseppl Werbung für den Mobilfunk-Discounter klarmobil macht? Nein. Ich glaube, der Trenki ist die Rolle seines Lebens.

 

Stimmt es, dass der Verbund eigentlich nur Sie als Werbe-Testimonial haben wollte? Das glaube ich nicht.

 

Was haben Sie gestern ins Geheime Tagebuch geschrieben? „Mist, morgen muss ich wieder so einen Fragebogen ausfüllen. Ich kann nicht mehr!“

 

Im Briefwechsel Ihrer Mutter mit der Mutter von Grissemann fiel einmal der Satz: „Ihr Dirk war ja – bevor ihn mein Sohn von der Straße geholt hat – Taxifahrer.“ Wie viel Wahrheit steckt in dieser Aussage? Ich war Taxifahrer in Düsseldorf, hab mich aber an den eigenen grauen Haaren da rausgeholt. Obwohl ich immer ein wenig wehmütig an meine Taxizeit zurückdenke. Nachts erlebt man interessante Dinge.

 

Lässt Grissemann den Tiroler besonders raushängen, wenn Sie in Innsbruck sind? Ja. Jedesmal sagt er, wie viel schöner Innsbruck als Duisburg sei und dass die Deutschen so was Schönes nicht kennen.

 

Im April spielen Sie vier Tage in Folge im Innsbrucker Treibhaus – was darf das Publikum erwarten? Mich sehr gut gelaunt, weil ich mich freue, in Innsbruck zu sein. Einer Stadt, viel schöner als Duisburg, so schön, so was kennt man in Deutschland gar nicht.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

„Ich glaube nicht, dass Grissemann wirklich mit 50 aufhört. Aber vielleicht wäre er glücklicher ohne Arbeit.“

 

ZUR PERSON

 

Dirk Stermann wurde 1965 in Duisburg geboren. Er kam 1987 für das Studium nach Wien und begann 1988 für den ORF zu arbeiten. 1989 startete die legendäre Radiosendung „Salon Helga“. Heute Moderator von „Willkommen Österreich“, Werbesprecher und Buchautor.

 

DIRK STERMANN ALS BUCHAUTOR

 

Neben den Büchern, die Dirk Stermann mit seinem Kabarettpartner
veröffentlicht hat, ist er in den letzten Jahren auch als Solo-Autor
erfolgreich in Erscheinung getreten. Den Anfang machte die
Kolumnensammlung „Eier“, die im Czernin Verlag erschien. 2010
erschien das Buch „Sechs Österreicher unter den ersten fünf. Roman
einer Entpiefkenisierung“ im Ullstein Verlag, das zum Bestseller wurde.
2013 kam Stermanns aktuelles Buch „Stoß im Himmel: Der
Schnitzelkrieg der Kulturen“ auf den Markt (ebenfalls im Ullstein
Verlag). Kurzbeschreibung: „Eine deutsch-österreichisch-
französischamerikanische Familiengeschichte voller Absurditäten.“