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APRIL 2014

Sport

Quo Vadis, Tivoli?

Was passiert mit dem Tivoli, falls der FC Wacker Innsbruck absteigt? Werden sich die Spinnweben breit machen oder wird das Stadion gar abgerissen? 6020 fragte bei Andreas Perger, Vereins-Vizepräsident, und Michael Bielowski, Geschäftsführer des Stadionbetreibers Olympiaworld, nach.

Illustration: Monika Cichon
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as Wichtigste vorweg: Das Tivoli wird auch bei einem Abstieg des FC Wacker nicht dicht gemacht. Man wird dort weiterhin American-Football-Spiele der Raiders sehen. Ebenso wird das eine oder andere Länderspiel im Tivoli ausgetragen werden. Jedoch: Kann sich der Tiroler Fußballklub das Stadion nach einem Abstieg in die Erste Liga noch leisten?

Heimat des Vereins.

„Das Tivoli ist die Heimstätte des FC Wacker“, stellt Wacker-Vizepräsident Andreas Perger klar. „Wir haben ein interessantes und schönes Stadion – wir brauchen uns österreichweit nicht zu verstecken.“

Jedoch seien Nachverhandlungen mit Politikern zu den Bedingungen der Nutzung nicht auszuschließen, wenn der FC Wacker in der nächsten Spielsaison in die Erste Liga rutscht. Denn der Verein müsste dann mit kolportierten zwei bis drei Millionen Euro weniger auskommen. Optimistischer gibt sich Michael Bielowski, Geschäftsführer der Olympiaworld: „Ich gehe davon aus, dass sich die Zuschauerzahlen bei einem Abstieg nicht wesentlich verändern werden.“ Auch Einnahmeneinbußen sehe er keine auf die Olympiaworld zukommen.

 

„Ich gehe davon aus, dass sich die Zuschauerzahlen bei einem Abstieg nicht wesentlich verändern werden.“

Michael Bielowski

Verstaatlichter Sport.

Hat Spitzenfußball in Tirol aber noch eine Chance? Oder stehen wir vor Kärntner Verhältnissen – ein zu großes Stadion, das kein Verein füllen kann? Andreas Perger spricht das Problem des Fußballsports an: „In Österreich wird es nicht möglich sein, ohne die öffentliche Hand Fußball zu finanzieren.“ Auch in Deutschland werden Vereine der Bundesliga von staatsnahen Unternehmen gesponsert – wobei der Fußball durch die größeren Einnahmen aus den Fernsehrechten dort mehr Spielraum hätte. Deshalb braucht es in Pergers Augen weiterhin das Bekenntnis der Politik, um den Tirolern Spitzenfußball bieten zu können.

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Selbst die Olympiaworld, die im Eigentum von Stadt und Land steht und das Tivolistadion betreibt, macht mit dem FC Wacker keinen Gewinn.

Geschäftsführer Bielowski: „Unsere Sportstätten und Veranstaltungseinrichtungen werden nie ertragreich sein. Ganz gleichgültig, was man macht und welche Sportart dort ausgeübt wird.“ Den Verlust tragen also Stadt und Land. 

Idole für die Jugend.

„Man muss den Mädchen und Burschen Idole bieten“, sagt Andreas Perger. „Die jungen Talente sollen in Tirol eine Chance sehen, auf einem hohen Niveau Fußball zu spielen. Auch eine zweite Liga bietet ein hohes Niveau.“ Diese Vorbildrolle ist für den Wacker-Vizepräsidenten der Hauptgrund dafür, warum Investitionen in den Tiroler Fußball sinnvoll sind.

 

Sport: Quo Vadis, Tivoli?

Abstiegsszenario. Der Verein und die Olympiaworld machen sich Gedanken, was mit dem Tivoli passieren soll.

 

Warum gibt es eigentlich keine Konzerte im Tivoli? 

 

MICHAEL BIELOWSKI:

"Das Stadion ist als multifunktionales Sportstadion konzipiert, auf Bedürfnisse von Konzertveranstaltern wurde dabei keine Rücksicht genommen. Daher ist ein Konzert im Stadion immer mit einem enormen Aufwand für die Veranstalter verbunden – Behördenauflagen, Rasenabdeckung, Zuschauerbeschr‰nkungen und so weiter. Deshalb nehmen die Veranstalter lieber unser Angebot für Open-Air-Veranstaltungen am Aufleneisring wahr."