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APRIL 2014

Meinung

Pro & Contra

Diesmal: Internet-Hypes

B

art Simpson sagte einmal: „Teenager in depressive Stimmung zu versetzen, ist wie Fische aus einem Fass zu angeln.“ Genauso einfach und sinnlos ist es, sich über Internet-Hypes, im speziellen Facebook-Hypes, aufzuregen. 

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Sicher, der Harlem Shake, die Poetry-Slam-Tante, das Fremde-küssen-sich-Video, Biersauf-Nominierungen und Innsbruck-tanzt-mit-Verspätung-„Get-Lucky“ werden durch dutzendfaches Teilen auf Facebook nicht lustiger, klüger oder schöner, aber Internet-Hypes sind nun einmal wie das Web 2.0 selbst: schnelllebig, aufmerksamkeitshaschend und etwas billig. Da geht es nicht darum, komplexen Humor à la „Die Sendung ohne Namen“ zu entwickeln, sondern zwischen dem Diplom-arbeitsschreiben oder der Bürojob-Tristesse etwas leicht Verdauliches zwei Minuten lang anzuschauen. 

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Nachdem man „Gefällt mir“ geklickt hat und 15 Sekunden über eben Gesehenes nachgedacht hat, kann man sich ja wieder Seriöserem widmen.

E

s ist ja nicht so, dass ich gegen die Anziehungskraft von viralen Videos immun bin, ganz im Gegenteil. Beim ersten Klick fand ich Julia Engelmanns Poetry-Slam-Video eigentlich gut. Nachdem es der Zehnte dann in meiner Facebook-Timeline geteilt hatte und mit einem kitschigen Kommentar versehen hatte, war ich von mir selber ein bisschen enttäuscht, dass ich wieder in die Hype-Falle getappt bin. 

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Das Gleiche gilt für das Kuss-Video – natürlich, das muss man gesehen haben und es ist ja auch gut gemacht, aber wenn der Link zehn Tage später immer noch von Blitzgneißern weiterverbreitet wird, dann geht mir diese orchestrierte Massenbegeisterung einfach nur auf die Nerven.

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Über das Innsbrucker „Get Lucky“-Video will ich mich gar nicht äußern. Ich hab es aber auch gar nicht vollständig gesehen, weil ich mir vor Fremdschämen die Augen zugehalten habe. Natürlich hast du Recht, dass Hype-Videos zu 100 Prozent ins Social-Media-Zeitalter passen. Aber das muss nicht heißen, dass man sie gut findet. Oder teilt.